Meister des Todes
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16. Aug 2016

Filme

UNICUM Filmkritik: Meister des Todes

-ARCHIV-

Realitätsnaher Thriller über illegale Waffenexporte

Neue Waffen braucht das Land

Peter Zierler (Hanno Koffler) lebt in einem kleinen Städtchen in Baden-Württemberg. Der junge Familienvater arbeitet beim Waffenproduzenten HSW – so wie bereits sein Vater und fast jeder in seinem Umfeld. Zu seinem Vorgesetzten, dem frischgekürten Vertriebsleiter Alex Stengele (Heiner Lauterbach), hat er ein freundschaftliches Verhältnis. Die Beiden erhalten vom HSW-Geschäftsführer Heinz Zöblin (Axel Milberg) den Auftrag, nach Mexiko zu fliegen, um einen lukrativen Deal mit den dortigen Sicherheitsbehörden auszuhandeln. Peter, der ein exzellenter Schütze ist, soll den Interessenten das Sturmgewehr "SG38" in der Praxis vorführen.

Die Mexikaner sind von den Sturmgewehren begeistert und kaufbereit, doch das Geschäft droht an der deutschen Politik zu scheitern: das Kriegswaffenkontrollgesetz verbietet den Export von Waffen in Krisenregionen – und viele mexikanische Bundesstaaten zählen aufgrund von Korruption und Drogenkriegen dazu. Doch mit Hilfe der richtigen Kontakte zur deutschen Botschaft und zu hochrangigen Militärs gelingt es den HSW-Vertretern schließlich, die Gewehre ins Land zu schleusen.

Peter reist erneut nach Mexiko, um die örtliche Polizei im Umgang mit den neuen Waffen zu schulen. Wenig später wird er Zeuge, wie Polizisten auf unbewaffnete Demonstranten schießen. Eine junge Studentin stirbt auf der Straße durch eine Kugel aus einem HSW-Sturmgewehr. Zum ersten Mal wird Peter mit den tödlichen Konsequenzen der Waffengeschäfte seiner Firma konfrontiert. Er ist schockiert – nicht nur über die Gewalt, sondern auch über die Gleichgültigkeit seines Begleiters. 

Geschäfte und Moral

Die Schuldgefühle lassen Peter auch zurück in Deutschland nicht mehr los. Auf der Weihnachtsfeier, wo gerade von der Unternehmensleitung die jüngsten Geschäftserfolge in Mexiko gelobt werden, wendet er sich mit einer kritischen Ansprache an die versammelte Belegschaft und stößt weitestgehend auf taube Ohren. Vom Waffenhersteller erhält Peter daraufhin ein Abfindungsangebot samt Verschwiegenheitsklausel und Vertragsstrafe in Millionenhöhe, sollte er das Schweigeabkommen brechen. Er lehnt ab – und ist daraufhin ein Geächteter in seiner Heimatstadt.

Nachdem eines Abends auf sein Haus geschossen wurde, wendet sich Peter mit Hilfe eines Friedensaktivisten an die Öffentlichkeit und berichtet über die dubiosen Exportgeschäfte seines Arbeitgebers. Der öffentliche Druck wächst, die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf und der Unternehmensboss versucht, die Verantwortung auf Alex abzuwälzen – bis auch dieser sich gegen das Rüstungsunternehmen stellt.

Zwischen Fiktion und Realität

"Meister des Todes" ist eine fiktionale Geschichte. Die Hintergründe der Handlung sind allerdings real und beruhen auf den Recherche-Ergebnissen von Regisseur Daniel Harrich und dem SWR-Redakteur Thomas Reutter, die sich jahrelang auf Spurensuche nach zweifelhaften deutschen Waffenexporten in Krisengebiete begeben und dabei zehntausende Dokumente zusammengetragen haben. So gehen viele Aussagen und Dialoge auf Originalzitaten aus Ermittlungsakten zurück.

Die Brisanz des Themas wurde schon während der Produktionsphase deutlich: Um Verwirrung bei der Konkurrenz, die ähnliche Projekte plante, zu stiften und rechtliche Schritte seitens der Waffenfirmen im Voraus zu vermeiden, führte der SWR den Film bis zum Drehschluss als "romantische Komödie" – nur die unmittelbar Beteiligten wussten vom tatsächlichen Inhalt.

Fazit zu "Meister des Todes"

Besonders Hanno Koffler überzeugt in seiner Rolle als Waffenexperte Peter, der zuerst vom fast familiären Zusammenhalt beim Waffenhersteller und später dann von der entsetzlichen Gewalt, an der er sich eine Teilschuld gibt, überwältigt wird. Ebenso sehenswert ist Heiner Lauterbach als skrupelloser Vertriebschef und Axel Milberg als ebenso unmoralischer wie profitgetriebener Firmenboss.

Das bedrückende Szenario vor seinem realen Hintergrund, die hochkarätige Besetzung und die aufwändige Inszenierung mit Original-Drehorten in Mexiko machen die deutsche Produktion zu einem sehenswerten Thriller.

Meister des Todes

Thriller, Deutschland 2015

Regie: Daniel Harrich

Darsteller u.a.: Hanno Koffler, Heiner Lauterbach, Axel Milberg

Verleih: Edel:motion

Bereits erschienen auf DVD und Bluray, bis zum 23.12.2015 in der ARD-Mediathek

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