Guillermo del Toro The Shape of Water
Regisseur Guillermo del Toro (2.v.r.) am Set von "Shape of Water" | Foto: © Twentieth Century Fox
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14. Sep 2017

David Streit

Filme

Film-News: Wozu sind Filmkritiken eigentlich gut?

FILMICUM in der KW 37/38 im Überblick:

Neu im Kino

"Logan Lucky" (Start: 14. September 2017)
"Blind & Hässlich" (Start: 21. September 2017)

Thema der Woche

Guillermo del Toro über die Aufgabe von Kritikern

Wie wurde es gemacht?

So erwacht der Riesenaffe in "Kong: Skull Island" zum Leben

Streaming-Perle

"Das VHS-Imperium – Als das Kino nach Hause kam"
(Verfügbar bis 31. Oktober 2017 in der Arte-Mediathek)

Darauf freuen wir uns

"Jungle" (DVD-Start: 27. Oktober 2017)


Neu im Kino

"Logan Lucky" (Start: 14. September 2017) – Eigentlich hat Regisseur Steven Soderbergh ("Oceans Eleven") 2013 seinen Ausstieg aus dem Filmzirkus verkündet und sich stattdessen der Serienentwicklung für TV und Streaming gewidmet. Doch ganz offensichtlich hat ihn mit "Logan Lucky" ein Drehbuch erreicht, dass er einfach nicht unbeachtet liegen lassen konnte. Zu Recht, denn diese Gauner-Komödie gehört definitiv ins Kino.

Die US-amerikanischen Südstaaten sind nicht gerade berühmt für ihre Aufstiegschancen. Als Jimmy Logan (Channing Tatum) mal wieder unverschuldet seinen Job verliert, schmiedet er daher mit seinem Bruder Clyde (Adam Driver) den Plan, ein NASCAR-Rennen zu überfallen. Als Bauarbeiter kennt er alle Geheimnisse des Geländes. Blöd nur, dass der nötige Tresorknacker (Daniel Craig) erst noch aus dem Knast befreit werden muss, um an das ganz große Geld zu gelangen.


"Blind & Hässlich" (Start: 21. September 2017) – Viele gute Geschichten beginnen mit einer Lüge. Im Falle von "Blind & Hässlich" ist es Jona (Naomi Achternbusch), die vorgibt blind zu sein, um eine der begehrten Wohnungen in einer Blindeneinrichtung zu bekommen. Blöd nur, dass sie ausgerechnet in ihrer neuen Rolle auf Ferdi (Tom Lass) trifft und sich unsterblich in ihn verliebt. Er selbst lebt mit einer akuten sozialen Inkompetenz und die Zweisamkeit mit der blinden Jona ist gerade noch erträglich für ihn.

Die dritte Hauptrolle in dem deutschen Drama spielt die Hauptstadt Berlin. Denn "Blind & Hässlich" ist tief mit der Clubszene verwurzelt und nimmt so manchen Sonnenauf- und -untergang mit. Der Umgang mit den diversen Behinderungen im Film ist völlig klischeebefreit und zeigt, dass Integration oft nur bedeutet, die Chance zu bekommen, am Leben teilzunehmen.


Thema der Woche

Filmemacher und Drehbuchautor Guillermo del Toro ist bekannt für seine genauso mehrdeutigen wie düsteren Spielfilme – darunter "Pans Labyrinth" oder "Pacific Rim". Nun machte ein Interviewschnipsel die Runde, in dem er sich ganz direkt zum Stellenwert der Filmkritik geäußert hat. Das ist in keiner Aussage à la "Birdman" geendet, wo Kritiker von Michael Keatons Rolle als wertlos beschimpft werden. Del Toro sieht die Aufgabe der Filmbesprechung viel mehr darin, Kontexte zu erklären:

Im Gegensatz zu Schauspielern und anderen Beteiligten sollte sich der Kritiker also nicht als Teil des kreativen Prozesses begreifen, sondern als Übersetzer. Auch fällt die Metapher der Autopsie, während der ein Redakteur den zu besprechenden Film in seine Bestandteile zerlegt und für Außenstehende begreifbar macht. Denn die Intentionen einer Szene werden beim Schauen oft gar nicht unmittelbar klar. Dafür braucht es eben jemanden, der sich mit den Hintergründen und Bedeutungen beschäftigt hat. Und bei alledem geht es noch nicht um persönliche Meinungen!

Vielleicht sollten sich Kritiker daher selbst etwas weniger wichtig nehmen und mehr in der Rolle eines Analysten aufgehen. So könnten sie laut del Toro wahre Mehrwerte für die Leser schaffen. Außerdem regt er dazu an, sich in Zeiten von Blogs nicht mehr mit allem auseinandersetzen zu müssen. Stattdessen solle man sich lieber nur zu den Themen äußern, die einem selbst etwas bedeuten und zu denen man auch etwas beitragen kann. Kein schlechter Ansatz, den wir selbst gerne noch mehr beherzigen wollen! Der Auszug stammt übrigens aus seinen eigenen veröffentlichten Notizen mit dem Titel "Cabinet of Curiosities".

Und es gibt für Guillermo del Toro gleich noch einen Grund zu Freude. Sein neuestes Werk "Shape of Water" (Start: 15.02.2018) wurde dieser Tage bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem höchsten Preis auszeichnet, dem Goldenen Löwen. Mit Tränen in den Augen bedankte er sich: "Ich bin 52 Jahre alt, wiege 300 Pfund und habe zehn Filme gemacht. Es gibt im Leben eines jeden Geschichtenerzählers einen Moment, egal wie alt du bist, da riskierst du alles und machst etwas anderes."


Wie wurde es gemacht?

In einem Making-of zeigen die Macher von "Kong: Skull Island", wie der titelgebende Riesenaffe im neuesten Prequel zum Leben erwacht. In der Geschichte reist eine Gruppe von Wissenschaftler auf eine einsame Insel, um diese zu untersuchen. Während die einen erkennen, dass King Kong das Gleichgewicht bewahrt, sehen die anderen ihn als große Gefahr. Obwohl viele der Kreaturen aus dem Film nur aus dem Computer stammen, sind der Detailgrad vom Aussehen bis hin zu den Bewegungen einfach nur phänomenal.


Streaming-Perle

"Das VHS-Imperium – Als das Kino nach Hause kam" (Verfügbar bis 31. Oktober 2017 in der Arte-Mediathek) – Hast du noch eine echte Filmsammlung zu Hause rumstehen? In Zeiten von Streaming-Abos werden immer mehr Menschen diese Frage verneinen. Dabei ist die Heimkino-Revolution noch gar nicht so alt. Mit Einführung der Videokassette kamen erstmals Millionen Menschen in den Genuss des Schauen-wann-man-Lust-hat. Diese Doku spürt der Bedeutung der Technologie nach.


Darauf freuen wir uns

"Jungle" (DVD-Start: 27. Oktober 2017) – Passenderweise enden wir dieses Mal mit einer Empfehlung für Zuhause. Und bei "Jungle" mit Daniel Radcliffe drängt sich sofort ein schlechter Witz auf: "Harry, du darfst nicht in den verbotenen Wald gehen!" Okay, der musste raus.

In "Jungle" spielt Daniel Radcliffe nun einen Aussteiger, der mitten im Nirgendwo plötzlich ganz auf sich gestellt ist. Um ihn herum ist nur noch die Natur, die es mit allen Mitteln auf ihn abgesehen hat. Bereit für einen Überlebenskampf, der auf wahren Ereignissen beruht?


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 28. September 2017

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