Assassin's Creed 2017 Review
Foto: Ubisoft
Autor

08. Dez 2017

Christopher Lymer

Games

Assassin’s Creed Origins

Das beste Assassin’s Creed aller Zeiten

Zwischen Pyramiden, Kleopatra und Caesar

49 v. Chr.: Ägypten ist in Aufruhr. Nicht nur leidet das Land unter einem fortwährend Machtkampf um den Thron, welcher zwischen Kleopatra und deren Bruder Ptolemaios XIII ausgefochten wird. Auch sammeln sich die römischen Legionen unter dem Banner Caesars, um die Gunst der Stunde zu nutzen und die unabhängige Nation am Nil zu erobern. All das interessiert unseren Protagonisten herzlich wenig. Denn Bayek von Siwa, einer der letzten Medjai und somit erklärter Beschützer des Landes sowie Bewahrer der alten Traditionen, verfolgt einen eigenen Plan: Rache!

Und die richtet sich gegen eine geheimnisvolle Gruppe Maskierter, welche nur als "Orden der Ältesten" bekannt ist. Wer genau sich dahinter verbirgt, was der Grund für Bayeks Vendetta ist und wie sich all das in die politische Situation sowie die Gründungsgeschichte der Assassinen einfügt, erfahren wir im Laufe der Geschichte.

Das alte Ägypten: Immer eine Reise wert

Und so beginnen wir unsere Reise in die mit Abstand größte Open-World, die ein Assassin’s Creed bisher hervorgebracht hat. Und jeder einzelne Quadratmeter davon lässt uns vor Verzücken innehalten und staunen. Denn das alte Ägypten sieht einfach fabelhaft aus!

Von den belebten Märkten Alexandrias, deren Stadtbild von klassisch griechischer Architektur geprägt ist, über das weitläufige Nildelta, an dessen Ufern sich Nilpferde, Krokodile und lauter exotisches Federvieh tummeln, bis hin zu den gewaltigen Pyramiden von Gizeh, deren geheimnisvolle Katakomben jedes Entdeckerherz höher schlagen lassen – die Bühne, die Ubisoft hier erschaffen hat, ist einfach spektakulär! Eindrucksvolle Licht- und Wettereffekte sowie ein dynamischer Tageszyklus verleihen dieser Augenweide zusätzlich atmosphärische Tiefe.

Keine Pause für Bayek

Selbstverständlich ist der Schauplatz unserer Geschichte aber nicht nur da, um optisch zu beeindrucken: Neben der etwas zu sequenziell erzählten Hauptstory bietet die Welt von Assassin’s Creed: Origins allerlei Beschäftigungsoptionen. Aussichtspunkte erklimmen, Schätze bergen, Gräber plündern, feindliche Stützpunkte räumen, Gefangene befreien und Wildtiere jagen stehen hier ebenso auf der Abhakliste wie unzählige Neben-Quests.

Und diese gestalten sich als überraschend gut inszeniert und abwechslungsreich, zumal ihnen häufig komplexere Erzählstrukturen zugrunde liegen, die mit interessanten Charakteren und sogar dem ein oder anderen Plot-Twist aufwarten. Lediglich die qualitativen Defizite, die manche Dialoge klingen lassen, als seien sie durch eine Konservendose gesprochen worden, können hier zuweilen nerven.

Ob wir nun Aufträge erfüllen oder uns auf Entdeckungstour begeben – unterstützt werden wir bei allen Vorhaben von unserem treuen Falken Senu, mit dem wir jederzeit die Vogelperspektive einnehmen dürfen und so Bereiche ausspähen sowie Gegner, Quest-Objekte oder Schätze markieren können. Ein nützliches Feature, dass sich bereits in anderen Ubisoft-Titeln wie Farcry: Primal und Watch Dogs 2 bewährt hat.

Ein Best-Of aus der Blockbuster-Kiste

In Sachen Spielmechanik haben sich die Entwickler allerdings nicht nur vom eigenen Repertoire inspirieren lassen.

Das komplett überarbeitete Kampfsystem, das uns feindliche Angriffe nun mit einem Schild blocken oder kontern, per Knopfdruck ausweichen sowie leichte und schwere Hiebe austeilen lässt, kann seine Nähe zur Dark Souls Reihe nicht verleugnen. Das Fernkampf- und Schleichsystem ruft hingegen Erinnerung an Horizon: Zero Dawn wach. Und ein Blick auf die Weltkarte mit ihren vielen Fragezeichen sowie unser Reittier, das uns per Autopilot zum Ziel befördert, lässt uns zweifellos Richtung The Witcher schielen.

Entsprechend könnten wir den Entwicklern an dieser Stelle mangelnde Gestaltungskraft unterstellen, sollten wir aber nicht! Denn auch wenn Assassin’s Creed: Origins sich in diesen Punkten an Bestehendem orientiert, so vereint es eine Reihe der besten Spielmechaniken des Genres und formt diese zu etwas Neuem, das sich gut und schlüssig anfühlt.

Vom Action-Adventure zum Rollenspiel

Das gilt auch für die Rollenspiel-Elemente, die in vorangegangenen Assassin’s Creed Titeln zwar vorhanden waren, jetzt aber deutlich ausgebaut werden. So ist Weltkarte nun in Regionen unterteilt, die ebenso wie jede Quest einen festen Spieler-Level voraussetzen. Der notwendige Stufenaufstieg erfolgt klassisch durch das Sammeln von Erfahrungspunkten und ermöglicht uns pro Level einen Fähigkeitspunkt in den dreiteiligen Talentbaum zu investieren: Hierbei dürfen wir uns auf Nah- oder Fernkampf oder den Einsatz von Hilfsmitteln wie Brand- oder Rauchbomben spezialisieren.

Die größte Neuerung aber bildet wohl das eingeführte Inventarsystem, das uns je zwei Nah- und Fernkampfwaffen sowie einen Schild frei ausrüsten lässt. Wie stark ein Gegenstand ist, hängt dabei von dessen Qualitäts- und Seltenheitsstufe ab, welche auch seine Stärke und besondere Attribute bestimmen. Zudem fährt Assassin’s Creed: Origins es eine Menge unterschiedlicher Waffen-Kategorientypen auf: Hämmer und Äxte für Durchschlagskraft, Speere für Reichweite und Stoßangriffe, Sichelschwerter für schnelle Hiebe, Raubtierbögen für Präzisionsschüsse aus weiter Ferne, Kriegsbögen mit fünf gleichzeitig angelegten Pfeilen für enormen Schaden auf kurze Distanz und mehr. Wofür wir uns entscheiden hängt sowohl von unserer Spielweise als auch den jeweiligen Gegnertypen ab.

Besonders starke, legendäre Waffen winken bei sogenannten Götterprüfungen, denen wir uns im Endgame stellen dürfen. Bei ihnen handelt es sich um zeitexklusive Events, die ständig wechseln und uns auch in Zukunft beschäftigt halten sollen.

Fazit zu "Assassin's Creed Origins"

Assassin’s Creed erhebt sich nach zwei Jahren kreativer Pause wie ein Phönix aus der Asche. Ein großartiges Setting und ein ungewohnt frisches Gameplay sorgen dafür, dass wir uns nur allzu gern in der optisch überwältigenden Open-World des alten Ägyptens verlieren. Die so dringend nötige Neukonzeption der Marke hat spürbar Früchte getragen – und die schmecken so süß wie sonnengereifte Datteln am Nilufer!


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