No Man's Sky Text
Erfüllt die Weltraum-Simulation No Man's Sky die Erwartungen der Fans? | Screenshot: © Hello Games
Autorenbild

05. Sep 2016

Christopher Lymer

Games

No Man’s Sky

Im Weltraum hört dich niemand gähnen

Auftakt mit Bruchlandung

Giftgrün spannt sich ein wolkenbehangener Himmel über mir auf, während saurer Regen auf eine karge Landschaft niederprasselt. Nur ein paar knorrige, kürbisartige Gewächse zeugen von Leben auf diesem unwirtlichen Planeten, auf dem ich – gemessen an dem qualmenden Schiffswrack sowie den ringsum verstreuten Trümmern – kürzlich eine Bruchlandung hingelegt habe. Mein erstes Ziel ist also klar: Den Schrotthaufen wieder auf Vordermann bringen und diesen gottverdammten Höllenplaneten verlassen, der bei Start des Spiels zufällig generiert und mir zugelost wurde. Ein Intro oder eine einleitende Narration gibt es nicht – lediglich die mysteriöse Nachricht einer Entität namens Atlas, die mich auffordert, ihr ins Zentrum der Galaxie zu folgen.

Minecraft in Space

Nachdem ich die Systeme des Wracks sowie die meiner Ausrüstung gecheckt habe, begebe ich mich schnurstracks auf Erkundungstour. Gewappnet mit meinem Bergbaulaser halte ich vorerst nach Eisen Ausschau. Das benötige ich nämlich, um anhand eines Bauplans das ein oder andere Ersatzteil zu basteln. Aber auch Kohlenstoff und Zink stehen hoch im Kurs – schließlich will mein Laser regelmäßig aufgeladen werden, ebenso wie das Schild meines Raumanzugs, dessen Energieanzeige aufgrund des Säureregens zu meinem Bedauern kontinuierlich schrumpft. Ein paar Minuten fleißigen Abbauens und Craftens später habe ich die meisten Systeme wieder fit und begebe mich auf die Suche nach den etwas exotischeren Ressourcen Thamium-9 und Plutonium, welche ich als Kraftstoff für die Schiffsantriebe benötige.

Hier erweist sich der Umgebungsscanner als besonders hilfreich, da er mir per Knopfdruck seltene Elemente sowie Points-of-Interests in unmittelbarer Nähe anzeigt. Folglich dauert es nicht allzu lange, bis ich meine Abbau-Checkliste abhaken kann und abreisebereit im Cockpit sitze: Ich schalte die Schubdüsen an, hebe mit zischenden Triebwerken ab, richte den Schiffsschnabel gen Himmel und zünde den Impulsantrieb, der mich nahtlos von der Planetenoberfläche durch die Atmosphäre in den leeren Raum des hiesigen Sonnensystems befördert. Und mit Bewältigung dieser ersten Herausforderung habe ich mir bereits die Kernmechanik des Spiels zu Eigen gemacht.

No Mans Sky Screenshot

In den Fußstapfen von Darwin und Columbus

Was das Ziel in No Man’s Sky ist? Kurz gesagt: Das Zentrum der Galaxis erreichen, klar. Die Frage lässt sich aber vielleicht noch besser mit einer allbekannten Binsenweisheit beantworten: Der Weg selbst – genauer gesagt: das Entdecken, das Erforschen, das Erleben der einzigartigen Schöpfungen, welche die Wegpunkte dieser interstellaren Reise markieren. Schließlich bin ich es, der hier – nach klassischer "Star Trek"-Manier – in die Tiefen des Weltraums vorstößt, um Orte zu ergründen, an denen kein Mensch zuvor gewesen ist.

Dafür gibt mir No Man’s Sky attraktive Pionierwerkzeuge an die Hand, mit denen ich nicht nur jedes neu entdeckte Sternensystem und jeden Planeten, sondern auch sämtliche Ausprägungen der indigenen Fauna und Flora dokumentieren und sogar etikettieren kann. Mit dem Bioscanner im Anschlag wird somit jeder Landgang zu einer spannenden Expedition, an deren Ende ein prall gefüllter Kodex von einzigartigen Spezies steht. Als Belohnung wandern für jeden Eintrag Units auf mein Konto, welche ich an Handelsstationen nach Belieben ausgeben darf. Ein zusätzlicher  Anreiz ist, dass jedes von mir registrierte Objekt ab sofort als fester Bestandteil in der persistenten Galaxis besteht. Sollte sich also ein anderer Spieler einmal in ein von mir kartographiertes System verirren, – was bei insgesamt rund 18 Milliarden Planeten zwar eher selten vorkommen dürfte – wird er beispielsweise auf ein kleines, vielbeiniges Kriechtier treffen, dessen Gattung ich liebevoll "Schwibbelus Schwabbelus" getauft habe – unbezahlbar!

Grenzenlose Freiheit vs. stark begrenztes Gameplay

Viel wichtiger für ein erfolgreiches Vorankommen ist allerdings das Sammeln neuer Baupläne und Technologien, die ich für die immer herausfordernde Reise zum Kern der Galaxie benötige. Und hier offenbart sich der äußerst fragile Flaschenhals des Weltraumabenteuers. Letztere bekomme ich nämlich hauptsächlich durch das Aufsuchen von speziellen Points-of-Interests, die auf jedem Planeten verteilt sind. Dies sind z. B. Außenposten, Fabriken, Signalbaken oder Handelsstationen, die nicht selten von Aliens besetzt sind. Allein dieser Aspekt nimmt mir die wohlige Illusion, wirklich der Erste zu sein, der seinen Fuß auf einen Planeten setzt. Noch viel störender ist allerdings, dass bei all der Vielfalt, welche die zufällig generierten Planeten hinsichtlich ihrer Beschaffenheit bieten, die zuvor genannten Punkte kaum Abwechslung bieten. Hier stellt sich bereits nach zwei abgegrasten Planeten Langeweile ein und das Gefühl, alles gesehen zu haben.

Auch die gelegentlich eingestreuten Interaktionsmöglichkeiten, die mir No Man’s Sky über textbasierte Dialoge oder Beschreibungen bietet, sind immer nach demselben Muster gestrickt und offenbaren allzu schnell ihre inhaltliche Bedeutungslosigkeit.



Fazit zu No Man's Sky

Keine Frage: Dem Indie-Entwickler Hello Games gebührt immenser Respekt dafür, die tollkühne Vision einer virtuellen und persistenten Galaxis tatsächlich umgesetzt zu haben. Und es ist durchaus reizvoll in die Weiten dieses fremden Universums vorzustoßen und all seine exotischen Planeten, Lebewesen und Pflanzen zu bestaunen. Als Spiel allerdings, das motivieren, herausfordern und fesseln will, geht ihm leider allzu schnell die Puste aus. Vielleicht wird Hello Games hier ja in Zukunft nachbessern. In seiner aktuellen Form ist No Man’s Sky aber nur ein netter Indie-Titel, der definitiv eine Chance verdient, hohen Erwartungen jedoch nicht entsprechen kann.


No Mans Sky PackshotUNICUM Gaming-Tipp

No Man´s Sky

Hello Games, Sony Interactive Entertainment

Erhältlich für Playstation 4, PC

Ab 6 Jahren

Online bestellen (Amazon): No Man´s Sky

Mehr Infos unter www.no-mans-sky.com

 

Artikel-Bewertung:

3.08 von 5 Sternen bei 230 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: