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24. Aug 2015

Sascha Gull

Filme

UNICUM Filmkritik: Eden

-ARCHIV-

Den bildgewaltigen Trip durch die House-Musik gibt's ab dem 21. August auf DVD und Blu-ray

Sex, Drogen und Musik

Paris, zu Beginn der 90er Jahre: Die House-Welle schwappt von New York in die französische Hauptstadt und erfasst Student Paul (Félix de Givry) mit voller Wucht. Er ist Stammgast auf den ersten illegalen Raves und besessen von der Musik. Zusammen mit seinen besten Freunden gründet er das DJ-Kollektiv "Cheers", schmeißt sein Studium und taucht vollends ab in die Pariser Elektro-Szene.

Fortan lebt Paul für die Party. Immer mehr Drogen, immer mehr Sex und immer mehr Exzesse. Elektronische Musik erlebt gerade ihre Blütephase und Paul ist als DJ auf den Raves gefragt, die mittlerweile nicht mehr in verlassenen Bunkergewölben und Lagerhallen stattfinden, sondern in den nobelsten Clubs der Stadt. 

Der Traum ist aus

Doch nach einigen erfolgreichen Jahren mit Gigs von St. Tropez bis New York endet sein Höhenflug. Paul häuft Schulden an für seinen ausschweifenden Koks-Konsum und die Miete im Tonstudio, seine Beziehungen zu Frauen scheitern regelmäßig und die Auftritte bleiben irgendwann aus. Langsam muss sich der Enddreißiger eingestehen, dass der Traum von der großen DJ-Karriere ausgeträumt ist.

In einer Szene des Films erzählt Paul, was ihn an der Garage-Musik fasziniert: "Die Mischung aus Euphorie und Melancholie." Und zwischen diesen beiden Gefühlsextremen pendelt auch der Film, der sich entsprechend in zwei Episoden teilt. Im ersten Teil, "Paradise Garage", erleben wir Pauls rauschhafte Feiereskapaden, sein bedingungsloses Leben im Jetzt. Im zweiten Teil, "Lost in Music", folgt die Ernüchterung, die Schwermut, das Eingestehen seines Scheiterns und seiner Drogensucht.

Daft Punk kommen nicht rein!

Filmisch bewegt sich "Eden" irgendwo zwischen Drama, Dokumentation und Musikfilm. Die Party-Szenen sind realistisch umgesetzt, als Zuschauer fühlt man sich direkt auf die Tanzfläche versetzt. Zudem ist der Streifen gespickt mit Reminiszenzen an die Ikonen des French House: Pauls Kumpel Arnaud (Vincent Macaigne) trägt einen Cassius-Pulli und Daft Punk (die natürlich nicht persönlich in Erscheinung treten) werden als Running Gag stets an der Tür abgewiesen, wenn Paul sich wieder mal in einen Club begibt. 

Mit einer Dauer von 131 Minuten ist der Film leider etwas zu langatmig geraten, was nicht auch zuletzt an den Zeitsprüngen und den unklaren Handlungssträngen liegt. Immerhin schickt sich "Eden" an, 20 Jahre über die Geschichte der elektronischen Musik in Frankreich abzuhandeln. Und so fühlt man sich nach dem Schauen des Films wie am Tag nach einer durchfeierten Clubnacht: Ein wenig ausgelaugt. Trotzdem ist der Film sehenswert – besonders für Fans elektronischer Musik, die gerne in der guten, alten Zeit schwelgen wollen.


Eden

Musikfilm, Drama, Frankreich 2014

Darsteller u.a.: Félix de Givry, Pauline Etienne, Greta Gerwig, Hugo Conzelmann, Roman Kolinka, Vincent Macaigne

Verleih: Alamode Filmdistribution

VÖ: 21. August 2015

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