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16. Aug 2016

Games

Die Sims 3

-ARCHIV-

Die Sims stürzen sich seit jeher in ein mehr oder weniger abenteuerliches Leben, bei dem ihre Bedürfnisse und Verpflichtungen – vom Toilettengang bis zur Zahlung der eigenen Rechnungen – erfüllt werden müssen, denn nur ein zufriedener Sim ist ein erfolgreicher Sim. Freundschaften müssen aufgebaut, der Job gewissenhaft erledigt und der Haushalt in Ordnung gebracht werden. Daran hat sich nie etwas geändert, nur die Spielmechaniken wurden über die Jahre stets verfeinert und ausgebaut. Ein Die Sims 3 für den 3DS muss sich daher den hohen Erwartungen stellen, die die bisherigen Versionen für PC und Konsolen aufgebaut haben.Doch diese können bei Weitem nicht erfüllt werden, so dass man als Spieler mehr als nur den Verdacht hat, dass die Marke Sims wieder einmal kräftig gemolken werden soll, ohne großen Einsatz und ohne große Mühe. Denn Die Sims 3 auf dem 3DS müsste eher Die Sims 1 heißen, da dieses Spiel mit dem ersten PC-Titel wesentlich mehr gemeinsam hat als mit dem aktuellen dritten Teil. Statt mehrerer Haushalte mit ein, zwei, drei oder mehr Personen beginnt der Spieler mit einem einzigen Sim, dem anfangs eines von drei Häusern zum Kauf zur Verfügung stehen.Man erstellt äußerliche und charakterliche Merkmale für den Sim, die Auswahl an körperlichen Attributen, Kleidungsstücken, Frisuren und Accessoires kann jedoch mit den großen PC- und Konsolen-Versionen nicht mithalten, wobei die Auswahl für die Männer enttäuschend kleiner ist als für die Frauen. In diesem Editor findet man allerdings die einzige Funktion des 3DS, die bei Die Sims 3 sinnvoll genutzt wird, nämlich die Gesichtserkennung. Man fotografiert sein Gesicht vor einem hellen Hintergrund, die wichtigsten Gesichtszüge werden beim Sim umgesetzt. Mit dem Ergebnis kann man mehr oder weniger zufrieden sein, witzig ist diese Idee allemal.Nachdem man das Lebensziel seines Sims ausgesucht hat und in sein neues Wohnhaus eingezogen ist, beginnt das virtuelle Leben. Dabei wird der untere Bildschirm des 3DS für die Navigation mittels der Vogelperspektive genutzt, das heißt man sieht den Grundriss des Hauses und steuert mit dem Schiebepad die Kamera. Gleichzeitig kann man mit dem oberen 3DS-Screen seinen Sim in normaler Perspektive betrachten, wobei Neigungswinkel und Zoom geändert werden können, indemman den L-Trigger drückt und das Schiebepad bewegt. Dabei kann das Geschehen des Sims auch in 3D betrachtet werden, der optische Effekt wurde jedoch mehr schlecht als recht umgesetzt und fällt vor allem im Vergleich zu anderen 3DS-Titeln komplett durch, so dass man darauf getrost verzichten kann. Gesteuert wird das Spiel ansonsten mit dem Touchpen. Leider werden die beiden Bildschirmkameras nur im Bau- und Kaufmodus synchron miteinander bewegt. Im Live-Modus muss man zeitweise herumfummeln, um beide Kameras aufeinander einzustellen und den Sim sowie seine Umgebung immer gut im Blick zu haben.

Hat man sich seinen ersten Job gesucht, klingeln schon die Nachbarn an der Tür. Soziale Kontakte sind auch im 3DS-Sims extrem wichtig. Diese aufrechtzuerhalten, erscheint auf den ersten Blick kinderleicht, denn immer wieder begegnet man in der Umgebung seines Hauses oder den anderen zwei Bereichen der 3D-Sims-Welt, der Einkaufsstraße und dem Park, vielen anderen Sims. Doch die Beziehungsarbeit verläuft mühselig und der Blick auf die Beziehungen zu anderen Sims ist kompliziert in Infomenüs versteckt, die man immer extra aufrufen muss. Wer kein Interesse an vorgegebenen Sims hat, kann zwar leider keine weiteren spielbaren Haushalte erstellen, aber zumindest neue Stadtbewohner, denen der eigene Sim begegnen kann. Verschiedene Altersgruppen gibt es übrigens in diesem Sims-Spiel nicht.Die Bedürfnisse des Sims werden nicht wie bei allen Vorgängertiteln über Balken angezeigt, sondern machen sich durch kleine Icons am unteren Bildschirmrand bemerkbar, deren Zeitanzeige signalisiert, wie schnell man sich um Hunger, Notdurft oder Hygiene kümmern sollte. Eine gute Vorausplanung wie bisher erscheint so allerdings unmöglich und setzt den Schwierigkeitsgrad des Spiels unerwartet hoch, obwohl man sich anfangs nur um einen einzigen Sim kümmern muss. Gehen dann auch noch Dusche, Toilette oder Fernseher kaputt, scheint das Chaos perfekt. Denn die Laune des Sims sinkt bei Unordnung und unangenehmen Aufgaben sofort in den roten Bereich und bei zu schlechter Laune will er weder reparieren noch putzen. Konnte man bei PC und Konsolen dafür auf Handwerker oder eine Putzkolonne zurückgreifen, schaut man auf dem 3DS in die Röhre, denn diese Dienste werden nicht angeboten. Genauso fehlen einfachste Dinge wie ein zeitsparender Geschirrspüler, für den man stattdessen die Auswahl zwischen Dutzend verschiedenen Waschbecken hat.Auch im Job wird der 3DS-Sim härter herangenommen, denn schon bei den kleinsten Fehlentscheidungen im Job wird man sofort gefeuert, ebenso wenn man ein-, zweimal zu spät kommt, weil das Frühstück mal wieder zwei ganze Ingame-Stunden gedauert hat. Nach der Kündigung hat der Sim wiederum miese Laune, die im häuslichen Chaos kaum zu bessern ist. Sofern man noch genug Geld übrig hat, geht man mit dem Sim in die Stadt und versucht, seine Bedürfnisse und sozialen Kontakte dort aufzupolieren. Das klappt gut, aber schon die kleinsten Misstände können das labile Gemüt des virtuellen Ichs wieder ins Wanken bringen.Optisch kann Die Sims 3 nicht überzeugen, denn neben dem Umfang scheint auch die Grafik eher auf dem Niveau des allerersten Die Sims für den PC zu stehen. Und nicht zuletzt die ewig langen Ladezeiten verderben endgültig den Spielspaß.

Fazit: Die Sims 3 hinterlässt auf dem 3DS einen schlechten Eindruck. Das sonst so motivierende Spielprinzipgerät hier völlig außer Kontrolle, Umfang und Optik können nicht überzeugen. Das haben weder die Marke Sims noch der neue Handheld verdient.Die Sims 3Getestet für: Nintendo 3DSPreis: ca. 45 EuroUSK: ab 6 JahrenInfos: www.electronic-arts.deBewertung: 2/6

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