FIFA 20 Test Volta
FIFA 20 bringt mit VOLTA den Fußball vom Stadion auf die Straße. | Foto: Electronic Arts
Autor

10. Okt 2019

Marvin Kesper

Games

FIFA 20 im Test

Wieder nur ein Kader-Update?

Vom Stadion auf die Straße: Der neue VOLTA Spielmodus

Eines vorab: FIFA erfindet sich mit FIFA 20 nicht neu. Dennoch sorgt es mit einigen reizvollen Neuerungen für ein spürbar besseres Spielgefühl als sein Vorgänger und gehört zu den bedeutendsten Games 2019. Die größte Neuerung ist der VOLTA Modus. Eigentlich kann man ihn auch Street-Modus nennen, denn das Gameplay erinnert stark an die beliebte FIFA-Street-Reihe, in der getrickst, gefoult und getunnelt werden konnte. An verschiedenen Schauplätzen, wie zum Beispiel auf einem Hochhaus in Tokio oder einem feinen Kunstrasenplatz in New York, können die neuesten Skills ausgepackt werden. VOLTA Football ist eine gelungene Abwechslung zum "normalen" Spiel. Hier kannst du einfach deinen Frust von der Seele ballern und die Tricktasten, die im normalen Modus eher weniger Bedeutung haben, öfter einsetzen. Auch das Gameplay von VOLTA fühlt sich flüssig und realistisch an. Dem Realismus wurde in den FIFA-Street-Teilen ansonsten eher wenig Beachtung geschenkt. Der VOLTA Modus ersetzt mit seiner zusätzlichen Story außerdem die "The Journey"-Reihe aus den Vorgängern. Während uns die Geschichte rund um den Aufstieg von Alex Hunter in "The Journey" durchaus begeistert hat, wirkt die VOLTA-Story ziemlich aufgesetzt und schlecht konstruiert. Na gut, bei FIFA kommt es hauptsächlich auf das Gameplay an, aber wenn schon eine Story eingebaut wird, dann doch wenigstens mit ansehnlichen Cutscenes und ohne hölzerne Dialoge. In der Hinsicht kann VOLTA nicht mit "The Journey" aus FIFA 19 mithalten. Für ein lockeres Spiel unter Freunden ist es allerdings super geeignet. 

FIFA20 Bewertungen auf Amazon. Foto: Marcus Millo/Gettyimages

Änderungen am Gameplay: Langsameres Spiel und schwächere Verteidiger>

Wie jedes Jahr dreht EA beim Gameplay an einigen Stellschrauben, um das Spielerlebnis zu verbessern. In FIFA 20 ist das auf jeden Fall gelungen. Die größte Änderung betrifft die KI der Verteidigung. Sie wurde nämlich spürbar schwächer gemacht. Dadurch, dass die Verteidiger nun größere Lücken zwischen den Reihen lassen und die Passwege nicht mehr so effektiv zustellen, können Stürmer deutlich häufiger tödliche Pässe spielen. Vor allem wird dadurch das ständige Ball-Hin-Und-Her-Geschiebe vor dem Sechzehner, wie es noch bei FIFA 19 der Fall war, verhindert. Gleichzeitig wurde allerdings auch die Effektivität von verschiedenen Pässen abgeschwächt, sodass Spielern mit schlechten Passwerten deutlich häufiger auch mal ein Pass misslingt. Vor allem die hohen Pässe in den Lauf sind nicht mehr so spielentscheidend. Das Gameplay fühlt sich in FIFA 20 zwar arcade-lastiger an, jedoch bietet es eine gute Balance zwischen Verteidigung und Angriff. Vor allem im E-Sport könnte die abgeschwächte KI für unvorhersehbare Momente und vielleicht auch Frust sorgen. 



Überarbeitete Ballphysik und neue Standards 

Eine weitere große Änderung sind die neu konzipierten Standardsituationen. Durch einen Cursor kannst du jetzt genauer entscheiden, wohin du deinen Freistoß oder Elfmeter schießen möchtest. Dabei stehen dir bei den Freistößen außerdem die verschiedenen Schussarten Top-Spin, Flatterball, angeschnittener Schuss und Vollspannschuss zur Verfügung. Für Neulinge, die das erste Mal das neue Schusssystem verwenden, kann es doch etwas befremdlich wirken. Der Cursor lässt sich nämlich sehr zittrig bewegen und das Zusammenspiel zwischen linkem und rechtem Stick erfordert doch ein bisschen Übung. Nach ein paar Minuten im Trainingsmodus fühlen sich die neuen Standardsituationen aber deutlich verbessert an und wirken nicht mehr so zufällig, wie noch in FIFA 19.

Doch nicht nur die Schüsse nach einem ruhenden Ball haben sich verändert, sondern auch an der Ballphysik im laufenden Spiel hat EA gearbeitet. Der Ball kann, je nachdem wie er getroffen wird, nun plötzlich die Flugbahn ändern und so zum tückischen Flatterball für Torhüter werden. Das ist zwar realistisch, jedoch führt es dazu, dass Distanzschüsse in vielen Situationen zu stark sind. Spiele, in denen nicht mindestens ein Distanztor fällt, gibt es dadurch eher selten. Hier gibt es für EA durchaus Verbesserungspotenzial.

Neuerungen im Karrieremodus: neues Moralsystem und dynamisches Potenzial 

In diesem Jahr hat EA sich auch endlich mal wieder an den Karrieremodus gewagt. In den Vorgängern war dieser oft vernachlässigt worden und für Fans des beliebten Offline-Modus, gab es immer weniger Gründe sich die neueste Version von FIFA zuzulegen. Für den FIFA 20 Karrieremodus verspricht EA komplett anpassbare Manager, Pressekonferenzen und Interviews, ein neues Moralsystem und dynamisches Spielerpotenzial

Sich seinen eigenen Manager zu erstellen, klappt im neuen Karrieremodus sehr gut. Konnte man bei FIFA 19 nur aus acht verschiedenen Trainer wählen, kann nun über einen Editor ein komplett eigener Coach erstellt werden. Dabei stehen dir viele Gesichtsmerkmale, Frisuren, Kleidungen und Accessoires zur Verfügung. In FIFA 20 kannst du das erste Mal auch eine weibliche Managerin erstellen. Deinen Manager kannst du auch während der Karriere immer wieder anpassen, sodass du zum Beispiel in der Champions League deinen feinen Anzug aus dem Schrank holst, während du in der Liga lieber auf Cap, T-Shirt und Jogginghose setzt.  

Durch das neu eingeführte Moralsystem musst du immer darauf achten, dass deine Spieler zufrieden sind. Dies kannst du durch Einzelgespräche und gute Verträge erreichen, aber auch die Leistung des Spielers und des Teams wirkt sich auf die Moral aus. Je höher die Moral deines Team, umso besser spielen deine Spieler ihre Stärken auf dem Platz aus. Das Moralsystem ist allerdings zu einfach gestrickt, um ein wirklicher Faktor zu sein. Schnell findet man heraus, welche Antworten man in den neu geschaffenen Interviews und Pressekonferenzen geben muss, um die Moral nach oben zu treiben. Dadurch verlieren auch diese neuen Elemente schnell an Bedeutung. Hier würden mehr Tiefe und mehr Antwortmöglichkeiten dem System gut tun. 

Was die Manager-Arbeit im Karrieremodus von FIFA 20 jedoch grundlegend verändert, ist das dynamische Potenzial. Noch in FIFA 19 war für jeden Spieler im Vorhinein festgelegt, bis zu welchem Wert er sich entwickeln konnte. Dieser wurde von EA bestimmt. In FIFA 20 richtet sich das Potenzial eines Spielers allerdings nach seinen Leistungen und Einsatzzeiten. So können Talente, die gut und viel spielen, deutlich höher steigen als gleichwertige Spieler, die kaum zum Zuge kommen oder keine Leistung bringen. Auch Spieler, die im hohen Fußballeralter noch starke Leistungen zeigen, verlieren nicht mehr so schnell an Stärke und hängen vielleicht noch ein Profijahr dran, wenn es wirklich gut läuft. 

Die größte Stärke von FIFA 20: umfassende Lizenzen für Top Ligen 

Eine alte Stärke von FIFA zeigt sich auch in FIFA 20 wieder. EA besitzt so gut wie alle Lizenzen für Top Ligen und Wettbewerbe. Nur ein paar Lizenzen von Top-Klubs fehlen. So sind die Stadien vom FC Bayern München und vom FC Barcelona nicht im Spiel zu finden. Juventus Turin heißt in FIFA 20 Piemonte Calcio und hat weder originale Trikots, noch ein originales Stadion. Diese drei Top-Klubs gibt es exklusiv nur beim Konkurrenten Pro Evolution Soccer. In der Bundesliga werden wir dafür mit 13 neuen Stadien und vielen neu eingescannten Spielergesichtern vertröstet. Atmosphärisch bietet FIFA 20 also so ziemlich alles, was das Fußballherz begehrt. FIFA 20 umfasst außerdem über 30 Ligen sowie die Europa League und Champions League. Das erste Mal mit dabei ist auch die rumänische Liga. Für FIFA Ultimate Team bringt EA 15 neue Ikonen ins Spiel. Darunter sind zum Beispiel Didier Drogba, Zinedine Zidane und Pep Guardiola. An Vielfalt mangelt es FIFA 20 also nicht.  


FIFA 20 Test Sancho


FIFA 20 mit Fehlern und Bugs zum Release

Zum Launch des Spiels am 27. September hatte FIFA 20 mit vielen Fehlern und Bugs zu kämpfen, die teilweise immer noch bestehen. Einige Fehler davon betreffen vor allem den Karrieremodus. So ist es häufig so, dass eigentliche Top-Teams sang- und klanglos absteigen, da sie in jedem Spiel nur mit ihrer B- oder C-Elf antreten. Komisch, weil EA vor dem Start von FIFA 20 versprochen hat, genau daran zu arbeiten, dass Top-Teams in wichtigen Spielen immer mit der bestmöglichen Mannschaft auflaufen. In FIFA 20 hat sich das Ganze nun deutlich verschlimmert. Des Weiteren funktioniert das dynamische Spielerpotenzial , das den Karrieremodus revolutionieren sollte, nicht richtig. Einige FIFA-Fans gehen sogar soweit, dass sie den Karrieremodus mit diesen Fehlern als unspielbar empfinden. Viele Bugfixes in anderen Spielmodi und Anpassungen am Gameplay hat EA bereits mit mehreren Updates vorgenommen. Sie sind sich der immer noch bestehenden Probleme bewusst und kündigten daher bereits weitere Patches für ihre neueste Fußball-Simulation an.

FIFA 20 im Test: Fazit 

Nein, FIFA 20 ist nicht nur ein Abklatsch des Vorgängers mit einem Kader-Update, aber es erfindet die FIFA-Reihe auch nicht grundlegend neu. Die neuen Gameplay-Änderungen, wie die neue Ballphysik und die Abschwächung der Verteidiger fügen sich gut in das Spiel ein und sorgen für ein offensives und flüssigeres Spiel. Lediglich das Balancing der Distanzschüsse ist noch nicht ausgereift, da sie oft zu stark sind. Mit den angesprochenen Features für den Karrieremodus, kann dieser sich endlich wieder über grundlegende Neuerungen freuen. Theoretisch, denn an der Umsetzung hapert es noch ein wenig. Fehler mit den Aufstellungen der Gegner, ein nicht ganz reibungsloses, dynamisches Potenzial und ein oberflächliches Moralsystem nehmen einem momentan noch den Spaß an diesem Modus. EA wird hier aber sicher für Updates sorgen. Der neue VOLTA-Modus ist unterhaltsam und bringt durch seinen FIFA-Street-Charakter ein Stück Nostalgie hervor. Die Story dazu ist allerdings schwach, sodass er lediglich zur Abwechslung für zwischendurch taugt. Generell ist EA mit FIFA 20 aber ein deutlich besseres Spiel gelungen, als es noch FIFA 19 war. Vermutlich hätten ein paar Wochen mehr Entwicklungszeit dem Spiel gut getan, um all die Fehler auszumerzen, die zum Release aufgetreten sind. Wenn diese Bugs und Fehler aber erstmal durch Updates beseitigt werden, ist FIFA 20 sicherlich eines der besten, wenn nicht sogar das beste, FIFA der gesamten Reihe. 


UNICUM Gaming-Tipp

FIFA 20 

Fußball-Simulation

PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC

Electronic Arts

Online bestellen (Amazon): FIFA 20

Artikel-Bewertung:

2.71 von 5 Sternen bei 85 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 12. Okt 2019 um 01:11 Uhr von Fifafan
Stimme zu dass es, wenn es funktionieren würde, viel Potenzial hat. Ich habe alle Modis angezockt und überall sind so viele Bugs zu finden das kein Modus spass macht wenn man ihn länger zockt. Es das beste Fifa alles Zeiten zu nennen ist pure Provokation. Einige Bugs gefixt? Ja, offiziel vielleicht. Jedoch merkt man 0,0 im Gameplay. FIFA hat da kein Interesse mehr daran. Es ist nur noch Pay to Win und nichts anderes. Ich kann nur jedem raten dafür kein Geld auszugeben. Spart es euch einfach, denn was die Entwickler hier abliefern ist beschämend und keines Games würdig. Trotz Demos, Feedbacks und unzähligen "Bugfixes" war die Demo von Fifa 20 um längen besser als das fertige Spiel. Lg ein ehemaliger Fifafan