Deus Ex Test
Wildes Geballer oder cleveres Schleichspiel? Hier entscheidest du! | Foto: © 2016 Square Enix Ltd.
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12. Sep 2016

Christopher Lymer

Games

Deus Ex: Mankind Divided

Stilsicherer Cyberpunk-Krimi mit philosophischem Tiefgang

Entzweite Menschheit: Die mechanische Apartheid

In der Zukunftsvision von Deus Ex stehen der Menschheit dank des technologischen Fortschritts alle Türen offen: Durch mechanische Augmentierungen, die in Form von Implantaten und Prothesen ganze Körperteile ersetzen oder deren Leistung steigern, sind schärfere Sinne, stärkere Muskeln oder erhöhte kognitive Effizienz nur noch eine Frage des Geldes. Das schöne neue Weltgefüge gerät jedoch schlagartig aus den Fugen, als bei einem verheerenden Sabotageakt im Jahr 2027 die augmentierte Bevölkerung durch ein Störsignal zeitweilig in einen Blutrausch versetzt wird, der weltweit für Tod und Zerstörung sorgt.

Zwei Jahre nach dem sogenannten "Zwischenfall", der das Finale des Vorgängers Deus Ex: Human Revolution markiert, hat sich das politische Klima gegenüber Augmentierten dramatisch verschärft. .An den Rand der Gesellschaft gedrängt, werden sie zunehmend Opfer von Diskriminierung, Pogromen und Polizeigewalt. Ein willkommener Nährboden für skrupellose Organisationen, Konzerne und politische Extremisten, die sich die Unruhen zunutze machen, um das Schicksal der Menschheit in die eigenen Bahnen zu lenken. Mit dem Ziel, jenen Strippenziehern einen Strich durch die Rechnung zu machen, schlüpfen wir einmal mehr in die Rolle des ebenfalls hochgradig augmentierten Agenten Adam Jensen, der mittlerweile für Interpol in Prag ermittelt.

Deus Ex: Mankind Divided

Zwischen Terror und Unterdrückung: Prag im Ausnahmezustand

Anstatt wie die Konkurrenz auf eine gigantische Open-World zu setzen, erzählt Deus Ex: Mankind Divided den Großteil seiner Geschichte innerhalb einer räumlich begrenzten Version der tschechischen Hauptstadt. Als klein lässt sich unser Einsatzort allerdings nicht bezeichnen: Schließlich können wir beinahe jedes Gebäude über mehrere Stockwerke sowie ein Netz aus unterirdischen Abwasser- und Tunnelsystemen erkunden.

Darüber hinaus gelingt es dem Action-Rollenspiel, über seine belebten Kulissen eine extrem dichte Atmosphäre zu erschaffen, welche uns die hässliche Fratze der mechanischen Apartheid immer wieder eindrucksvoll offenbart: In den Straßen Prags drehen zahllose Polizisten in gepanzerten Kampfanzügen – die Gewehre im Anschlag – ihre Runden, während bedrohlich surrende Drohnen jeden augmentierten Passanten einem Scan unterziehen. Hier wird eine Gruppe "Technos" zwecks Inspektion unsanft von den Beamten gegen eine Häuserwand gepresst; dort wird ein Augmentierter gewaltsam abgeführt, weil er die geforderten Papiere nicht vorweisen kann. Wer die Kontrollposten schadlos passiert, hält sich vorschriftsgerecht in den für Augmentierte ausgewiesenen Bereichen auf und erduldet still die verächtlichen Blicke sowie den leisen Spott, der von den nicht-augmentierten Mitbürgern gespendet wird. Eine durchaus bedrückende Szenerie, die das gesamte Stadtbild prägt.

Deus Ex: Mankind Divided Test

Ob Goldzunge, Leisetreter oder Revolverheld: Viele Wege führen ans Ziel

Kein Wunder also, dass sich unsere Ermittlungen unter diesen Umständen als überaus riskant erweisen und das Gelingen jeder Mission von unserem strategischen Geschick abhängt. Und genau hier entfaltet Deus Ex: Mankind Divided seine größte Stärke, indem es uns für jede Operation zahlreiche Lösungswege eröffnet.

Müssen wir beispielsweise in eine streng bewachte Bank eindringen, die von Selbstschussanlagen, Wachrobotern und Sicherheitspersonal nur so wimmelt, können wir uns den Weg entweder in bester Ego-Shooter-Manier mit Waffengewalt bahnen, oder den Komplex lieber klammheimlich infiltrieren. Während uns bei der Holzhammermethode in kürzester Zeit kiloweise Blei um die Ohren fliegt, arbeiten wir uns im Stealth-Modus geschickt von Deckung zu Deckung, schalten Gegner geräuschlos aus und halten nach alternativen Schleichwegen wie Luft- oder Wartungsschächten Ausschau. Im besten Fall machen wir das Sicherheitsbüro ausfindig und hacken uns in den hiesigen Computer, der die Überwachungsanlagen steuert: Dann nämlich lassen sich letztere einfach per Knopfdruck deaktivieren. Alternativ können wir auch ein wenig an der Freund-Feind-Erkennung spielen und uns anschließend zurücklehnen, während Roboter, Geschütze & Co. die Drecksarbeit für uns erledigen.

Für welchen Weg wir uns auch entscheiden, Jensens hochentwickelte Augmentierungen bieten für jede Vorgehensweise das passende Feature: Von der Dermal-Aug, die vorübergehend unsichtbar macht, über die Typhoon-Aug, die kleine Sprengsätze auf umstehende Gegner schleudert, bis hin zur bionischen Lunge, der selbst Giftgas nichts anhaben kann, ist Adam Jensen das Schweizer Taschenmesser unter den "Technos". Freischalten und Aufrüsten dürfen wir unsere Augmentationen übrigens mit Praxis-Kits, die wir bei jedem Levelaufstieg erhalten.

Jenseits der eher actionlastigen Passagen setzt Deus Ex: Mankind Divided verstärkt auf interaktive Dialoge, die nicht nur die Geschichte vorantreiben, sondern – sofern wir uns clever anstellen – auch eine Möglichkeit darstellen, Missionen komplett gewaltfrei abzuschließen. Leider ist die deutsche Vertonung der Charaktere hier zeitweise etwas dürftig geraten, ebenso wie der häufig mangelnde Synchronismus zwischen Lippenbewegung und Gesprochenem.



Fazit zu Deus Ex: Mankind Divided

Deus Ex: Mankind Divided entführt uns in eine dystopische Cyberpunk-Zukunft, in der Terrorismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sowie die Verzahnung von technologischem Fortschritt und Hyperkapitalismus die Menschheit gespalten hat. Davon zeugen nicht nur Deus Ex‘ eindrucksvoll inszenierte Kulissen, sondern auch zahlreiche Zeitungsartikel, Fernsehberichte, E-Mail-Korrespondenzen und PDA-Einträge, auf die wir im Laufe unserer Reise stoßen. Das perfekte Setting für ein elaboriertes Action-Rollenspiel, das durch eine komplexe, fesselnde und philosophische Story glänzt, die aber leider etwas zu abrupt endet. 


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3.14 von 5 Sternen bei 156 Bewertungen.

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