Lady Bird Kinostart
"Lady Bird": Ab dem 19. April im Kino | Foto: Universal Pictures Germany
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19. Apr 2018

Nina Weidlich

Filme

Lady Bird

Das Drama startet am 19. April im Kino

Lady Bird: Ein Film über das Erwachsenwerden

Christine alias Lady Bird (Saoirse Ronan) und ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) sitzen im Auto und hören im Radio das Ende eines Hörspiels, dann weinen sie zusammen. Es sieht harmonisch aus, wie Mutter und Tochter da nebeneinander sitzen. Innerhalb weniger Sekunden aber schlägt die Stimmung um. Plötzlich streiten die beiden sich: über die Schule, die Uni, die Zukunft – über Dinge, über die wir alle schon einmal mit unserer Mutter gestritten haben. Lady Bird kann und will das alles nicht mehr hören. Sie öffnet die Tür und lässt sich bei voller Fahrt einfach aus dem Auto fallen. Auf den pinken Gips an ihrem Arm wird sie später "Fuck You Mom" schreiben.

Lady Bird kommt aus einfachen Verhältnissen: Ihre Mutter ist Krankenschwester, ihr Vater seit kurzem arbeitslos. Ihr Bruder Miguel (Jordan Rodrigues) hat studiert – mehr als einen Platz an der Supermarktkasse hat seine akademische Karriere ihm allerdings noch nicht eingebracht. Lady Bird, die in Sacramento auf eine katholische Schule geht, schämt sich für ihre schlichte Herkunft. Ihre Schulkameraden belügt sie, indem sie erzählt, dass sie in einer der Villen im besseren Viertel der Stadt wohnt. Bei den engeren Freunden scherzt sie, auf "der falschen Seite der Gleise" zu wohnen.

Keine gewöhnliche Liebesgeschichte

Wie sehr sie ihre Eltern mit solchen Aussagen kränkt, ahnt die 17-Jährige nicht. Ihrer Mutter ist es wichtig, nach außen hin nicht wie die einfache Familie zu wirken, die sie sind. Deshalb rackert sie sich auf der Arbeit im Krankenhaus ab, ist streng zu ihrer Tochter und besteht auf gutes Benehmen und ordentliche Kleidung. Sie erwartet von Lady Bird, dass sie die Fürsorge ihrer Eltern zu schätzen weiß und an eine Uni im Ort geht. Dass sie sich auf Stipendien bewirbt, um im weit entfernten New York studieren zu können, kann Lady Bird deshalb nur ihrem liebevollen Vater Larry (Tracy Letts) anvertrauen.

Von einem Coming-of-Age-Film darf man erwarten, dass es um gebrochene Herzen und die große Liebe geht. In "Lady Bird" ist das nicht anders – nur, dass dies keine gewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern ist. Hier dreht sich alles um die Liebe zwischen Mutter und Tochter. Während sie sich im einen Moment anschreien, sind sie sich in anderen Situationen ganz nah: Wenn Marion ihre Tochter Lady Bird mit dem Auto von ihrem Freund abholt und diese auf die Frage "Ist alles okay?" zu schluchzen anfängt, braucht es zwischen den beiden keine Worte mehr. Dann ist Marion einfach da, hält sie in den Armen, gibt ihr Kraft.

Lady Bird

Wahre Liebe braucht keine Romantik

Auf die "klassischen" Liebesprobleme eines Teenagerlebens müssen wir in "Lady Bird" dennoch nicht verzichten. Als sie gemeinsam mit ihrem ersten Freund Danny (Lucas Hedges) in den Sternenhimmel schaut, gesteht er ihr: "Ich habe zu viel Respekt vor dir, um deine Brüste anzufassen." Dass das Problem ganz woanders liegt und eine riesengroße Enttäuschung für Lady Bird bereithält, ahnt sie in diesem Moment noch nicht. Den ersten Sex hat Lady Bird erst mit ihrem nächsten Freund Kyle (Timothée Chalamet). Ein Erlebnis, das sehr viel unspektakulärer ausfällt, als sie es sich erhofft hat.

Die einzige Person, mit der sie über all diese Probleme ganz offen reden kann und will, ist ihre beste Freundin Julie (Beanie Feldstein). Julie hat Figurprobleme, ist unsterblich in ihren Mathelehrer verliebt und hat ein riesengroßes Herz. Sie ist es, die Lady Bird auf der Tanzfläche des Abschlussballs in den Armen liegt – nicht Kyle, nicht Danny, nicht irgendein anderer Junge. Eine Szene, die unglaublich stark ist und zeigt, dass Liebe nicht immer etwas mit Romantik zu tun haben muss.

Die Besetzung: Mehr kann man nicht erwarten

Saoirse Ronan macht Lady Bird zu einem Mädchen, das auf der einen Seite rebellisch ist und ihre Eltern verflucht. Auf der anderen Seite spüren wir in jeder Szene, wie wichtig die Familie ihr eigentlich ist. Irgendwann erkennt sie ganz richtig: Ihre Mutter schreit, streitet und verlangt Disziplin von ihr, sie ist schonungslos ehrlich und das kann wehtun – aber sie tut das, weil sie Lady Bird abgöttisch liebt.

Laurie Metcalf als Lady Birds Mutter Marion spielt sich in unser Herz, indem sie versucht, ihrer Familie das bestmögliche Leben zu bieten. Manchmal scheint sie die Probleme der ganzen Welt auf ihren Schultern zu tragen, aber sie beschwert sich nicht. Sie macht weiter ist für ihre Familie da, so wie Mütter eben sind.

Eine große Bereicherung ist auch Tracy Letts als Lady Birds Vater Larry. Beruflich gescheitert und privat ausgebrannt kämpft er mit der Last, als Familienoberhaupt für die finanzielle Situation der Familie verantwortlich zu sein. Dabei ist er Lady Bird so ein liebevoller und sanftmütiger Vater, dass wir ihn in schwierigen Situationen am liebsten selbst in den Arm nehmen würden. Als Bindeglied zwischen Mutter und Tochter hilft er ihnen, immer wieder zueinanderzufinden.

Fazit zu "Lady Bird"

Die erste Liebe, der erste Sex, Streit mit den Eltern – das alles klingt ziemlich nach Klischee und so, als hätten wir es schon in etlichen Filmen zuvor gesehen. Was also ist anders an "Lady Bird"? Ganz einfach: Der Film ist so authentisch wie das Leben. Nichts ist geschönt, nichts ist kitschig, alles fühlt sich echt an. So, als könnte es genauso in diesem Moment irgendwo auf der Welt passieren, als hätten wir es selber schon einmal erlebt.

Egal, ob die Teenager-Zeit nur in unserer Erinnerung existiert oder ob wir uns gerade in dieser turbulenten Phase unseres Lebens befinden: Lady Bird zeigt uns, welche Menschen in unserem Leben wirklich wichtig sind. Warum wir unsere Heimat lieben sollten, auch wenn wir nicht in einer aufregenden Großstadt groß geworden sind und nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Dass es okay ist, aus der Einöde zu fliehen – aber dass wir unsere Heimat, vor allem aber die Menschen dort, nicht vergessen sollten.  


UNICUM Film-Tipp:

Lady Bird PlakatLady Bird

Drama, USA 2018

Regie: Greta Gerwig

Darsteller u.a.: Saoirse Ronan, Laurie Metcalf, Tracy Letts

Verleih: Universal Pictures International Germany

Kinostart: 19. April 2018

Mehr Infos findest du auf der Facebookseite zu Lady Bird

 

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