Kritik Monster Hunter World
In Monster Hunter: World werden wir zu Rohstoff-Sammlern | Screenshots: Monster Hunter: World/Capcom
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09. Apr 2018

Christopher Lymer

Games

Monster Hunter: World

Monster kloppen bis zum Aussterben

Auf zu unbekannten Ufern

Die Wissenschaft ist in Aufruhr: Die Drachenältesten verlassen die alte Welt. Den Grund dafür will die Forschungskommission, eine Vereinigung aus Gelehrten und Jägern, mit einer großangelegten Expedition herausfinden. Und obwohl sich hierfür eine überaus bunte Gemeinschaft aus Menschen, Elfen, Zwergen, Katzenartigen und Gnomen zusammenfindet, dürfen wir uns im Charakter-Editor lediglich einen menschlichen Helden basteln. Schade, aber sei’s drum!

Als Jäger der 5. Flotte brechen wir anschließend per Luftschiff in die neue Welt auf. Kurz vor unserer Ankunft jedoch wird der transatlantische Trip unsanft durch das buchstäbliche Auftauchen des Zorah Magdaros unterbrochen. Und so es dauert nicht lange, bis jener Drachenälteste, welcher in Größe, Statur und Beschaffenheit einem Feuerspeienden Vulkan gleicht, uns kurzerhand vom Himmel fegt. Gemeinsam mit unserem plappernden Side-Kick, der Wild-Expertin, legen wir eine spektakuläre Bruchlandung hin und schlagen uns fortan zu Fuß durch die Wildnis. Unser Ziel: Astera, der neu errichtete Stützpunkt der Forschungskommission.

Ein Hub für alle Fälle

Im Laufe unserer Reise wird sich das aus schwebenden Schiffen zusammengezimmerte Dörfchen Astera immer wieder als zentrale Anlaufstelle erweisen. Nicht nur finden dort die Briefings unserer Story-Missionen statt, auch warten hier zahlreiche NPCs darauf, uns mit neuen Neben-Aufgaben, Gegenständen oder Buffs zu versorgen.

Da wäre zum Beispiel der grimmige Koch, der uns stärkende Mahlzeiten zubereitet, sobald wir ihm die nötigen Zutaten besorgen, oder der Chefökologe, der sein Wissen über die hiesige Flora und Fauna in Form von Kodex-Einträgen mit uns teilt, wenn wir die entsprechenden Proben an ihn herantragen. Viele nützliche Gegenstände gibt es hingegen beim ansässigen Händler, dessen Angebot mit unserem Spielfortschritt wächst. Wer in dieser exemplarischen Aufzählung natürlich keinesfalls fehlen darf, ist der gute Meisterschmied. Schließlich erhalten wir bei ihm allerlei mächtige Ausrüstung wie Panzerungen und Waffen, vorausgesetzt wir bringen ihm die erforderlichen Materialien.

Aufmerksame Leser dürften bereits jetzt eine ungefähre Ahnung haben, worum es sich alles in Monster Hunter: World dreht – Rohstoffe! Und wo bekommen wir diese wohl her? Wir sammeln sie, indem wir unzählige Pflanzen und Pilze pflücken, Insekten und Fische fangen sowie begehrte Monsterfelle, -häute, -schuppen, -zähne und -klauen aus ihren Besitzern prügeln.

Monster Hunter: World – schöne neue Welt

Und dafür begeben wir uns in die fünf riesigen, optisch beeindruckenden Jagdgebiete, die der neue Kontinent für uns bereithält. Während wir im Startgebiet durch urwaldartiges Dickicht schlüpfen, an Lianen über gigantisches Wurzelwerk schwingen, moosbewachsene Höhlen durchqueren oder durch die seichten Gewässer üppiger Lagunen patschen, erwarten uns in der Wildturm-Ödnis staubige Canyons mit hohen Felsplateaus und schlammigen Wasserläufen. Ebenso fremdartig wie imposant ist hingegen das Korallenhochland, dessen fluoreszierende Landschaft einer Tiefsee-Region gleicht. Gigantische Korallen-Strukturen ragen hier felsartig in die Höhe, während sich am Boden bläulich schimmernde Pflanzen mit hypnotischer Eleganz im Wind wiegen.

Das wahre Highlight dieser Szenerien sind aber nicht die wunderschönen Panoramen, sondern die komplexen Ökosysteme, die wir hautnah und lebendig erleben können. Schließlich bietet jede Region eine überwältigende Fülle an einheimischen Pflanzen, Insekten, Reptilien, Vögeln sowie Herden- und Raubtieren, welche ihrem eigenen Tag-Nacht-Rhythmus folgen. Selbiges gilt natürlich auch für die Vielzahl gefährlicher Monster, denen unser Augenmerk als Jäger vornehmlich gilt.

Waidmanns Heil: Dem Jagdfieber erlegen

Monster zu jagen, ist unser Job! Deshalb werden wir auch im Rahmen der Hauptstory laufend darauf angesetzt, bestimmte Spezies zu erlegen. Sei es, um die Errichtung eines Vorpostens abzusichern oder eine Art näher kennenzulernen. Aber auch abseits der Hauptmissionen werden wir mit Aufträgen überschüttet, die uns ausgewählte Monster entweder erjagen oder fangen lassen. Das Gelingen eines Auftrages ist dabei immer an Bedingungen geknüpft, die in den meisten Fällen ein bestimmtes Zeitlimit und eine maximale Anzahl an Fehlschlägen bzw. Toden voraussetzen.

Haben wir einen Job angenommen, reisen wir in die entsprechende Heimatregion des Monsters. Dies können wir mit bis zu drei weiteren Mitspielern oder komplett alleine tun. Entscheiden wir uns für letzteres, bekommen wir unseren Palico, einen treuen, katzenartigen Begleiter als Unterstützung an die Seite gestellt.

Im Jagdgebiet angekommen, heißt es dann Fährtenlesen: Schließlich präsentiert sich unsere Beute nicht auf dem Silbertablett, sondern will aufgespürt werden. Hier kommen sogenannte Spürkäfer zum Einsatz, welche uns als leuchtender Schwarm den Weg weisen und auf Monsterspuren aufmerksam machen. Haben wir genügend Hinweise gesammelt, steht die gesuchte Bestie bald schon vor uns und einem wilden Gefecht nichts mehr im Weg.

Dann kommt Monster Hunter: Worlds Kampfsystem zum Einsatz, das sich zuweilen dank der Wahl zwischen leichten und schweren Angriffen, den Block- und Ausweichmanövern sowie der sich bei jeder Aktion leerenden Ausdaueranzeige wie ein entfernter Verwandter von Dark Souls anfühlt.



Erlegen, plündern, craften – und von vorn!

Doch ein Angriff soll gut geplant sein! Anders als in anderen Rollenspielen wird die Stärke unseres Charakters nämlich nicht durch Level-Aufstieg und steigende Charakterwerte bestimmt, sondern durch die Qualität seines Equipments.

Das heißt zum einen, dass unser Rucksack stets mit nützlichen Tränken, Giften, und Fallen bestückt sein sollte – allesamt Hilfsmittel, die wir aus gesammelten Kräutern, Pilzen und Insekten selbst herstellen können; zum anderen gilt es, sich vor jeder Mission für eine von insgesamt vierzehn unterschiedlichen Waffenklassen zu entscheiden.

Egal ob Großschwert, Dolch-Duo, Bogen oder Morph-Axt – jede Waffe verfügt über eigene Vor- und Nachteile, mächtige Kombos, Elementarschaden und Spezialfähigkeiten sowie spezielle Stärken und Schwächen gegen bestimmte Monster-Typen. Die Wahl der Waffe sollte also nicht nur von persönlichen Vorlieben abhängen, sondern auf unsere Beute abgestimmt sein. Welche Waffenart und welcher Elementar-Typ sich für die möglichst effektive Bekämpfung eines Monsters eignen, verrät unser Jäger-Kodex, der sich bei jeder Begegnung mit einem Monster mit Forschungsdaten füllt.

Genauso wie unsere Waffe zu den Schwachstellen unserer Beute passen muss, sollte auch unsere Rüstung auf die Schadensarten und die natürliche Umgebung des jeweiligen Monsters abgestimmt sein. So empfiehlt es sich beispielsweise, eine Rüstung mit hoher Feuerresistenz anzulegen, sobald wir gegen eine flammenspeiende Riesenechse ins Feld ziehen. Ebenso sind wir gut beraten eine Rüstung zu tragen, die den bewegungshemmenden Wasserwiderstand ignoriert, wenn wir auf ein Ungeheuer Jagd machen, dass sich vornehmlich im kühlen Nass aufhält.

All das und viel mehr lässt sich beim Meisterschmied in Astera in Auftrag geben. Ohne Murren hämmert dieser uns die gewünschten Rüstungssets zusammen, verstärkt einzelne Teile und lässt uns unsere geliebten Waffen in einem ausufernden Upgrade-Baum mit allerlei Schadensverstärkern und Elementareffekten verbessern – immer vorausgesetzt, wir haben das nötige Material!

Fazit zu Monster Hunter: World

Die Kernmechanik von Monster Hunter: World lässt sich ohne Umschweife offenlegen: Wir jagen Monster, um ihnen seltene Materialien abzugewinnen, mit denen wir effektivere Ausrüstung herstellen können, um noch stärkere Monster zu jagen, die noch seltenere Materialien fallen lassen und so weiter und so fort. Hört sich öde an, ist aber nicht! Monster Hunter: World weckt den Sammlertrieb und besticht durch wunderschöne Kulissen und toll designte Kreaturen.

Wer mit Grind-Mechaniken jedoch kategorisch nichts anfangen kann oder auf ein story-getriebenes Spielerlebnis aus ist, sollte definitiv woanders auf die Jagd gehen.


UNICUM Gaming-Tipp

Monster Hunter World PS4Monster Hunter: World

Capcom

Erhältlich für: PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows

Ab 12 Jahren

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