Nervige Kino-Trailer
"Aquaman" erscheint am 20. Dezember im Kino. | Foto: Warner Bros. Pictures Germany
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22. Nov 2018

Hella Wittenberg

Filme

Kino-Trailer: Darum nerven sie gerade so richtig

FILMICUM KW 47/48

Neu im Kino: "Verschwörung"

"Verschwörung" (Kinostart: 22. November 2018) – Lisbeth Salander (Claire Foy) ist mittlerweile berühmt berüchtigt. Als Rächerin von Frauen, die Opfer männlicher Gewalt wurden, sowie als geniale Hackerin wird sie geschätzt, aber auch gejagt. Ein ehemaliger NSA-Mitarbeiter engagiert sie, um Codes zu Nuklearwaffen zu stehlen und zu zerstören. Doch das ist alles andere als einfach – gerade auch, weil ihr der schwedische Geheimdienst auf den Fersen ist und sie als Mörderin drankriegen will.

Für die Verfilmung der "Millenium"-Trilogie von Stieg Larsson darf nun nach Noomi Rapace und Rooney Mara als nächstes Claire Foy die Anti-Heldin Lisbeth Salander verkörpern. Sie muss sich keineswegs hinter den anderen Frauen verstecken. Denn auch sie versteht es, ihrer Figur sehr viel eigenen Charakter mitzugeben. Ihre Lisbeth ist fragiler denn je, aber auch extrem verbittert und angeschlagen. Sie mimt die Eigenbrödlerin mit so viel Charisma, hinter ihr verblassen jegliche NebendarstellerInnen. Generell ist das Drama sehr düster geraten, was aber bei dem "Evil Dead"-Regisseur Fede Alvarez nicht weiter verwunderlich ist. Das ist bestimmt kein heimeliger Vorweihnachtsfilm, aber solider Grusel, der es danach schwer macht, irgendwo allein hinzugehen.

Thema der Woche: Darum nerven Kino-Trailer gerade so richtig

Gerade erst ist der finale Trailer zu dem Superheldenfilm "Aquaman" erschienen. Auf diese Origin-Story wurde spätestens seit dem Mini-Teaser in "Batman v Superman" hingefiebert. Als vor rund vier Monaten der erste Trailer mit Jason Momoa als Unterwasserheld veröffentlicht wurde, heizte man den Gesprächsstoff rund um den Kinostart am 20. Dezember 2018 noch einmal ordentlich an. Vor knapp einem Monat schob Warner die Extended Version des ersten Trailers hinterher. Ja und nun gibt es auch noch eine finale Version. Grund genug, um mal in Richtung Marketing zu rufen: Es reicht jetzt aber wirklich! Können wir bitte mit diesem Trailer-Wahnsinn aufhören?



Denn wenn immer gleich drei Trailer vor dem Release herausgeballert werden, schmälert das spätestens bei Trailer Nummer 3 die Vorfreude. Die Geschichte fühlt sich nämlich schon jetzt halbwegs auserzählt an. Das liegt daran, dass zwei der drei Trailer eine Länge von zweieinhalb Minuten haben und die erweiterte Version sogar mit fünfeinhalb Minuten aufwartet. So bekommen wir bereits die Geburt von Aquaman, das Heranwachsen sowie die ersten richtigen Schwimmversuche, das Erkennen der eigenen Rolle und sogar den großen Showdown des Actioners zu sehen.

Und schaut man dann erst einmal wirklich in einem Monat den ganzen Film, bemerkt man erst einmal, wie viele Spoiler alle Trailer bereithalten. Schockierende, urplötzlich witzige oder auch spontan romantische Momente können wir gar nicht mehr mit dem naiv-frischen Blick begutachten, wie es eigentlich für die Storyline gedacht war. Die Überraschung ist weg. Dafür wurden wir schon zu sehr gespoilert.

Nun könnte man ja hoffen, dass "Aquaman" eine Ausnahme in dem ganzen Filmzirkus wäre. Aber dem ist leider nicht so. Marvels Superheldenschmiede arbeitet nach dem gleichen Rhythmus. Neben den drei Trailern werfen sie uns auch noch einige Features vor, damit wir auch echt ALLES vorab wissen. Und die Musik, die in den jeweiligen Sequenzen der Trailer verwendet wird, gibt auch jedes Mal eine deutliche Wertung der Situation mit. Da müssen wir nicht mal während des Trailers selbst denken, geschweige denn etwas Gesagtes versuchen einzuordnen.

Dabei würden die ca. fünfsekündigen Best-of-Clips genügen, die oftmals dem normalen Trailer vorangestellt werden und automatisch auf Social-Media-Plattformen abgespielt werden. Wir bekommen so ja wortwörtlich die besten, also elementaren Schlüsselszenen zu Gesicht. Aber in der Kürze der Zeit ist das Spoilern so gut wie unmöglich. Zusammenhänge können wir da noch gar nicht herstellen. Vielmehr machen die Clips wirklich Lust auf den Kinobesuch. Wollen wir es nicht zukünftig lieber nur noch mit diesen kurzen Videos probieren? Ein Versuch wäre es doch wert.

Aber auch das "Deadpool"-Marketingteam hat sich etwas einfallen lassen, dass die Vorfreude auf das eigentliche Kinoevent nicht verdirbt. Die Trailer zu dem Antihelden sparen sich größtenteils die schnöde Inhaltsangabe des Films. Lieber werden witzig-sarkastische Szenarien dargestellt, die mit dem eigentlichen Filmabenteuer nichts am Hut haben.



Von der Sorte könnte es gerne mehr geben. Aber bitte, liebe Marketingmenschen: Hört auf, uns den ganzen Film vorab häppchenweise zu servieren! Es ist doch interessanter, den Film beim Schauen auch wirklich zum ersten Mal zu schauen. Die neue Welt kennenzulernen, über Gags spontan laut lachen und bei Schocker-Augenblicken spontan zusammenzuzucken.

Streaming-Perle: "Parfum"

"Parfum" (Verfügbar bis 27. Dezember 2018 in der ZDF-Mediathek) – Die Ermittlungen zum Mord an der rothaarigen Sängerin K führen Profilerin Nadja Simon (Friederike Becht) in die Vergangenheit von fünf ehemaligen Internatsschülern. Die damalige Jugendclique verbindet seit mehr als zwanzig Jahren ein Geheimnis, das nun droht aufgedeckt zu werden.

Darauf freuen wir uns: "Der verlorene Sohn"

"Der verlorene Sohn" (Kinostart: 21. Februar 2019) – Als Jareds Eltern (Nicole Kidman und Russell Crowe) herausfinden, dass ihr Sohn (Lucas Hedges) homosexuell ist, wollen sie das nicht akzeptieren. Sie zwingen ihn dazu, an einem real existierenden Programm teilzunehmen, das ihn wieder "normal" machen soll. Doch daran droht Jared zu zerbrechen – und nicht nur er. Der Trailer bereitet einen schon einmal auf große Konflikte und Gefühle vor, die aber trotzdem nicht allzu offensichtlich präsentiert werden und doch keinen kalt lassen. Ob das eine Oscar-Performance von Lucas Hedges wird?


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 06. Dezember 2018.

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