Oscars 2019 Szene aus Roma
Der Netflix-Film "Roma" ist insgesamt für zehn Oscars nominiert. | Foto: Alfonso Cuaran/Netflix
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31. Jan 2019

Hella Wittenberg

Filme

Oscars 2019: Alles, was du über die Verleihung wissen musst

FILMICUM KW 05/06

Thema der Woche: Alles, was du jetzt über die Oscars 2019 wissen musst

Von Sonntag auf Montag, den 25. Februar 2019, werden in Hollywood wieder die Oscars 2019 verliehen. Es wird der Academy gedankt und vielleicht auch hier und da ein Stoßgebet an die Familie, Gott und das Studio geschickt werden. Doch bevor wir uns davor zwischen zwei und sechs Uhr einen geeigneten Stream suchen und die Red-Carpet-Looks sowie Gänsehautreden oder kleine Stolperer auf den Stufen des Dolby Theatres in Los Angeles begutachten, schauen wir uns jetzt alle Nominierungen und Neuheiten einmal genauer an.

1. Die Sache mit dem Host ist schwierig

Was gab es zuletzt für ein Hickhack darum, wer die Moderation bei den Oscars übernimmt! So richtig wollte sich keiner daran die Hände verbrennen. Schließlich sind die Zeiten für derbe Witze auf Kosten anderer mittlerweile so ziemlich vorbei. Und sind wir mal ehrlich: Genau solche Sprüche, gerne mal unter der Gürtellinie, wurden in der Vergangenheit zuhauf gemacht. Doch nachdem nun genügend Gags in Richtung Harvey Weinstein oder auch Woody Allen gemacht wurden, ist die Luft raus. Also gibt es nun niemanden, der durch den Abend führen wird – nachdem Kevin Hart nach seiner Zusage für den Job gleich wieder einen Rückzieher machte, weil die Beschwerden über seine, in der Vergangenheit geposteten, homophoben Tweets immer lauter wurden.

Dann doch lieber gar kein Host. So muss sich auch keiner mehr positionieren. Aber bräuchte es nicht genau das momentan? Schon die Golden Globes avancierten zur absoluten Snooze-Veranstaltung in diesem Jahr. Keiner traute sich anzuecken und die Dankesreden waren wie der nicht enden wollende Abspann eines Kinofilms. Langweilig! Kleiner Tipp, liebe Academy: Sucht euch doch einfach mal keine schon komplett eingestaubten Leute – beispielsweise Meinungsmacherinnen wie Lena Waithe oder Tavi Gevinson und lasst sie die Show hosten. Dazu vielleicht noch eine Regel in der Art: Die PreisträgerInnen bereiten schon vorab ihre Liste mit Leuten vor, denen sie danken wollen. Diese läuft dann auf einer Leinwand im Hintergrund durch und die Zeit am Mikro kann so für echte, meinungsstarke Aussagen genutzt werden.

2. Netflix könnte richtig abräumen

Mit zehn Nominierungen steht Alfonso Cuaróns "Roma" verdammt gut da. Das Schwarz-Weiß-Drama, das im Mexiko der 1970er-Jahre angesiedelt ist, hat es allen ganz schön angetan. Er ist zum Beispiel in der Kategorie "Bester Film", "Beste Regie" und "Bestes Originaldrehbuch" gelistet. Damit es überhaupt so weit kommen konnte, dass eine Netflix-Produktion bei den zum 91. Mal stattfindenden Oscars mitmischen darf, liegt daran, dass der Streamingdienst den Streifen zusätzlich noch für eine kurze Zeitspanne im Kino laufen ließ. Und nun darf man sich große Hoffnungen auf einige der goldenen Trophäen machen.



Aber auch der Western "The Ballad of Buster Scruggs", den die Coen-Brüder speziell für Netflix produzierten, hat eine Nominierung erhalten. Kategorie: "Bestes adaptiertes Drehbuch". Diese Würdigung bestätigt nur noch einmal, wie stark Netflix (aber auch Amazon Prime) das Filmbusiness mit beeinflusst. Namhafte Leute der Szene setzen auf Streamingdienste, um ihre Werke umzusetzen, da sie dort zum einen oft mehr Freiheiten haben und zum anderen auch von einer noch breiteren Masse gesehen werden. Wenn es jetzt auch noch zig Preise für Netflix-Produktionen regnet, wird der Trend weiter in diese Richtung gehen.

3. Superheldenfilme reißen jetzt auch was

Bei den SAG-Awards hat "Black Panther" gerade den Preis für das beste Ensemble gewonnen. Eine echte Glanzleistung. Und auch bei den Academy Awards darf sich das Team über sieben Nominierungen freuen. Natürlich war der Superheldenfilm mit Chadwick Boseman und Lupita Nyong’o ein richtiger Publikumsmagnet. Doch in der Vergangenheit juckte so etwas die Oscars herzlich wenig. Oft genug wurde gemeckert, bei dieser Veranstaltung würde man nur den Filmen Auszeichnungen zukommen lassen, die kaum jemand sonst gesehen hätte. Jetzt scheint sich einiges zu ändern. Die Academy will populärer werden. Und Gerüchten zufolge wird der gesamte "Avengers"-Trupp für einige Moderationen vorbeischneien. Im Hause Marvel wird man sich freuen.

Aber auch in die Kategorie "Bester animierter Spielfilm" hat sich ein Superheld verirrt: "Spider Man: Into The Spider-Verse" kann sich da selbst die Daumen für die Statue drücken. Auch wenn die Meinungen zu der Würdigung von Superheldenfilmen wie "Black Panther" weit auseinandergehen, werden diese so schnell nicht weg vom Fenster sein. Die Fortsetzungsmaschine ist im vollen Gange und man fürchtet sich in diesem Actiongenre sicher nicht vor komplizierten Themen. Alles wird diverser – so auch hier.



4. Die Frauen fehlen auch in diesem Jahr

Und wieder sind es hauptsächlich Männer, die bei den Oscars ausgezeichnet werden könnten. Abgesehen von den offensichtlichen Kategorien, wie "Beste Hauptdarstellerin" und "Beste Nebendarstellerin" vermisst man etwas Weiblichkeit bei den Nominierungen. In den Kategorien für Regie, Drehbuch und Kamera liest man einen Männernamen nach dem anderen. Dabei gab es auch 2018 ausreichend Frauen im Film.

Nur ein paar Beispiele: "Can You Ever Forgive Me" von Marielle Heller – hier wurden lediglich Melissa McCarthy und Richard E. Grant nominiert, die Regisseurin jedoch nicht. Jennifer Fox schrieb, produzierte und brachte ihr mitreißendes Drama "The Tale – Die Erinnerung" selbst auf die Leinwand. Laura Dern war darin so wahnsinnig gut, dass es komplett unverständlich ist, warum es für die beiden keine Würdigung gab. Und genauso wenig für Debra Graniks "Leave No Trace", Lynne Ramsays "You Were Never Really Here" und Tamara Jenkins’ "Private Life". Das nächste Mal noch besser hingucken, bitte!

Fazit

Die Oscars 2019 dürften so einige spannende Momente parat halten. Gerade weil noch so einiges bei der Ausführung der Veranstaltung unsicher ist, könnte es auch viele Überraschungen geben. Wir freuen uns in jedem Fall darauf! Eine Übersicht zu allen Nominierungen findest du auf der Homepage der Oscarverleihung.

Neu im Kino: "Green Book – Eine besondere Freundschaft" und "Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt"

"Green Book – Eine besondere Freundschaft" (Start: 31. Januar 2019) – Als der Italo-Amerikaner Tony (Viggo Mortensen) auf der Suche nach einem neuen Job ist, kommt ihm die Anfrage des schwarzen Pianisten Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) gerade richtig. Der bietet gutes Geld, aber erwartet dafür auch eine Menge. Im Jahr 1962 will er, dass ihn Tony auf seiner achtwöchigen Südstaaten-Tour als Fahrer und persönlicher Assistent in allen Lebenslagen begleitet. Schon zu Beginn der Reise sind die Unterschiede zwischen den beiden nur allzu stark zu merken – der eine ist der intellektuelle Künstler, der andere aus der Arbeiterklasse, der Sachen lieber mit der Faust regelt. Dennoch freunden sie sich bald an und meistern so die kompliziertesten Situationen.

Wirklich gutes Kino ist, wenn sich Lachen und Schluchzen, Anspannung und Losgelöstheit die Klinke in die Hand drücken. Genau das schafft dieser Film mühelos. Zudem handelt es sich nicht um irgendeine Story, sondern um wahre Begebenheiten, was einen nur umso mehr mitgehen lässt. Die Charaktere sind so glasklar gezeichnet, dass ihre Glaubwürdigkeit nie in Frage steht. Dank des Roadtrips, welchen das ungleiche Duo unternimmt, hat man stets die malerischsten Szenerien vor Augen. Und dennoch ist es kein Werk, das zum Schwärmen über tolle Landschaften und schöne klassische Musik einlädt – aufgrund des beständigen Rassismus', der Shirley entgegenschlägt, steigt erst Wut auf, dann macht sich Trauer breit und am Ende wird man immer noch eine Weile an dem Gesagten zu kauen haben. Exakt so sollte Kino immer sein.



"Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt" (Start: 07. Februar 2019) – Der Abschluss der Trilogie um Wikinger-Häuptling Hicks und seinen Drachen Ohnezahn holt noch einmal die ganz große Gefühlskeule raus. Denn die beiden besten Freunde stehen vor der Herausforderung, wie sie die Welt der Menschen und die Welt der Drachen endgültig zusammenführen können. Trotz Harmonie zu Hause in Berg, machen ihnen Drachenfänger überall anders nämlich noch immer das Leben schwer. Also stürzen sie sich in die Auseinandersetzung mit dem fiesen Drachenjäger Grimmel, der ihnen immer einen Schritt voraus scheint. Nur kann man so einen Kampf überhaupt gewinnen? Und was sollte danach kommen?

Der Film ist auf vielen Ebenen eine tolle Unterhaltung, denn es lässt die Protagonisten tatsächlich erwachsen werden. Das sieht man zum einen in der nuancierteren Animation von Gesichtszügen, zum anderen in den schweren Entscheidungen, die Hicks für sein Volk fällen muss. Denn weder die immerwährenden Kriege gegen alle Arten von Feinden, noch die Flucht vor denselben ist eine wirkliche Lösung ihres Problems. Und so kommt es, dass Hicks und Ohnezahn am Ende ihre eigene Beziehung zueinander neu definieren müssen. Ein starkes Finale einer starken Reihe.

Streamingperle: "Die Unsichtbaren – Wir wollen leben"

"Die Unsichtbaren – Wir wollen leben" (Verfügbar bis 15. Februar 2019 in der ARD-Mediathek) – Das Nazi-Regime rühmt sich 1943 damit, die Reichshauptstadt "judenfrei" gemacht zu haben. Doch einigen Juden gelingt es tatsächlich, für die Behörden unsichtbar zu werden – mit blondierten Haaren, gefälschten Pässen und Uniformen. Mit dabei: Max Mauff, Alice Dwyer und Ruby O. Fee.

Darauf freuen wir uns: "Destroyer"

"Destroyer" (Start: 14. März 2019) – Was war da los? Im Trailer erfahren wir bereits, dass Nicole Kidman eine ehemalige verdeckte FBI-Ermittlerin spielt, die inzwischen aber vollkommen fertig ist mit der Welt. Und daran scheint allein der Fall Schuld zu sein, in dem sie Toby Kebbell, alias Silas, kennenlernte. Doch gut ging es bei den beiden nicht aus. Wir können es kaum erwarten, mehr über die Umstände und die Story zu erfahren!


Die nächste Ausgabe der FILMICUM erscheint am 14. Februar 2019. 

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