Suburra Film
Szene aus Suburra: Alessandro Borghi als Aureliano und Claudio Amendola als Samurai | Foto: Koch
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06. Jun 2017

Nathan Niedermeier

Filme

Suburra

Actionreicher Thriller, durchtränkt von scharfer Gesellschaftskritik

Suburra: Skrupellose Mafia-Bosse und Familienclans

Rom im Jahr 2011: In sieben Tagen steht uns die Apokalypse bevor: Mit dieser Androhung beginnt der rasante Mafia-Film. Suburra, wörtlich übersetzte "Elendsviertel", ist Ort der Begegnungen zwischen politischen Kreisen und dem Untergrund. Es ist zugleich ein Symbol für Korruption, Gewalt und Intrigen, die früher wie heute ganz Rom durchziehen.

Als die Apokalypse noch eine Woche entfernt ist, beginnt sich, mit dem Tod einer minderjährigen Prostituierten, die Spirale des Verbrechens und der Gewalt zu drehen. Immer mehr korrupte Gestalten mischen sich in das Geschehen. Nicht nur rivalisierende Clans betreten die Bühne, sondern auch hochrangige Staatsvertreter, Neo-Faschisten und Würdenträger des Vatikans beteiligen sich an der ganz großen Sache.

Es geht um ein Bauvorhaben im Stadtteil Ostia, mit dem das Hafenviertel zu einem italienischen Las Vegas aufsteigen soll. Offenkundig ein sehr lukratives Geschäft, das der Parlamentsabgeordnete Filippo Malgradi (Pierfrancesco Favino) auf Druck des sogenannten Samurais (Claudio Amendola) durchzusetzen versucht. Bei einem so großen Deal ist es nicht gerade verwunderlich, dass auch andere ein Stück vom großen Kuchen abhaben wollen. So auch der Anacleti-Clan, der, verkörpert durch Manfredi Anacleti (Adamo Dionisi), vor so ziemlich gar nichts zurückschreckt. Das feine Beziehungsgeflecht von Samurai droht dadurch auseinanderzureißen und so ist er zu drastischen Maßnahmen gezwungen.


Suburra Szenenbild


Im düsteren Sumpf aus Korruption und Gewalt

In Sollimas Thriller werden gewollte und ungewollte Abhängigkeiten und Überlegenheit messerscharf und gnadenlos ausgenutzt, dabei übertrumpfen sich die unterschiedlichen Kontrahenten an Skrupellosigkeit. Immer nur daran interessiert, die eigenen Interessen durchzusetzen, wird hier nicht lange gefackelt, es werden Fakten geschaffen.

Macht, Geld, Drogen und Frauen – so lassen sich die Hauptelemente dieses Films beschreiben, doch "Suburra" ist deutlich mehr als nur Pistolenkugeln, Sex und schnelle Autos. In "Suburra" werden Auseinandersetzungen nicht nur mit Schusswaffen, Messern oder bissigen Hunden geregelt. Verbale Streitereien, in denen erpresst, genötigt und provoziert wird, gehören ebenso zum "Tagesgeschäft"  wie actionreiche Schießereien. Die Cast leistet hier wirklich Beeindruckendes.

Stefano Sollima präsentiert mit "Suburra" zugleich eine messerscharfe Gesellschaftskritik, denn in diesem Thriller steckt von konkurrierenden Familienclans, über die Regierungselite, bis hin zum Papst, ganz Rom bis zum Hals im düsteren Sumpf der Korruption. Die skrupellosen Mafia-Bosse, die keine Moral außer "Auge um Auge, Zahn um Zahn" kennen, sind nicht die einzigen Bösewichte. Ihre Macht können sie nur deshalb spielen lassen, weil hier wirklich jeder und alles käuflich ist.

Apokalypse mit ungewissem Ausgang

Wassermassen schießen hernieder, Menschen hasten klatschnass durch die fahl beleuchteten Straßen, Donnergrollen in der Dunkelheit. Scheinwerfer durchreißen jäh die Finsternis, sie schneiden Lichtkegel in die Schwärze. Rom von seiner dunkelsten Seite. So untermauert die Szenerie die ohnehin schon bedrohliche Stimmung und haftet ihr zusätzlich etwas Düsteres und Unheilvolles an.

Mit jedem Tag rücken wir der, zu Beginn des Films angekündigten, Apokalypse näher. Trotzdem schafft es "Suburra", den Ausgang bis zum Ende völlig offen zu lassen. Die kompliziert-verstrickte Story lässt wenig vorhersehen und nimmt immer wieder ungeahnte Wendungen. Wer wird als nächstes sterben und wer wird am Ende die Nase vorn haben? Man weiß es nicht.



Suburra geht in Serie

Suburra kann deshalb als Meisterwerk bezeichnet werden, weil hier wirklich alles perfekt zusammenspielt. Regisseur Sollima und sein Cast haben aus der Filmvorlage von Carlo Bonini und Giancarlo De Cataldo Großes geschaffen. Die beiden Autoren Bonini, ein Investigativjournalist, und De Cataldo, ein Richter, sind bestens mit mafiösen Machenschaften vertraut. Deshalb erscheint dieses Werk auch so realistisch und glaubwürdig. Es ist tatsächlich vorstellbar, das sich solche Szenen in Rom abgespielt haben könnten, so dass die Grenzen zwischen Fiktion und Realität bei Buch und Film verschwimmen.

Nach der Kino-Adaption des Buches wird "Suburra" 2017 in Serie gehen. Die Eigenproduktion von Netflix wird laut den Produzenten die Charaktere des Kinofilms aufgreifen und weiter in die Abgründe Roms vordringen.


Suburra Blu-rayUNICUM Filmtipp:

Suburra

Thriller, Italien, 2017

Regie: Stefano Sollima

Darsteller: Pierfrancesco Favino, Elio Germano, Claudio Amendola

Verleih: Koch Media

Heimkinostart: 08. Juni 2017

Artikel-Bewertung:

3.26 von 5 Sternen bei 126 Bewertungen.

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 16. Feb 2017 um 12:54 Uhr von Hofacker, Bernd
ziemlich (typisch Mafia) brutal !
Veröffentlicht am 03. Apr 2017 um 12:47 Uhr von Karl-Heinz Jacobs
Die Story hört sich richtig gut an und bin gespannt auf den Film.