Plötzlich Papa Filmkritik
"Plötzlich Papa": Kömodie mit Herz und Omar Sy! | Foto: Tobis Film
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10. Mai 2017

Nina Weidlich

Filme

Plötzlich Papa

Die Tragikomödie startet am 12. Mai auf DVD und Blu-ray

Sabber statt Saufgelage

Frauenheld Samuel (Omar Sy) ist es gewohnt, dass seine Liebschaften sich nach einer gemeinsamen Nacht im Rekordtempo wieder aus dem Staub machen. Dass sie ihm zum Abschied ein vier Monate altes Baby in die Hand drücken, ist allerdings eher ungewöhnlich. Doch genau das macht die Londonerin Kristin, eine von Samuels zahlreichen Zerflossenen, an deren Gesicht er sich nicht einmal mehr erinnern kann. Und plötzlich dreht sich das Leben des Südfranzosen nicht mehr um Protz, Frauen und lange Partynächte, sondern darum, wie er das schreiende Bündel in seinem Arm ruhigstellen kann – und wie er es am schnellsten wieder loswird.

Eines ist sicher: Das Baby muss weg. Denn auf Verantwortung, Sabber und Geschrei kann Samuel gut verzichten. Also reist er kurzerhand nach London, um die kleine Gloria schnellstmöglich wieder bei ihrer Mama abzuliefern. Mit den spärlichen Informationen, die Kristins Facebook-Profil hergibt, hat er allerdings keine Chance, sie in der pulsierenden Metropole jemals wiederzufinden. Aber eigentlich ist sein Mini-Me ja auch ganz niedlich – und Samuel schon längst hoffnungslos in die kleine Gloria mit den riesigen Kulleraugen verliebt. Also beschließt er, seinen Gigolo-Lifestyle an den Nagel zu hängen und als alleinerziehender Vater in London noch einmal ganz neu anzufangen.

Plötzlich Papa Samuel und Gloria

Zwei Herzen, ein Beat

Acht Jahre später sehen wir Samuel an, dass er diese Entscheidung nicht eine Sekunde lang bereut hat. Von Haus aus verrückt und abenteuerlustig, arbeitet er mittlerweile als Stuntman und gibt sich alle Mühe, auch seiner Tochter Gloria eine filmreife Kindheit zu bieten: Speisen als Captain Jack Sparrow, Zuckerwatte essen zur Schmerztherapie und ein eigenes Bällebad in der Wohnung: Das eingespielte Team macht selbst die alltäglichsten Dinge zum spektakulären Event und das Zuhause der beiden lässt jedes Spieleparadies alt aussehen.

Kurz: Zwischen Samuel und Gloria passt kein Blatt, und der ehemalige Lebemann hängt sich jeden Tag aufs Neue rein, um ihn für seine Tochter zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Vielleicht auch, weil er weiß, dass er ihr den größten Wunsch nie erfüllen kann: Gloria möchte ihre Mutter kennenlernen. Obwohl er allen Grund dazu hätte, hat Samuel nie ein schlechtes Wort über Kristin verloren. Im Gegenteil: Gloria hat er weisgemacht, ihre Mutter sei als Geheimagentin auf der ganzen Welt unterwegs und habe deswegen keine Zeit, ihre Tochter zu besuchen. Auch hier spinnt Samuel die perfekte Story, schickt Gloria sogar täglich E-Mails im Namen ihrer Mutter – alles, um zu verhindern, dass die Wahrheit seiner kleinen Tochter das Herz brechen könnte.

Verspätetes Mutterglück?

Obwohl Samuel es schon fast nicht mehr zu hoffen gewagt hatte und bereits kurz davor stand, Gloria alles über ihre Mutter zu beichten, taucht Kristin eines Tages auf – so plötzlich, wie sie vor acht Jahren spurlos verschwunden war – und möchte Zeit mit ihrer Tochter verbringen. Als sie sieht, was für einen wunderbaren Menschen Samuel aus dem kleinen, schreienden Bündel von damals gemacht hat, will sie jedoch mehr: Sie besteht darauf, Gloria von ihrem Vater zu trennen und sie mit in ihre neue Heimat in die USA zu nehmen.

Genauso, wie wir uns bis hierhin noch von der guten Laune des Vater-Tochter-Dreamteams haben bezaubern lassen, zerreißt es uns jetzt das Herz, die beiden leiden zu sehen. Uns erwartet ein Meer aus Wut, Trauer und Streit, das selbst die fröhliche Fassade des liebevollen Vaters irgendwann zum Bröckeln bringt. Und durch einige überraschende Wendungen wird uns plötzlich klar, dass Samuel in seiner Rolle als Superdad noch weitaus mehr geleistet hat, als wir bisher geahnt haben.



Fazit zu "Plötzlich Papa"

Dem einen oder anderen mag Omar Sys Verwandlung vom unbekümmerten Casanova zum fürsorglichen Bilderbuchpapa etwas zu schnell gehen – trotzdem kann man die Beziehung zwischen Samuel und Gloria einfach nur rührend und entzückend finden. Als Samuel Kristin erstaunlich herzlich empfängt, ohne ihr große Vorwürfe zu machen, möchten wir ihn am liebsten wachrütteln, um seine und Glorias kleine, heile Welt vor Schlimmerem zu bewahren. Denn es fühlt sich falsch an, wie sehr Gloria sich über die Rückkehr ihrer Mutter freut und mit ihr Rituale teilt, die eigentlich nur ihr und ihrem Papa gehören sollten.

Zwar ist "Plötzlich Papa" hier und da ein wenig überspitzt, aufgrund der Lebendigkeit und Lebensfreude der beiden Hauptfiguren verzeihen wir das aber nur zu gerne. Omar Sy schafft es nach "Ziemlich beste Freunde" erneut, Tragik und Komik gekonnt unter einen Hut zu bekommen und macht es uns damit schwer, keine Tränchen zu verdrücken – sei es vor Lachen oder aus Traurigkeit.


UNICUM Film-Tipp:

Plötzlich Papa DVD und Blu-rayPlötzlich Papa

Komödie/Drama, Frankreich 2017

Darsteller u.a.: Omar Sy, Clémence Poésy, Gloria Colston

Verleih: Tobis Film

Heimkinostart: 12. Mai 2017

Mehr Infos unter www.tobis.de/film/ploetzlich-papa

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