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16. Aug 2016

Games

Role Play Convention 2011

-ARCHIV-

Jan und Anke habe ich im Chat kennengelernt. Zwei bekennende Rollenspieler aus Bielefeld. Wir sind auf dem Weg nach Köln zur Role Play Convention, die 2011 ihr fünfjähriges Jubiläum feiert. Für Anke ist es die 4. RPC, wie die Messe platzsparend abgekürzt wird. „Ich bin da ein alter Hase“, flüstert sie mir zu. „Für mich ist es die erste“, antworte ich. Dieser Umstand macht mich fast ein wenig nervös.

„Wie, du kennst nicht Elder Scrolls?“

Um Zeit totzuschlagen, blättere ich im Programmheft. Nette Infos für die Zugfahrt: „Auf der Messe für Rollenspiele“, heißt es da „gibt es wieder viel zu erleben: die Neuheiten verschiedener Spieleverlage, die ihr auf großzügigen Spielflächen oft gleich ausprobieren könnt, Lesungen bekannter Fantasy-Autoren und aufwendige Präsentationen von Fantasy-Computerspielen.“ Dann folgt ein kleiner Zusatz: „Auch ein umfangreiches Workshop-Programm mit vielfältigen Themen findet sich in den Messehallen. Auf dem Außengelände wartet darüber hinaus ein fantastischer Markt mit Ständen, Bühnenprogramm und vielen Darstellern auf euch.“ Gut zu wissen.Jan und Anke machen derweil Nägel mit Köpfen. Auf Zetteln wird notiert, welche Halle/welcher Stand zu welcher Uhrzeit angepeilt werden müsse. Was man auf keinen Fall verpassen wolle, ist der Workshop „Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten im Gamedesign“. Ein Traumjob nicht nur für Jan und Anke, wie mir später beim Betreten des Workshops bewusst wird. Alle Plätze sind belegt. Vor der Tür warten zwanzig weitere Interessierte. Händereibend geraten die beiden in eine Diskussion über die PC-Rollenspielreihe The Elder Scrolls. Deren Entwickler seien heute auch vor Ort. „Da müssen wir unbedingt hin.“ Ich schalte mich ein, weil ich von diesem Spiel noch nie etwas gehört habe „Elder was? Muss man das kennen?“ Jan ist entrüstet: „Wie, du kennst nicht Elder Scrolls? Was tust du eigentlich hier?“ Er sieht erzürnt aus. Dann lacht er mich aus. Die Welt der Rollenspieler ist also doch keine abgeschottete. Sie ist offen für Ironie.

Echte und falsche Zombies

Kaum auf dem Messegelände angekommen, trennen wir uns. Meine Gefährten wollen ihre Entwickler anhimmeln, ich interessiere mich für die Workshops in Halle 2.2. Auf dem Weg dorthin kommt mir ein Stormtrooper entgegen. Sein Laser Blaster fehlt. An dessen Stelle hält er die Hand einer Frau. Das machen Stormtrooper also in ihrer Freizeit!Wenig später verrät mir Frank Hartmann, seines Zeichens Zombie-Jäger bei Post-Mortale Lebensformen, einige Survival-Tricks im Kampf gegen Untote. Richtig gehört: Untote. Zombieangriffe, so glaubt die Horror-Entertainment-Truppe aus Köln, gehören längst zum Alltag. Die Regierung versuche diese als „Waldbrände oder Chemieunfälle mit Todesfolge“ unter den Tisch zu kehren. Frank Hartmann (eigentlich Ully Fleischer) lässt sich nicht so einfach hinters Licht führen. In seinem Workshop „Der Zombie & Du: Ein Crashkurs zur Steigerung der Überlebenschance“ verrät er Tipps und Tricks, wie man sich gegen Untote zur Wehr setzen kann. „Eine gelungene Veranstaltung“, wie viele Seminaristen befinden. Frank Hartmann und sein Team kann man buchen, für Ihr persönliches Firmenevent. Draußen vor den Messehallen in Köln-Deutz sind in der Zwischenzeit Mannschaftswagen vorgefahren. Die Polizisten allerdings kommen unverkleidet in Arbeitsmontur: Schild, Panzer, Helm. Der Anlass dazu ist eine Pro-NRW-Demo. Womöglich eine Schutzmaßnahme vor den eigentlichen Zombies?

Am Geldautomaten sind alle gleich

Derweil suchen wir in Halle 2.2. Schutz und geben uns ganz dem Konsum hin. Der Rollenspiel/Gaming-Kosmos hat eine eigene Konsumindustrie hervorgebracht. Brettspiele, Tabletops, Sourcebooks für Rollenspiele, Trading Cards, Figuren bekannter Helden zum Sammeln, Kostüme, Elbenohren, Vampirzähne. Wir verlassen den Spielebasar und gehen in die nächste Halle, oh Pardon, gehen zurück ins Mittelalter, muss es heißen. An den selbst gezimmerten Ständen werden Äxte, Schwerter, Rüstungen und Met feilgeboten. Die Waffen seien allesamt gepolstert, sagt man mir, Sicherheit geht vor.Für das nächste LARP suche ich noch einen Verschlag zum Campieren. Ein Kaufmann zeigt mir seine Zeltauswahl. Modell „Artus“ fällt mir besonders ins Auge. Blauer Stoff mit Königsemblem. „Dafür musst du schon ein paar Taler hinlegen“, entgegnet er mir. Doch mein Portemonnaie ist leer. Am Ausgang sehe ich eine Schlange von Elben, Zwergen und Wikingern. Sie gruppieren sich um einen Geldautomaten. Hier sind dann alle wieder gleich.Anke und Jan haben sich die Füße platt gelaufen. Wir beschließen die nächste Postkutsche nach Bochum zu nehmen. Der Tag endet mit einem Völlegefühl an Impressionen und das im positiven Sinne. Ich weiß jetzt endlich, was Stormtrooper in ihrer Freizeit tun. Bin mir sicher, dass ich die Zombieapokalypse ohne Bisswunden überlebe und verneige mich vor all den liebevoll gefertigten Kostümen.

Für alle Interessierten: Die nächste RPC findet am 14. Und 15. April 2012 statt.Mehr Infos unter:www.rpc-germany.dewww.postmortalelebensformen.de

Bilder von der RPC 2011 in Köln

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