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04. Mär 2016

Stefan Schröter

Filme

Yakuza Apocalypse

Durchgeknallter Trip durch Japans Unterwelt

Es brodelt in der Unterwelt

Irgendwo in Japan: Der angeblich unverwundbare Yakuza-Boss Kamiura (Lily Frankie) kümmert sich mit Hingabe um seine Untergebenen und die Bewohner seiner Stadt und geht gleichermaßen gnadenlos mit seinen Gegnern um. Sein loyaler Untergebener Kageyama (Hayato Ichihara) schaut zu seinem legendären Boss auf, wird jedoch innerhalb der Gang verachtet. Der Grund: Da Kageyama empfindliche Haut hat, kann er sich keines der klassischen Yakuza-Tattoos stechen lassen, die die Zugehörigkeit zu der Untergrundorganisation symbolisieren. 

Und warum hält sich Boss Kamiura eigentlich eine Gruppe alter, strickender Männer im Keller? Als ein Vertreter des internationalen Syndikats, von dem sich Kamiura vor Jahren losgesagt hat, in der Stadt auftaucht, eskaliert die Lage. Kageyama wird von seinem Boss gebissen und damit zum Yakuza-Vampir. Damit bricht Chaos aus und die Yakuza und Kageyama steuern auf den Großen Krieg der Unterwelt zu. An dessen Ende kann nur ein Gegner stehen: der gefürchteste Terrorist der Welt – Kaeru-kun.



Kampf und Klamauk

Yakuza Apocalypse weigert sich von Anfang an, in eine Schublade gesteckt zu werden. Nichts macht wirklich Sinn, auf viele Details wird nicht eingegangen und die Geschichte beugt sich keiner konventionellen Erzählform. Der Film ist eine irrsinnige Mischung aus Gangster-Film, Comedy und Action und nimmt sich selber nicht ernst.

Vom intensiv-komischen Endkampf bis zum bedrohlichen Terroristen Kaeru-kun im Frosch-Onesie und scheinbar unbesiegbarem Kung-Fu oder dem Super-Nerd Kyoken ist alles dabei – stilvoll mit Anime-Rucksack und hochgezogener Hose.

Gespielt wird dieser von Yayan Ruhian, bekannt aus "The Raid I und II" und "Star Wars: Das Erwachen der Macht". Dementsprechend beeindruckend fallen auch die Kämpfe aus, die im krassen Gegensatz zu den fast slapstickartigen Passagen stehen, in denen zum Beispiel ein Charakter ein Spiegelei auf seiner Hand brät.

Der Genre-Mix funktioniert dabei an einigen Stellen sehr gut, vor allem der abgedrehte Humor und die Kampfszenen heben den Film aus der Masse heraus. Allerdings rutscht Miike teilweise auch in düstere Gefilde ab, die im sonst lockeren "Yakuza Apocalypse" deplatziert wirken. Letztlich ist das jedoch nicht überraschend, schließlich hat Miike auch den düsteren Thriller "Audition" verfilmt, den das Publikum reihenweise mitten im Film verließ.

Fazit zu Yakuza Apocalypse

Mit "Yakuza Apocalypse" durchbricht Takashi Miike einmal mehr Genregrenzen, schafft es jedoch nicht ganz an die Qualität seiner anderen Filme anzuknüpfen. Zwar inszeniert er einen spektakulär-absurden Streifen, der sich klassischen Konventionen widersetzt und herrlich anarchisch daherkommt, allerdings bleibt dabei auch die Geschichte auf der Strecke.

Die Charaktere bleiben stellenweise farblos. Für Anhänger der japanischen Regielegende bietet "Yakuza Apocalypse" gewohnt abgedrehte Unterhaltung, die jedoch weit weniger brutal daherkommt als andere Miike-Werke, die im Umfeld der japanischen Mafia angesiedelt sind. Für alle anderen Zuschauer mit Hang zum japanischen Film bietet der Film eine durchgeknallte Mischung aus Fantasy und Gangster-Drama mit einem gehörigen Schuss Comedy und einigen Längen.


UNICUM Filmtipp

Yakuza Apocalypse DVDYakuza Apocalypse

Fantasy/Comedy, Japan 2015

Darsteller u.a.: Yayan Ruhian, Lily Frankie, Hayato Ichihara, Riko Narumi

Verleih: Koch Media GmbH

VÖ: 25. Februar 2016

Online bestellen (Amazon): Yakuza Apocalypse

Artikel-Bewertung:

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