The Promise – Die Erinnerung bleibt
The Promise: Oscar Isaac und Charlotte Le Bon als Mikael und Ana | Foto: capelight pictures
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17. Aug 2017

Hannah Essing

Filme

The Promise – Die Erinnerung bleibt

Historisches Drama, ab dem 17. August im Kino

Konstantinopel, 1915

Der junge Armenier Mikael (Oscar Isaac, "Star Wars: Das Erwachen der Macht") reist aus einem kleinen Dorf in Armenien an, um an der Universität Medizin zu studieren. Seine Familie und seine Verlobte (Angela Sarafyan, "Westworld") lässt er dafür zurück und zieht bei seinem wohlhabenden Onkel ein. Das farbenprächtige, aufregende Konstantinopel zieht Mikael in seinen Bann – fast so sehr wie Ana (Charlotte Le Bon, "The Walk"), die Lehrerin seiner Cousinen. Da auch sie aus Armenien stammt, fühlen sich die beiden augenblicklich miteinander verbunden und Mikael verliebt sich Hals über Kopf in die junge Frau, die allerdings mit dem amerikanischen Reporter Chris (Christian Bale, "The Dark Knight") zusammen ist.

Der Ausbruch des ersten Weltkriegs führt zu Spannungen im Osmanischen Reich und Mikael und Ana werden Zeugen, wie der Hass gegenüber den Armeniern stetig wächst. Als am im  April 1915 Razzien in den Häusern der armenischen Elite vorgenommen werden und Massendeportationen in die syrische und mesopotamische Wüste beginnen, wird den beiden klar, dass sie nirgends mehr sicher sind. Von da an kämpfen die beiden ums Überleben und zeigen dabei verschiedene Perspektiven – Mikael und Ana, die als Armenier in ständiger Lebensgefahr sind, Mikaels bester Freund Emre (Marwan Kenzari, "Die Mumie"), Sohn eines türkischen Hauptmanns, der sich über seine eigenen Loyalität klar werden muss und Chris, der als amerikanischer Journalist in Sicherheit wäre und der entscheiden muss, ob er bereit ist, für die Wahrheit sein Leben zu riskieren.



Liebesgeschichte vor historischen Hintergrund

Der Film wirbt mit einem dramatischen Liebesdreieck – eine Story, die inzwischen eigentlich zu abgedroschen ist –, aber die Liebesgeschichte ist nur ein Mittel, um die historischen Ereignisse Hollywood-gerecht zu verpacken. Obwohl Mikael und Chris in die gleiche Frau verliebt sind, nimmt das keineswegs den Großteil der Handlung ein und beiden Charakteren gelingt es, sympathisch und tiefgründig zu bleiben. Der Vorwurf, dass Chris sich als Amerikaner raushalten kann und selber nicht leiden muss, ist gerechtfertigt, aber Christian Bales Charakter beweist im Laufe des Films, dass er bereit ist, für die Wahrheit sein Leben immer wieder in Gefahr zu bringen. Er wird von einem abgehobenen Journalisten zu einem tief mitfühlenden, verletzlichen Charakter.

Der Film ist nichts für schwache Nerven, die Umstände in Arbeitslagern werden genauso offen gezeigt wie Erschießungskommandos und blutige Leichen. Damit werden die historischen Ereignisse respektiert, nichts wird verschönert, tatsächlich wird der Film für seine Nähe zur Realität – was viele Hollywood-Produktionen nicht erreichen – viel gelobt. Und das, obwohl er schon vor seinem Erscheinen Schlagzeilen machte, als über 50.000 Ein-Sterne-Reviews bei imbd.com erschienen – vermutlich, um den Film zu boykottieren.

Doch abgesehen von den politischen und sozialen Dimensionen, die den Film so relevant machen, ist er auch einfach eines – gut. Wie jedes historische Drama hat zwar auch "The Promise" teilweise mit der Länge zu kämpfen, schafft es aber, interessant zu bleiben. Oscar Isaac und Charlotte Le Bon zeigen eine herausragende schauspielerische Leistung. Wo zu viel Emotion schnell als zu aufgesetzt wirken kann, halten die beiden die Balance und bewegen als armenische Flüchtlinge. 

Auch visuell überzeugt der Film – Konstantinopel ist eine einzige Farbenpracht, das Haus von Mikaels Onkel bietet einen Blick auf den Bosporus und es gibt beeindruckende Aufnahmen in der Wüste, auf dem Wasser, im Wald. Dazu kommen die Kostüme, die zwischen traditionellen Trachten in Armenien und schicken Kleidern des 20. Jahrhunderts wechseln, und den Film visuell abrunden.


Oscar Isaac in The Promis


Fazit zu "The Promise – Die Erinnerung bleibt"

Armenien bekommt wenig Presse und die Diskussion um den Genozid wird in westlichen Medien nur vereinzelt neu aufgenommen. So zum Beispiel 2016, als der deutsche Bundestag den Völkermord an den Armeniern offiziell als solchen ansah. Bis heute verleugnet die Türkei, dass dieses Ereignis stattgefunden hat. Ein Hollywood-Film dieser Größenordnung kann zumindest zu einem kleinen Teil dazu beitragen, dass die historischen Ereignisse einen höheren Bekanntheitsgrad erreichen. Schade ist nur, dass bis auf Angela Sarafyan keiner der Hauptcharaktere tatsächlich armenischer Herkunft ist.

Trotzdem sind in Zeiten von Superheldenfilmen und unzähligen Fortsetzungen und Remakes neue Geschichte erfrischend, selbst eine von der Schwere wie "The Promise". Mit wunderschönen Bildern und beeindruckenden schauspielerischen Leistungen ist der Film vielleicht keine seichte Sommerunterhaltung, aber er ist mitreißend, berührend und hat eine hervorragende Besetzung begabter Schauspieler – also alles, was ein richtiger Blockbuster braucht.


The Promise FilmplakatUNICUM Film-Tipp

The Promise

Drama/Historisches Drama, USA 2016

Regie: Terry George

Darsteller u.a.: Oscar Isaac, Charlotte Le Bon, Christian Bale, Angela Sarafyan, Marwan Kenzari

Verleih: capelight pictures

Kinostart: 17. August 2017

Mehr Infos unter www.facebook.de/ThePromisethefilm.

Artikel-Bewertung:

2.98 von 5 Sternen bei 132 Bewertungen.

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 23. Aug 2017 um 02:34 Uhr von MovieStars
Ein normales 0815 Review über "The Promise" zu machen ist eigentlich unmöglich und wird dem Film nicht gerecht. Dieser Film muss allein schon auf Grund seines Hintergrunds von so vielen Menschen wie möglich gesehen werden. Einen Film wie diesen – mit all seiner Story drumherum – hat es bislang nicht gegebenen. 1.) Seit den 1930er versucht die Türkei im Rahmen ihrer Leugnungskampagne durch massiven Druck und Androhung finanzieller Konsequenzen Filme über den türkischen Genozid an den Armeniern weltweit zu verhindern. 2.) Die MGM Filmstudios, Sylvester Stallone sowie Mel Gibson scheiterten daher bereits daran diesen Völkermord filmisch umzusetzen. 3.) "The Promise" ist die erste große Hollywood-Produktion zu diesem Thema. 4.) Dieser 90 Millionen US-Dollar Film wurde vollständig von dem 2015 verstorbenen US-Armenier, Milliardär und Philanthropen Kirk Kerkorian finanziert. Dies macht "The Promise" zu einem der teuersten unabhängig finanzierten Filme aller Zeiten. 5.) 100% aller Einnahmen von "The Promise", inkl. DVD-, BlueRay- und iTunes-Einnahmen, werden an humanitäre Organisationen gespendet. So etwas hat es für einen Film dieser Größe in der Geschichte noch nicht gegeben. Bei "The Promise" geht es nicht um Profit, sondern ausnahmslos um Aufklärung und um Menschenrechte. Diese Aspekte machen diesen Film ungemein wichtig und einzigartig und wären daher in jedem Review zu diesem Film eine Erwähnung wert. Ein Besuch dieses gut gemachten Films sollte für jeden ein Muss sein.