Filmkritik Greatest Showman
Alles für die Show! Barnum und sein Ensemble begeistern die Massen | Foto: 20th Century Fox
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03. Jan 2018

Sandra Ruppel

Filme

Greatest Showman

Was kann das Musical mit Hugh Jackman und Zac Efron?

Greatest Showman: Der Mann, der das Showbiz erfand

Phineas Taylor Barnum (Hugh Jackman) wächst in prekären Verhältnissen auf, sein Vater stirbt schon früh, er muss sich als Vollwaise alleine durchschlagen. Glücklicherweise hat er einen Kopf voller Träume, jede Menge Ideen und ein klares Ziel vor Augen: Er will seine Jugendliebe Charity (Michelle Williams) heiraten und ihr ein komfortables, sorgenfreies Leben bieten.

Obwohl das mit dem Leben in Wohlstand noch nicht sofort klappt, gründen die beiden eine Familie, bekommen zwei kleine Töchter und sind glücklich. Sie machen das Beste aus dem Bisschen, das sie haben. Trotzdem ist Barnum weiterhin von dem Wunsch getrieben, in der Gesellschaft aufzusteigen. Ruhm und Reichtum wünscht er sich – und um das zu erreichen, schreckt er auch nicht vor ein paar Schummeleien zurück.

Nebst einem ziemlich gewieften Geschäftssinn hat er außerdem ein Auge für das Besondere, das Außergewöhnliche, das Exotische. Barnum versteht, dass Menschen mit Neugier auf Kurioses reagieren und dass sie bereit sind, Geld für gute Unterhaltung zu bezahlen. Und so versammelt er allerhand bunte Charaktere um sich, holt den erfolgreichen Theaterstücke-Schreiber Phillip Carlyle (Zac Efron) als Partner und Teilhaber an Bord, erarbeitet mit dem gesamten Team eine Show und legt so den Grundstein für das, was wir heute Showbusiness nennen.



Wieviel Show liefert der Showman?

Poster, Trailer, Story und Soundtrack versprechen ein opulentes Musical voller Farbe und atemberaubender Show – in etwa so, wie es Baz Luhrmanns "Moulin Rouge" (2001) geboten hatte. Das Setting beider Filme ist ein ähnliches, beide Musicals spielen im späten 19. Jahrhundert, beide Filme rücken Figuren in den Mittelpunkt, die in der Gesellschaft gerne an den Rand gedrängt werden: Prostituierte, Künstler oder eben diejenigen, deren Körper ein bisschen anders aussehen, als die meisten anderen.

Gerade die Message, die "Greatest Showman" liefern möchte, hätte damit eigentlich enorm viel Power und Potenzial: Feiere Diversity, sei selbstbewusst und nimm dich an, wie du bist! Egal, was die anderen sagen. Leider geht diese Botschaft aber in den Irrungen und Wirrungen, in die sich Barnum im Laufe der Story verrennt, ein bisschen unter. Auch, dass der Titelsong des Films "This Is Me" genau dem "Sei du selbst und sei stolz darauf"-Claim gewidmet ist, kann daran nicht so richtig was ändern.

Was kann die Musik?

Trotzdem bleibt "This Is Me" einer der stärkeren Songs des Soundtracks. Drei weitere Tracks die hervorstechen, sind "The Other Side", "Never Enough" und "Rewrite The Stars". Während einige Tracks (vor allem "A Million Dreams") teilweise sehr glatt, süßlich und flach geraten sind, zeigen die beiden alten Musical-Hasen Hugh Jackman ("Les Misérables") und Zac Efron ("High School Musical 1-3") mit "The Other Side", dass es auch ein bisschen knarziger geht.

The Other Side

Jackman alias Barnum versucht hier, den zunächst skeptischen Efron alias Phlipp Carlyle als Geschäftspartner zu gewinnen. Die Szene spielt in einer Bar und nicht nur die Performance von Jackman und Efron, sondern auch die des Barmannes, der hinter der Theke im Hintergrund seine eigene Choreo zündet, macht Spaß.

Never Enough

Fesseln kann auch die Einlage der Opernsängerin Jenny Lind (gespielt von Jessica Ferguson, gesungen von Loren Allred), die mit "Never Enough" den zweifellos pathetischsten Song des gesamten Musicals performt. Unerbittlich zieht einen die Dramatik des Tracks in seinen Bann und gerade weil der Song gnadenlos überladen ist, gibt man sich der Szene willig hin. Die Inszenierung ist so konsequent theatralisch, dass sie schon wieder überzeugend ist: Eine liebeskranke Frau singt sich im schneeweißen Kleid die Sehnsucht aus dem Leib. Dabei ist sie, wie sich im weiteren Verlauf der Story zeigt, nicht ganz so unschuldig, wie diese Sequenz es vermuten lässt.

Rewrite The Stars

Während "Rewrite The Stars" schließlich zaubern Zac Efron und Zendaya (sie spielt die Leichtathletin Anne Wheeler) ein visuell ansprechendes, romantisches Duett am Trapez. Davon hätte es gern noch mehr geben können, die beiden überzeugen mit Athletik und Ästhetik.


Greatest Showman Trapez Performance


Fazit zu "Greatest Showman"

P. T. Barnum ist ein Blender, Trickser und Träumer. Obwohl er sich einiges erlaubt, was alles andere als korrekt ist, kann man ihn als Figur nicht wirklich ablehnen. Er ist einfach zu charismatisch – gleichzeitig bleibt er aber immer schwer greifbar. Vielleicht ist das in Ordnung, weil er die Hauptfigur in einem Zirkus-Musical ist und deshalb eine schillernde Persönlichkeit sein sollte. Vielleicht bedeutet das aber auch, dass man es sich mit dem Entwurf der Figur ein bisschen zu leicht gemacht hat. Die Komplexität des Charakters wird zugunsten der Story und der guten Laune glatt gebügelt. Genauso, wie auch sein teilweise ziemlich gedanken- und treuloser Umgang mit seinem Show-Ensemble eher im Vorbeigehen abgehandelt und schlussendlich auch ohne großes Aufhebens vergeben wird.

Die Songs, an denen auch Komponisten beteiligt waren, die bereits am 2017 erschienenen "La La Land" mitgewirkt hatten, bleiben stellenweise kraftlos und ein bisschen flach. Besonders "A Million Dreams", einer der ersten Titel, der angestimmt wird, plätschert recht unmotiviert vor sich hin.

"Greatest Showman" verspricht insgesamt also ein bisschen mehr Feuerwerk, Farbe, Bild- und Tongewalt und Tiefe, als es wirklich liefern kann. Trotzdem machen Einlagen wie die von Efron und Jackman, die von Rebecca Ferguson/Loren Allred, die von Efron und Zendaya und die des gesamten Zirkus-Ensembles während des Songs "This Is Me", der auch im Trailer zu hören ist, den Film immerhin zu einem soliden Musical.


UNICUM Film-Tipp

Greatest Showman KinoplakatGreatest Showman

Musical, USA 2017

Regie: Michael Gracey

Darsteller u.a.: Hugh Jackman, Zac Efron, Michelle Williams, Zendaya, Keala Settle

Verleih: 20th Century Fox

Laufzeit: 105 Minuten

Ab dem 04. Januar 2018 im Kino

Mehr Infos unter: www.fox.de/greatest-showman


 

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