Resident Evil 2 Remake Agenten
Mit Claire oder Leon kämpfst du dich durch die Zombie-Welt von Resident Evil 2. | Foto: Capcom
Autor

05. Feb 2019

Christopher Lymer

Games

Resident Evil 2 (Remake)

Gelungene Reanimation eines Horror-Klassikers

Mehr als nur ein HD-Remake

Über zwanzig Jahre sind vergangen, seit Resident Evil 2 das Licht der Welt erblickte. Damals noch exklusiv auf der PlayStation 1 schlüpften zahlreiche Horror-Fans wahlweise in die Rolle von Claire Redfield oder Leon S. Kennedy, um den Überlebenskampf gegen die blutrünstigen Zombies von Raccoon City aufzunehmen. Das Remake dürfen Resident Evil Freunde auf der PS4, der Xbox One und dem PC genießen. Die Plattform spielt also bei Resident Evil 2 keine Rolle mehr. Und obwohl der konzeptionelle Kern auch im Jahr 2019 derselbe sein mag, so lässt sich dessen Gewand kaum wiedererkennen.

Aus dem pixeligen Gruselabenteuer, welches alteingesessenen Zockern noch mit isometrischer Spieler-Perspektive, festen Kamerawinkeln und zahlreichen Türanimationen im Gedächtnis sein dürfte, ist mit dem Resident Evil 2 Remake ein modernes Third-Person-Horror-Spiel geworden, in dem wir gewappnet mit modernen Shooter-Mechaniken vollkommen frei und ohne Lade-Animationen unsere Umgebung erkunden dürfen. Auch sind seit 1998 ein paar Tausend Polygone hinzugekommen, denen gemeinsam mit hochauflösenden Texturen sowie dynamischen Partikel- und Beleuchtungseffekten eine durchaus zeitgemäße und beeindruckende Inszenierung klassischen Zombiehorrors gelingt.

Ergänzt wird die Rundumerneuerung durch eine Vielzahl überarbeiteter oder komplett neu eingeführter Cutscenes, Schauplätze und Story-Stränge, die selbst für Kenner des Originals ein frisches Spielerlebnis versprechen, aber auch an den zuweilen etwas trashigen Charakteren und Dialogen festhalten.

Zwei Helden, vier Varianten

Bevor es aber richtig losgeht, wählen wir auch 2019 erst einmal unseren Protagonisten: Dies ist entweder der angehende Cop Leon, der eigentlich nur seine neue Stelle beim R.P.D. antreten will, oder die junge Claire, welche sich auf der Suche nach ihrem verschollenen Bruder (und Protagonisten des ersten Teils) Chris begibt.

Wie wir uns auch entscheiden: In beiden Fällen stolpern wir unverhofft in ein von Chaos gezeichnetes Raccoon City, dessen Einwohner sich in Folge eines Ausbruchs des G-Virus in kannibalische Untote verwandelt haben. Einen (vorerst) sicheren Unterschlupf finden wir nur in der verbarrikadierten Polizeistation des R.P.D., von wo wir den Geheimnissen rund um die Zombie-Seuche auf den Grund gehen.

Und obwohl das Resident Evil 2 Remake durch die anfängliche Wahl des Spieler-Charakters je eine spezifische Story-Kampagne in Aussicht stellt, bekommen wir es tatsächlich eher mit zwei Perspektiven auf dieselbe Geschichte zu tun. Entsprechend unterscheiden sich die beiden ca. 10-stündigen Kampagnen hauptsächlich in einzelnen Story-Passagen, Begegnungen mit Nichtspielercharakteren sowie ausgewählten Waffen und Items.

Für zusätzliche Spielzeit sorgen dann noch die sogenannten "2. Durchgang"-Kampagnen, die wir durch das Abschließen der Story für beide Charaktere freischalten. Auch hier wird nochmal an einigen Stellschrauben sowie narrativen Elementen gedreht, eine komplett neue Spielerfahrung sollte allerdings nicht erwartet werden. So bleibt der größte Impact also dem allerersten Durchlauf vorbehalten – dafür hat dieser es aber auch in sich!



Labyrinth des Grauens

Eine der ersten und gleichzeitig atmosphärischsten Kulissen, mit denen Resident Evil 2 aufwartet, ist das Reviergebäude des R.P.D. Von der imposanten Eingangshalle des ehemaligen Kunstmuseums aus erkunden wir allmählich den riesigen, verschachtelten Komplex und durchqueren dabei finstere Korridore, verlassene Büros sowie düstere Mannschafts- und Lagerräume.

Für anhaltende Spannung sorgen dabei nicht nur die gruselige Atmosphäre, die durch schummerige oder gar fehlende Beleuchtung und ein nervenaufreibendes Sounddesign evoziert wird, sondern auch die verwesenden Zombies, die hier mal regungslos an der Wand lehnen, dort stöhnend über den Flur torkeln oder mit wildem Gebrüll unverhofft durchs Fensterglas brechen, um unseren Adrenalinpegel schlagartig in die Höhe schnellen zu lassen.

Mit der Taschenlampe im Anschlag wagen wir uns also nur behutsam vor, während wir unablässig die Augen offenhalten – und zwar nicht bloß nach modernden Hirnfressern, sondern auch nach allerlei nützlichen Gegenständen. Schließlich treffen wir beim Erkunden der großen, zusammenhängenden Gebiete regelmäßig auf Hindernisse wie verschlossene Türen, verriegelte Behälter, unvollständige Apparaturen oder verborgene Geheimgänge, die uns nach bester Metroidvania-Manier neue Bereiche sowie Abkürzungen erst dann erschließen lassen, wenn wir den passenden Schlüssel oder das erforderliche Objekt in unserem Inventar führen.

Kämpfen, rennen, überleben!

Letzteres ist nun deutlich aufgeräumter und ermöglicht uns weiterhin, erhaltene Gegenstände näher zu untersuchen oder miteinander zu kombinieren. Auf diese Weise kommen wir nicht nur manchem Rätsel einen Schritt näher, sondern können auch Heilgegenstände oder Munition herstellen.

Und diese haben wir die meiste Zeit bitter nötig: Denn nicht nur geht gerne mal der ein oder andere Schuss daneben, wenn wir von Panik ergriffen versuchen, einem anstürmenden Untoten ein Loch in den weichen Schädel zu pusten; auch sind die wandelnden Leichen wahre Bullet-Sponges. Hinzu kommt, dass wir gut beraten sind, eine gewisse Munitionsreserve einzuplanen, um in den regelmäßigen Boss-Begegnungen nicht mit komplett leeren Händen dazustehen. Zwar gestaltet sich der Feindkontakt im späteren Spielverlauf durch ein allmählich wachsendes Arsenal sowie einer Handvoll Waffenupgrades zwar etwas einfacher, nicht selten bleibt es dennoch bis zuletzt die klügere Entscheidung, einfach mal die Beine in die Hand zu nehmen.

Jenes stetige Abwägen in Gefahrensituationen gepaart mit einer ständig drohenden Ressourcenknappheit, den stark begrenzten wenn auch erweiterbaren Inventarplätzen sowie dem Verzicht auf einen automatischen Heilungsprozess machen aus Resident Evil 2 ein ebenso spannendes wie ausgewogenes Survival-Erlebnis, welches uns mehr fordern als bestrafen will.

Fazit zum Resident Evil 2 Remake

Was das strapazierte Genre der Remakes angeht, setzt Capcom mit Resident Evil 2 neue Maßstäbe: Der Entwickler aus Japan unterzieht seinen Horror-Klassiker nicht bloß einer deutlichen Verjüngungskur, sondern erfindet das Spiel zu weiten Teilen komplett neu, ohne dabei dessen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Mit moderner 3D-Grafik, Third-Person-Shooter-Mechanik, kinoreif inszenierten Zwischensequenzen und komplett neuen sowie überarbeiteten Story-Elementen wirkt das Resident Evil 2 Remake fast wie ein Original aus dem Jahr 2019, das wir für Resi-Veteranen ebenso empfehlen können wie für Neulinge, die den Einstieg in die Resident-Evil-Spiele wagen möchten. 


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