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Ist "Ocean’s 8" der Superfrauenfilm auf den wir gewartet haben? | Foto: Warner Bros. Entertainment
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21. Jun 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: So steht es um die Gleichberechtigung der Frau im Film

Neu im Kino: "Am Strand" und "Love, Simon"

"Am Strand" (Start: 21. Juni 2018) – Florence (Saoirse Ronan) und Edward (Billy Howle) könnten unterschiedlicher nicht sein. Abgesehen davon, dass beide ein Herz für Musik haben, gleichen sich ihr Background, ihre Familien und ihre Interessen kaum. Dennoch verlieben sich die zwei. Die Gefühle sind sogar so stark, dass sie schnell heiraten. Doch kaum sind sie in den Flitterwochen an der englischen See, treten die ersten echten Probleme auf – die unterschiedlichen Erwartungshaltungen an die erste gemeinsame Nacht lassen dunkle Wolken in ihrer sonst so heilen Welt aufziehen.

Autor Ian McEwan ist spätestens seit "Abbitte" ein Name, den man mit opulenten Büchern und vielen gelungenen Romanverfilmungen verbindet. Das neue Werk macht da keine Ausnahme. Die Dialoge sitzen, es schwingt in jedem Wort, jeder Geste und in jedem Blick immer viel mehr mit, als man zunächst zu greifen vermag. Nur hat dieser Film mehr vom Kammerspiel als andere zuvor, was dem Drama aber nur noch zuträglicher ist. Und Saoirse Ronan wartet hier mit einer schauspielerischen Leistung auf, die sich erneut für einen Oscar bewerben könnte.

"Love, Simon " (Start: 28. Juni 2018)Simon (Nick Robinson) ist schwul. Das weiß er ziemlich genau, nur Freunden und Familie hat er es bisher verheimlicht. Erst als sich ein anonym bleibender Mitschüler online als homosexuell outet und von seinen Erfahrungen berichtet, fühlt auch Simon das Verlangen sich mitzuteilen. Unter einem Synonym schreibt er dem anderen Schüler und bald kommen sich die beiden näher. Blöd nur, dass jemand Wind von den intimen Mails bekommt und Simon versucht zu erpressen.

Diese Romanverfilmung muss sich herrlicherweise nicht hinter dem gedruckten Papier verstecken. Alle Charaktere in dieser Coming-of-Age-Story sind vielschichtig, wenig stereotyp und dazu noch sausympathisch. Dass Simon mit seinem Coming Out hadert, erweist sich als nachvollziehbar, aber nie als zu melodramatisch. Ein Film, der die richtige Mischung aus Komödie, Romanze und Drama hat und dazu einmal echt so wirkt, als hätte ihn jemand auf die Leinwand gebracht, der auch Ahnung von dem hat, was er da zeigt.


Thema der Woche: So steht es wirklich um die Gleichberechtigung der Frau im Film

Kleines Update: Wir haben jetzt schon über die Hälfte von 2018 geschafft. Hinter uns liegen die von starken Frauen und eingeschüchterten Männern geprägten Oscars, immer mehr Schauspielerinnen haben sich der "Time's Up"-Bewegung angeschlossen und Harvey Weinstein musste bereits vor dem New Yorker State Supreme Court Stellung zu den Vergewaltigungs- und Belästigungsvorwürfen Stellung beziehen (der Hollywood-Produzent plädiert auf nicht schuldig). Aber was hat sich wirklich seit dem Anstoß der "Metoo"-Debatte geändert?

James Franco, Kevin Spacey, Casey Affleck: Die Namen dieser Schauspieler fielen, als nach und nach Missbrauchsvorfälle an das Tageslicht gebracht wurden. Sie schwirrten einige Wochen durch die Medien – dann wurde es ruhig. Die besagten Stars zogen sich zurück, so etwas wie eine Aufklärung gibt es aber nicht. Zurück bleiben (reißerische) Artikel, mit Behauptungen und vielen Fragezeichen. Eine der letzten großen Meldungen zu dem Thema war wohl das misslungene Fake-Tattoo von Emma Watson, die beim Schriftzug "Time's Up" das Apostroph vergessen hatte. Wie steht es nun also um die Frauen, ihre Stimmen und ihre Gleichberechtigung in der Filmbranche?

Tatsächlich handelt es sich immer noch um einen Kampf und nicht einfach nur um einen Wandel. In Cannes demonstrierten 82 Frauen aus der Branche für gleiche Bezahlung. Als Sprecherin diente ihnen Jurypräsidentin Cate Blanchett, die betonte, dass eine Einkommensgleichheit nun wirklich an der Zeit sei. Von einem Handlungsbedarf liest man immer wieder. Doch an der Umsetzung hapert es. Schon im Frühjahr kamen Medienschaffende in Berlin zusammen, um mit der Initiative "Pro Quote Film" in Deutschland gegen die Benachteiligung der Frau im Film anzugehen. Dabei steht unter anderem Schauspielerin Jasmin Tabatabai für eine 50-Prozent-Quote bei der Vergabe von Aufträgen und Fördergeldern ein.

"Ocean's 8" ist voll mit Klichees

Aktuell ist davon wenig zu spüren. Aktuell sind die Kinos voll von Männern: "Jurassic World", "Solo: A Star Wars Story", "Papst Franziskus" und "Deadpool 2" bestimmen die Vorstellungen. Ab dieser Woche wird "Ocean's 8" dazukommen, also der erste Teil der Reihe mit einem komplett weiblichen Cast. Dafür sollte dennoch nicht gleich übermütig applaudiert werden. Die Regie und teils auch das Drehbuch übernahm wieder mal ein Mann (Gary Ross). Und der scheint noch nicht so ganz die Zeichen der Zeit gedeutet zu haben. Zwar gibt Sandra Bullock, als Danny Oceans Schwester, hier die toughe Superfrau ohne Gewissen – aber letztlich geht es ihr doch nur um die Rache an einem Mann. Dem einen, der sie sitzen und auffliegen lassen hat. Die Klischee-Keule hat hier definitiv zugeschlagen. Ihr Team ist ebenfalls nicht frei von Stereotypen. Es gibt beispielsweise noch die gelangweilte Hausfrau in der Runde und die eine, die ihren ganzen Körper einsetzen muss, um das zu bekommen, was sie will. Zwei Stunden diesem Fehlversuch zuzuschauen, tut echt weh – ganz ähnlich wie dem 2016er "Ghostbusters"-Team rund um Melissa McCarthy und Kristen Wiig.



Lasst uns einen Film wie "Ocean's 8" als Weckruf sehen – es ist immer noch so viel zu tun. Klar, die "Metoo"- und Gleichberechtigungsdebatte hat Wellen geschlagen. Sie hat auch Menschen fernab der Filmwelt erreicht und ermutigt. Die Diskussionen halten an. Aber sie dürfen nicht abschwächen. Es muss mehr Unterstützung, mehr Raum und auch mehr Solidarität geben, sodass wir im nächsten Jahr endlich die Früchte sehen können. Also mehr Hauptdarstellerinnen (neben denen nicht zum Ausgleich sofort zwei Männer danebengestellt werden müssen), insbesondere auch in Blockbustern. Weniger Klischees auf der Leinwand – dafür würde es wahrscheinlich reichen, wenn einfach mal mehr Frauen als Drehbuchautorinnen für große Produktionen arbeiten und auch sonst führende Positionen bekleiden würden. Die nächsten fetten Popcornstreifen wie "Ant-Man And The Wasp", "Mission: Impossible – Fallout", "Christopher Robin" und "Venom" sollten nicht nur mit Männern werben dürfen. Lasst uns weiter dranbleiben, uns dafür einsetzen und stark machen. Denn das ist doch echt wichtig, oder?

Rekordverdächtig: Die zweite Staffel von "Bad Banks" wird mit 500.000 Euro gefördert

Das Medienboard Berlin-Brandenburg lässt sich nicht lumpen: Mit einer halben Million Euro fördert es die Fortsetzung der Thriller-Serie "Bad Banks". Es kann also zum Glück bald weiter produziert werden! Die sechs Episoden mit Paula Beer in der Hauptrolle hatten in diesem Frühjahr bereits aufgrund der komplex-spannend erzählten Storyline und der Hochglanzproduktion große Lust auf mehr gemacht.

Streaming-Perle: "Hazel Brugger passiert"

"Hazel Brugger passiert" (Verfügbar bis zum 30. Juni in der ZDF-Mediathek) – Hazel Brugger ist eine deutsche Stand-up-Comedian, die man sich dringend merken sollte. Sie hat nicht nur gute sitzende Gags, sie klärt gleich auch noch auf. Sie sagt, was es mit künstlerisch wertvollen Namen auf sich hat, wann Babys zum Diskurs beitragen können und sie stellt die Frage, ob Humor eigentlich nur als Abwehrreaktion auf das Leben entsteht?

Darauf freuen wir uns: "Dumbo"

"Dumbo" (Kinostart: 04. April 2019) – Die Geschichte von dem Zirkuselefanten Dumbo kennt wohl jeder. Nur jetzt hat sich Weidro-Regisseur Tim Burton an einer Realverfilmung (allein der Protagonist ist animiert) versucht und der Trailer sieht schon mal gar nicht mal schlecht aus. Hier scheint echt einiges aus der Computertechnologie herausgeholt worden zu sein!


Die nächste Filmicum erscheint am 05.07.2018

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