Ready Player One Rezension
Sehen so die Games der Zukunft aus? Wir haben Ready Player One genauer unter die Lupe genommen. | Foto: Warner Bros.
Autorenbild

26. Sep 2018

Marvin Kesper

Filme

Ready Player One

Was erwartet dich beim Action-Abenteuer?

Rettet die Spielewelt

Ready Player One spielt in Amerika im Jahre 2045. Die Welt ist bei Weitem nicht mehr so, wie wir sie aus dem Jahr 2018  kennen. Der Großteil der Weltstädte hat sich zu reinen Slums und Elendsvierteln entwickelt. Um ihrem tristen Alltag zu entgehen, flüchtet sich die Bevölkerung in eine virtuelle Welt, die OASIS genannt wird. In der OASIS schlüpfen die User in einen frei gestaltbaren Avatar, mit dem sie alles erleben können, was sie wollen. Ob sie nun an einem Autorennen durch die Häuserschluchten von New York teilnehmen oder nur einen Tag am Strand von Rio de Janeiro verbringen wollen: Nichts ist unmöglich und die Grenze zur Realität ist kaum noch gegeben.

Nachdem der Erfinder der OASIS, James Donovan Halliday, im Jahr 2040 verstarb, gab er den Usern eine Aufgabe mit: Irgendwo im Spiel hat er ein Easter Egg versteckt, das denjenigen, der es findet, zum alleinigen Besitzer der OASIS macht. Um das Easter Egg zu finden, müssen die User drei Prüfungen absolvieren, die allerdings so schwer und komplex sind, dass sie bisher noch niemand bestehen konnte. Das Rätsel um das Easter Egg reizt auch den Teenager Wade Owen Watts, der aus einem Slum in Columbus stammt. Akribisch studiert er das Video-Testament von Halliday, um herauszufinden, wie die Prüfungen zu bewältigen sind.

Doch die große Macht der OASIS ruft auch die Innovative Online Industries (IOI) auf den Plan, die das große Geld mit dem Online-Universum wittert und dafür sogar den Verlust von Menschenleben in Kauf nehmen würden. 

Durch seine guten Fortschritte macht Watts sich automatisch die IOI zum Feind, die ihren Plan in Gefahr sehen. Wade beschließt, sich gegen die IOI zu stellen und vor ihnen das Easter Egg zu finden, um die Spielewelt vor dem Kommerz zu schützen und Hallidays Vermächtnis zu bewahren. Ein Wettlauf um die Macht beginnt, in dem auch vor Gewalt und Krieg nicht zurückgeschreckt wird. Und das nicht nur in der virtuellen Welt.



Ready Player One: Eine Hommage an die Videospiel-Welt

Für jeden, der sich nur ein wenig in der Games-Welt auskennt, ist Ready Player One eine Reise durch die letzten 30 Jahre der Videospiel-Geschichte. Der Auftritt vieler bekannter Videospiele-Protagonisten, wie zum Beispiel Master Chief aus Halo, Ryu aus Street Fighter oder Tracer aus Overwatch, wecken bei den Gamern unter uns Erinnerungen und lassen uns in Nostalgie schwelgen. Unsere Helden, mit denen wir auf der Konsole oder dem PC so viel erlebt haben, alle zusammen auf der großen Kinoleinwand: Da schlägt das Gamer-Herz gleich viel höher. Doch auch Film-Fans kommen nicht zu kurz: Mit The Shining, Chuckie die Mörderpuppe und weiteren Filmtiteln nimmt Ready Player One bezug auf beliebte Filmklassiker und baut diese gekonnt in den Handlungsstrang ein.

80er-Musik für die Ohren, die Zukunft für die Augen!

Die musikalische Untermalung des Science-Fiction-Thrillers ist stets an die 80er Jahre gekoppelt. Egal ob Van Halen mit "Jump", Prince mit "Purple Rain" oder Blondie mit "One Way or Another", Fans des Jahrzehnts kommen bei Ready Player One voll auf ihre Kosten. So sehr uns der Soundtrack auch teilweise mehr als 30 Jahre zurück wirft, umso mehr führen uns die visuellen Effekte und das Setting in die Zukunft. Die Umgebungen sind stets authentisch und detailgetreu gestaltet und man hat nie das Gefühl, dass man sich gerade einen völlig abgehobenen Science-Fiction-Kram ansieht. Die Effekte sind stark und die Kameraführung gibt einem durchgehend das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Vor allem bei der ersten Prüfung, dem Rennen, haben hier die Visuall-Effect-Artists und Cutter sehr gute Arbeit geleistet.



2045: So weit weg und trotzdem so real

Ready Player One spielt fast 30 Jahre in der Zukunft und doch ist vieles, was im Film passiert, auch heutzutage schon im echten Leben zu erkennen. Die Menschen flüchten immer mehr in die virtuelle Welt, weil ihnen die reale entweder nicht genug bieten kann oder sie einfach unzufrieden mit ihr sind. Was in Ready Player One die OASIS ist, sind bei uns im Jahr 2018 Internet und Smartphone. Viele verbringen einen Großteil ihrer Zeit online und am Smartphone, um nichts zu verpassen und ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei wird oft das reale Leben vergessen, die Welten vermischen sich leicht. Das Internet und die virtuelle Welt spielen eine immer größere Rolle in unserem Leben. Im Film geht es sogar so weit, dass sich Leute wegen der OASIS umbringen oder andere töten wollen. In manchen Fällen können die virtuelle Welt und das Internet auch im realen Leben existenzgefährdend sein. Durch Online-Casinos und Pay-to-win-Inhalt ist es nicht auszuschließen, dass Menschen ihr Hab und Gut aufs Spiel setzen. So passiert es auch im Film, als der Lover von Wades Tante ihre ganzen Ersparnisse für das Spiel verzockt. Obwohl man es zu Beginn des Filmes nicht sofort vermuten mag, stellt man im weiteren Verlauf fest, dass sich bereits erschreckende Parallelen zu unserer heutigen Welt ziehen lassen. So ist "Ready Player One" nicht nur reine Unterhaltung, sondern kommt auch gesellschaftskritisch daher.

Ready Player One: Klassische, vorausschaubare Handlung

So optisch ansprechend der Film auch ist und so detailverliebt die Bezüge zu Videospiel- und Filmklassikern auch sind, der Verlauf der Story ist doch von Anfang an sehr vorhersehbar. Es ist, wie in so vielen Filmen, die klassische Gut-gegen- Böse-Story. Das Böse versucht mit Gewalt und von Geldgier und Macht getrieben die Weltherrschaft an sich zu reißen. Der gute, kleine Held aus einfachen Verhältnissen versucht das widerum, mit seiner immer größer werdenden Anhängerschaft zu verhindern. Überraschende Wendungen und Mind-Blown-Momente sucht man in Ready Player One dementsprechend vergeblich. Das gleiche gilt auch für die Lovestory zwischen Wade und Samantha, die in der OASIS eine der besten Spielerinnen namens Art3mis ist. Auch wenn Samantha sich zu Beginn des Film nicht wirklich interessiert an Wade zeigt,wird einem als Zuschauer recht schnell klar, dass die beiden letztlich als klassisches Liebespaar des Films gemeinsam gegen das Böse kämpfen. Stellenweise hat man als Zuschauer den Wunsch, dass etwas unvorhergesehenes passiert, was allerdings nicht der Fall ist.

Ready Player One Film

Ist das nun ein Bösewicht oder nicht?

Auch Ready Player One leidet unter einem Problem, mit dem auch schon viele andere Filme vor ihm zu kämpfen hatten: Die Bösewichte sind einfach nicht böse genug! Nolan Sorrento, gespielt von Ben Mendelsohn, soll eigentlich der fiese Boss der IOI und der gefährliche Gegenspieler von Wade sein. Er handelt auch wie ein Bösewicht, er lässt Menschen für seinen Erfolg umbringen und hält sich Gefangene, die für ihn die virtuelle Arbeit erledigen. Er verkörpert das Böse allerdings nicht wirklich. Dafür sieht er einfach zu harmlos aus und wirft teilweise mit flachen Gags um sich, wie es sich für einen Bösewicht nicht gehört. Apropos flache Gags: Nolan Sorrento's Handlanger, iR0ck, ist der absolute König im schlechte Witze reißen. Obwohl er eigentlich gemein aussieht, bestehen die Dialoge mit ihm grundsätzlich aus verzweifelten Versuchen lustig zu sein. Das kann mal ganz witzig sein, bei ihm kommt es leider einfach nur nervig rüber.

Ready Player One: Fazit

Der neue Science-Fiction-Film von Steven Spielberg ist optisch auf jeden Fall einer der besten Filme des Jahres. Durch seine virtuellen Effekte und die sehr gut umgesetzte Computertechnik nimmt er den Zuschauer mit in die virtuelle Welt der OASIS. Mit seinen vielen Videospielcharakteren, Filmbezügen und dem 80er-Jahre Soundtrack lässt er Film-, Gaming-, und Musikbegeisterte außerdem in Erinnerungen schwelgen und bringt einen Hauch Nostalgie mit sich. Leider ist die Story sehr vorhersehbar und dem Ganzen fehlen die überraschenden Wendungen. Auch wird der Zuschauer nicht besonders gefordert, über die Handlung nachzudenken. Von den Bösewichten hat man zu Anfang des Films deutlich mehr Boshaftigkeit erwartet. Ihr schlechter Humor sorgt allerdings eher dafür, dass sie ins Lächerliche gezogen werden. Alles in allem ist Ready Player One aber ein Film, von dem man sich für 140 Minuten berieseln und von den starken visuellen und auditiven Effekten beeindrucken lassen kann.


UNICUM Film-Tipp 

ready player one filmplakatReady Player One

Science-Fiction-Thriller, USA 2018

Regie: Steven Spielberg

Darsteller: u.a. Tye Sheridan, Olivia Cooke, T.J. Miller, Mark Rylance, Ben Mendelsohn, Simon Pegg

Verleih: Warner Bros. 

Laufzeit: 140 Minuten

Heimkinostart: 6. September 2018

Online bestellen (Amazon): Ready Player One

Artikel-Bewertung:

3.42 von 5 Sternen bei 24 Bewertungen.

Deine Meinung: