Neues Game. The Dark Pictures: Man of Medan
Wir haben The Dark Pictures: Man of Medan für dich getestet. | Foto: Sony Computer Entertainment/Supermassive Games
Autor

31. Okt 2019

Christopher Lymer

Games

The Dark Pictures: Man of Medan im Test

Eine Bootsfahrt, die ist … tödlich!

Mit The Dark Pictures: Man of Medan bekommen wir die erste Ausgabe einer insgesamt vierteiligen Horror-Anthologie, die uns – wie schon der geistige Vorgänger Until Dawn – in ein Grusel-Abenteuer stürzt, bei dem sich alles um unsere Entscheidungen dreht.

Dabei schlüpfen wir abwechselnd in die Rollen von fünf  jungen Erwachsenen, die es für einen Tauchgang aufs offene Meer hinauszieht: Während Julia und Alex den Trip als romantische Verlobungsgelegenheit verbuchen, ist die mürrische Leihkapitänin Fliss nur drauf bedacht, dass ihre Kunden keine Dummheiten an Deck anstellen. Dem wirkt Conrad – Julias großer Bruder, Sprücheklopfer und Draufgänger – tatkräftig entgegen, während Alex‘ kleiner Bruder Bradley zwanghaft versucht, jenseits seines eher introvertierten Nerd-Daseins etwas "Spaß" zu haben.

Was sich wie die Ausgangssituation einer Teenie-Komödie liest, schlägt in bitteren Ernst um, als eine Gruppe bewaffneter Krimineller das Boot entert, die fünf Jugendlichen gefangen nimmt und Kurs auf ein havarierendes Kriegsschiff aus dem zweiten Weltkrieg setzt, das angeblich einen wertvollen Schatz in seinen Eingeweiden trägt. Was sie nicht ahnen: Das von Leichen übersäte Wrack hält weitaus mehr für die Ankömmlinge bereit – und zwar das blanke Grauen!

Man of Medan ist schön (und) schaurig!

Und so begeben wir uns auf einen mysteriösen Horrortrip, bei dem sich ehemalige Until Dawn Spieler sofort heimisch fühlen werden. Im Vergleich zum geistigen Vorgänger hat sich hinsichtlich des Spielprinzips nämlich kaum etwas verändert: Auch in Man of Medan schlüpfen wir abwechselnd in die Rollen unserer fünf Hauptfiguren, erkunden die Umgebung, wählen Dialogoptionen und reagieren unter Zeitdruck auf Stresssituation. Dabei überblicken wir das Spielgeschehen meist durch eine Third-Person-Schulterkamera oder aus einem statischen Kamerawinkel, der unseren Blick innerhalb der schaurig inszenierten Kulissen lenkt.

In beiden Fällen gelingt es Man of Medan, eine angenehm dichte Horroratmosphäre aufzubauen, bei der sich zum düsteren Gesamteindruck des klaustrophobischen Schiffsinneren eine schaurige Soundkulisse sowie eine pointierte, musikalische Untermalung gesellt. Für echte Gänsehautattacken sorgen hier vor allem die zahlreichen Gerippe, die über das ganze Schiff verteilt und in bizarren Posen erstarrt sind, um uns regelmäßig in Erwartung eines nahenden Jumpscares den Atem stocken zu lassen! Es irritiert allerdings, dass wir uns durch die Videospielkulisse vor der heimischen Mattscheibe deutlich mehr zu gruseln scheinen als unsere Protagonisten, welche die Grauen, mit denen sie konfrontiert werden, häufig allzu gelassen hinnehmen.



Auf der Suche nach der grausigen Wahrheit

Fortan tasten wir uns vorsichtig durch die runtergekommenen Sektionen des ächzenden Schiffes, mit seinen schmalen Gängen, engen Kabinen und bedrohlich zischenden Maschinenräumen. Währenddessen halten wir die Augen stets nach interessanten Dingen offen: Dies können sowohl Schriftstücke, Bilder oder Gegenstände sein, die uns wie Teile eines Puzzles schrittweise offenbaren, was sich hier zugetragen hat, oder aber Orte und spezielle Objekte, die – sobald unsere Charaktere sie einmal registriert haben – im späteren Verlauf neue Handlungsoption freischalten.

Gelegentlich stoßen wir auch auf gerahmte Bilder, die uns bei ihrer Betrachtung – den Totems aus Until Dawn nicht unähnlich – kurze Videosequenzen einer möglichen Zukunft zeigen. In den meisten Fällen sind diese allerdings derart verknappt und unleserlich, dass sie leider nur selten einen tatsächlichen Mehrwert bieten. Was durchaus schade ist: Denn in den seltenen Fällen, in denen die Mechanik greift, erleben wir ein wahres Glücksgefühl, wenn es uns dank eines solchen Hinweises gelingt, ein größeres Unheil wie den Tod einer Spielfigur durch die richtige Entscheidung abzuwenden.

Der Butterfly-Effekt und die Qual der Wahl!

Und da wären wir auch schon beim Kernthema von Man of Medan: Entscheidungen! Diese gilt es in regelmäßigen Abständen zu treffen: Zum Beispiel wenn wir im Rahmen eines Dialogs den Tonfall, das Thema oder eine Reaktion unserer Spielfigur festlegen. Dabei haben jedwede Entscheidungen nicht nur unmittelbare Konsequenzen für den weiteren Verlauf der Situation, sondern verändern darüber hinaus das ganze Gruppengefüge: So entwickeln unsere Protagonisten durch ihre Interaktionen neue Charaktereigenschaften, indem sie je nach Situation beispielsweise "mutig","leichtsinnig" oder "schüchtern" agieren. Zudem prägen unsere Handlungen die persönlichen Beziehungen unserer Protagonisten zu den übrigen Mitgliedern der Gruppe. All jene Veränderungen teilt uns das Spiel dann auch regelmäßig mit und lässt uns diese im Pausenmenü einsehen, ihre konkrete Bedeutung und was sich für uns als Spieler daraus ableiten lässt, bleibt dabei allerdings ziemlich offen – doof irgendwie!

Aber auch jenseits von zwischenmenschlichem Geplänkel müssen Entscheidungen her! Und dann auch mal pronto, wenn sich das Zeitfenster unerbittlich schließt und es für uns heißt: fliehen oder kämpfen, links oder rechts, verstecken oder weglaufen? Kombiniert werden solche meist adrenalingeladenen Entscheidungen gerne auch mit Quick-Time-Events, bei denen das Betätigen des richtigen Buttons im rechten Augenblick darüber entscheidet, ob uns der Hechtsprung über den klaffenden Abgrund, das rechtzeitige Verbarrikadieren der Tür oder das Ausweichen eines herannahenden Schlages gelingt – oder eben nicht.

Und da Entscheidungen sowie deren Konsequenzen das erklärte Herzstück von Man of Medan sind, fallen diese auch gnadenlos ins Gewicht. Entsprechend kann jeder unserer Protagonisten zu fast jedem Zeitpunkt des Spiels unwiederbringlich den Löffel abgeben, wozu bereits eine kleine unbedachte Entscheidung oder ein missglücktes Quick-Time-Event führen kann. Gerade das macht jedoch den Reiz dieses Spiels aus. Denn – egal was geschieht – die Geschichte entwickelt sich organisch weiter – selbst wenn am Ende niemand von unserer illustren Truppe mehr unter den Lebenden weilt.


The Dark Pictures: Man of Medan Spielszene


Nochmal spielen lohnt sich!

Entsprechend kann Man of Medan auch mit einem extrem hohen Wiederspielwert punkten, da sich das Spielerlebnis im zweiten, dritten und vierten Durchgang durchaus deutlich unterscheiden kann. Das ist allerdings auch nötig – schließlich ist Man of Medan ca. 4-6 Stunden Spielzeit recht kompakt.

Umso besser eignet es sich dadurch aber auch, um in einer einzigen intensiven Session durchgespielt zu werden, was – unserer Meinung nach – auch die beste Erfahrung darstellt. Hier bietet sich insbesondere der "Couch-Koop-Modus" mit der passenden Bezeichnung "Filmabend" an, über den wir das Horror-Adventure mit bis zu vier Freunden gemeinsam erleben können. Dafür wählt jeder Spieler anfangs einen oder mehrere Charaktere und erhält den Controller immer dann, sobald seine Figuren an der Reihe sind. Etwas intimer wird es beim Online-Koop-Modus, der uns das Spiel mit einer/m Freund/in in aufgeteilten Rollen teilweise parallel sowie mit alternativen Inhalten erleben lässt.

Fazit zu The Dark Pictures: Man of Medan

Man of Medan überzeugt mit einem grafisch opulenten und atmosphärisch dichten Horror-Abenteuer à la Until Dawn, bei dem der Spielverlauf ganz von unseren Entscheidungen abhängt. Das macht den 4 bis 6 stündigen Horrortrip nicht nur unheimlich spannend, sondern verleiht ihm auch einen immensen Wiederspielwert, weil schon kleine Unterschiede große Auswirkungen haben können. Den größten Spaß mit Man of Medan hatten wir mit dem Couch-Koop, der eine perfekte Alternative zu einem launigen Horrorfilmabend mit Freunden darstellt.

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