James Franco Every Thing Will Be Fine
Foto:

16. Aug 2016

Filme

UNICUM Filmkritik: Every Thing Will Be Fine

-ARCHIV-

Wim Wenders Drama: Ab dem 15. Oktober auf Blu-ray und DVD

Gefangen in der Schuldfrage

Irgendwo im winterlichen Kanada hat sich Schriftsteller Tomas Eldan (James Franco) in einer Hütte auf einem zugefrorenen See zurückgezogen, um in Ruhe an seinem Roman arbeiten zu können. Mit dieser räumlichen Trennung kommt seine Freundin Sara (Rachel McAdams) überhaupt nicht klar und ruft ihn immer wieder auf dem Handy an. Deshalb macht sich Tomas auf den Heimweg, um die Situation zu klären.

Doch unterwegs kommt es zum Unglück. Auf einer verschneiten Landstraße fährt er einen Jungen an. Erleichert stellt Tomas fest, dass dieser wie durch ein Wunder überlebt hat. Mit dem Kind auf den Schultern läuft er zum weithin sichtbaren Elternhaus und klingelt an der Tür. Ihm öffnet Mutter Kate (Charlotte Gainsbourg), die auf auf ihren Sohn Christopher (Robert Naylor) schaut, aufschreit und zu Tomas Jeep rennt – unter dem Wagen liegt Christophers Bruder: tot.

Obwohl die Polizei Tomas Unschuld feststellt, quälen ihn fortan Schuldgefühle. Zumal er immer wieder die Nähe zu Kate und deren Sohn sucht. Die Beziehung zu Sara zerbricht an der seelischen Belastung und selbst in der neuen Partnerschaft mit Ann (Marie-Josée Croze) setzen sich die Selbstzweifel fort. Als einziger Halt in der Krise bleibt das Schreiben neuer Bücher. Immerhin hier stellt sich Erfolg ein. Doch führt ihn der Weg auch wieder zurück zu einem normalen Leben?

Berührend ohne Überraschungen

"Every Thing Will Be Fine" ist sieben Jahre nach "Palermo Shooting" der erste Spielfilm von Regisseur Wim Wenders. Herausgekommen ist eine einfache Story, in deren Mittelpunkt das seelische Leiden von Tomas steht. Denn anders als es der Filmtitel nahelegt, ist eben nichts "fine". Wie es die klassische Tragödie so will, ist der Autor unschuldig schuldig geworden.

Über einen Zeitraum von zwölf Jahren folgt man nun dessen Versuch, sich von den Schuldgefühlen zu befreien und dem eigenen Leben wieder einen Sinn zu geben. Dies gelingt Wenders mit zahlreichen Nahaufnahmen sehr eindrucksvoll und bildgewaltig. Auch Hauptdarsteller James Franco ("Planet der Affen") überzeugt als introvertierter Schriftsteller, der an den Folgen des Unglücks zu zerbrechen scheint. Bis zum Ende des Films fragt man sich als Zuschauer, ob es Tomas gelingt, die entstandene Leere zu füllen.

Doch das wahre Highlight ist der Soundtrack von Alexandre Desplat, der 2014 bereits für den Score zu "Grand Budapest Hotel" mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Immer wieder untermalt und verstärkt der Komponist die Emotionalität des Films. Besonders dann schürt sie ein beklemmendes Gefühl, wenn der Kamerafokus auf James Franco gerichtet ist. 

Obwohl "Every Thing Will Be Fine" insgesamt wenig Überraschendes zu bieten hat, ist Wim Wenders dennoch ein sehenswerter Film gelungen.

Every Thing Will Be Fine

Drama, Kanada/GB/Deutschland/Schweden 2015

Regie: Wim Wenders

Darsteller u.a.: James Franco, Rachel McAdams, Charlotte Gainsbourg, Marie-Josée Croze, Robert Naylor

Verleih: Warner Bros. Pictures

VÖ: 15. Oktober 2015

Online bestellen (Amazon): Every Thing Will Be Fine

Artikel-Bewertung:

0 von 5 Sternen bei 0 Bewertungen.