Nirgendwo Film
Schlüsselfigur in "Nirgendwo": Porsche-Fahrer Danny (Ludwig Trepte) | Foto: (c) polyband Medien
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19. Okt 2016

Ann-Christin Kieter

Filme

Nirgendwo

Authentisches Gen-Y-Porträt: ab dem 27. Oktober im Kino

Wie "American Pie 2" – nur ganz anders

In den Semesterferien zurück nach Hause, feststellen, dass nichts mehr so ist wie früher und man eine alte Liebe nicht aufwärmen kann, und dann den Kummer mit ordentlich Alk bei einer fetten Haus-Party ertränken – irgendwie erinnert die Handlung von "Nirgendwo" an die erste Fortsetzung des Teenie-Films "American Pie", bei der Jim, Oz, Stifler und Co. nach ihrem ersten College-Jahr in die Heimat zurückkehren.

Allerdings ist das Langfilm-Debüt von Regisseur Matthias Starte deutlich weniger abgedreht, versaut und amerikanisch. Dafür punktet es mit echten Figuren und echten Problemen.



(K)ein Plan vom Leben

Nach dem Abi wollte Danny (Ludwig Trepte) erstmal nur raus. Raus aus dem Dorf, rein ins Großstadt-Leben. Und BWL studieren. Na ja, zumindest wollte Papa das so. Und das ist auch nicht so brotlos wie seine große Leidenschaft, die Fotografie. Als sein Vater plötzlich stirbt, kommt Danny als Mittzwanziger zum ersten Mal zurück in seine Heimat.

Und trifft dort auf seine alten Freunde: Auf seine Fast-Schwester Kirsten (Amelie Kiefer), die mittlerweile Krankenschwester ist, eigentlich gerne noch Medizin studieren würde, aber jetzt schwanger ist. Auf seine Jugendliebe Susu (Saskia Rosendahl), die Danny nie richtig vergessen hat und sich mit keinem anderen Mann eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann. Und auf Dauer-Pärchen "Tom und Mischa", das noch immer zusammen ist, aber auch eine Krise überstehen muss: Ist Tom mit seinem Hauptschulabschluss überhaupt gut genug für Mischa (Jella Haase), die nach dem etwas Höherem strebt, aber wohlbemerkt den Arsch nicht richtig hochbekommt?


Szene aus Nirgendwo


26 ist das neue 16

"Coming-of-Age-Film" – dieser schrecklich altbackene Ausdruck kommt einem bei diesem Plot schnell in den Sinn. Vor allem, wenn man bei der Szene angelangt ist, in der es heißt: "26 ist das neue 16".Aber keine Panik! Anders als in so manchen gutgemeinten Artikeln über die Generation Y, in der knochentrockene Experten mit erhobenem Zeigefinger vor uns stehen und schlaue Tipps geben wollen, wird in "Nirgendwo" das Lebensgefühl einer Generation von großartigen Jung-Schauspielern erzählt, denen man abkauft, dass sie das alles selbst schon durchlebt haben oder noch durchleben.

Der Film nimmt sich 105 Minuten Zeit, den Zuschauer mit ruhigen, aber starken Bildern abzuholen und mit auf eine Reise zu nehmen. Eine Reise zum eigenen Ich – egal, ob es schon im Irgendwo oder doch noch im Nirgendwo haust.

Fazit: Vielleicht kein klassisches Popcorn-Kino, aber definitiv eine willkommene und unterhaltsame Abwechslung! 


UNirgendwo FilmposterNICUM Kino-Tipp

Nirgendwo

Drama, Deutschland 2016

Regie: Matthias Starte

Darsteller u.a.: Ludwig Trepte, Saskia Rosendahl, Jella Haase

Verleih: polyband Medien GmbH

Kinostart: 27. Oktober 2016

Mehr unter  www.nirgendwo-derfilm.de

Artikel-Bewertung:

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