Shadow of the Tomb Raider
"Shadow of the Tomb Raider" kommt im September - wir haben schon mal angespielt! | Foto: Square Enix
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07. Mai 2018

Christopher Lymer

Games

Shadow of the Tomb Raider

Preview zum großen Finale der Origin-Trilogie

Das Ende vom Anfang beginnt mit dem Anfang vom Ende

Vorsichtig schiebt sich Lara über den belebten Dorfplatz durch das Dunkel der Nacht – vorbei an bunten Ballons, glühenden Lichterketten, flackernden Kerzen und unheilvoll grinsenden Totenkopfmasken.

Was sich anhört wie die bizarre Aftershow-Party einer schwarzen Messe, beschreibt in Wirklichkeit nur die fröhliche Zusammenkunft einer mexikanischen Dorfgemeinschaft, welche den "Dia de Muertos", den Tag der Toten, zelebriert. Obwohl inmitten des bunten Treibens ist Lara jedoch nicht nach Feiern zumute: Schließlich ist sie einem hohen Tier von Trinity auf den Fersen, jener skrupellosen Organisation, die unter anderem für den Tod von Papa Croft verantwortlich ist und – wie wir nun erfahren – kurz davor steht, ein mächtiges Artefakt in den umliegenden Ruinen zu bergen.

Fest entschlossen Trinity zuvorzukommen, verlassen wir den Dorfplatz und beginnen einen action-geladenen Wettlauf, der uns von den Tiefen eines gigantischen mit Fallen gespickten Höhlensystems bis auf die Spitze einer unterirdischen Maya-Pyramide führt. Und genau hier finden wir das besagte Relikt – einen reich verzierten Dolch mit Edelsteinen besetzt und aus purem Gold gefertigt.

Was Lara nicht weiß: Das schmucke Kleinod ist der Schlüssel einer endzeitlichen Maya-Prophezeiung. Und die wird just in Gang gesetzt, als unsere Heldin den Dolch aus seiner Wiege nimmt. Entsprechend muss sich Lara in ihrem finalen Abenteuer nicht nur dem alles entscheidenden Kampf gegen Trinity stellen, sondern auch der Verantwortung, die gesamte Welt vor dem buchstäblichen Untergang zu bewahren … nur keinen Druck!

Was erwartet uns?

Doch wie genau spielt sich das neue Tomb Raider?

Die Antwort ist simpel: Kaum anders als seine Vorgänger! Wie gewohnt springen wir mit Lara über gähnende Abgründe, hangeln und klettern in schwindelerregenden Höhen an Felswänden entlang und greifen dabei auf die bewährten Spitzhacken zurück, sobald es die poröse Oberfläche der zu bezwingenden Mauer verlangt! Gänzlich neu ist hingegen, dass wir uns nun auch jederzeit per Knopfdruck abseilen können, um schwingenderweise tiefe Schluchten zu überwinden oder an Steilwänden entlang zu rennen.

In den serientypischen Gräbern und Gewölben erwarten uns erneut knifflige Umgebungsrätsel kombiniert mit abwechslungsreichen Platforming-Einlagen. Hierbei kommt auch Laras Bogen wieder zum Einsatz, mit dem wir per Seilschuss Hindernisse niederreißen, Gegenstände an uns heranziehen oder Seilwinden mit Objekten verbinden können.

Von der Gejagten zur Jägerin

Aber auch wenn es darum geht, eine Überzahl an Gegnern nach und nach lautlos auszuschalten, ist Laras Bogen weiterhin eine gute Wahl – womit wir auch beim Stealth-Aspekt von Shadow of the Tomb Raider wären: Dieser soll laut Entwickler Eidos Montréal einen zentralen Teil der Spielerfahrung von Shadow of the Tomb Raider ausmachen und deutlich zeigen, dass Lara nicht länger die Rolle der Gejagten, sondern die der Jägerin einnimmt. Dafür soll insbesondere der südamerikanische Dschungel als vollständig interaktive Kulisse dienen, in der Lara die tödlichen Gefahren und Kreaturen der Umgebung zu ihrem Vorteil einsetzen sowie Dickicht, Schlamm und Unterholz nutzen kann, um aus dem Verborgenen zuzuschlagen. Gesehen haben wir hiervon allerdings noch nichts, da die ca. einstündige Demo lediglich Schleichpassagen präsentierte, die den eher konventionellen Mustern der Vorgänger folgten.

Selbstverständlich lässt sich aber auch in Shadow of the Tomb Raider nicht alles klammheimlich regeln: Wie zu erwarten geraten wir zuweilen auch in actiongeladene Feuergefechte, die sich dank solider Deckungs-Shooter-Mechanik zwar flüssig spielen, allerdings weiterhin nicht zu den größten Stärken der Reihe zählen.

Schön (und) düster!

Shadow of the Tomb Raider ist eine wahre Augenweide! Angefangen bei den Charaktermodellen, die in Gestik und Mimik durchweg lebendig und beseelt wirken, bis hin zu den atmosphärischen Kulissen uralter Gewölbe und Grabkammern, die dank Detailverliebtheit und dramatischer Lichtregie wundervolle Panoramen zeichnen, bleibt kaum etwas zu wünschen übrig. Regelmäßig eingestreute Cutscenes sowie Skript-Events machen unsere Erkundungstouren zu einem cineastischen Erlebnis erster Güte.

Dabei fällt auf, wie sehr Shadow of Tomb Raider im Vergleich zu den Vorgängern bemüht ist, einen deutlich düsteren und auch brutaleren Grundton anzuschlagen. So versprüht das Grab, welches wir während der Demo betreten, mit seinen finsteren Untiefen, den martialischen Fallen sowie den Bergen verrottender Leichen geradezu eine Horrorfilm-Atmosphäre.



Der Tod ist ständiger Begleiter

Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass uns Mühsal, Schmerz und Not unserer Protagonistin permanent und lautstark vor Augen geführt wird: Nicht nur ächzt und stöhnt Lara unter jeder ihrer Anstrengungen (was selbst der Untertitel konsequent mit einem [effort grunt] quittiert), auch wird uns mit dramaturgischer Finesse regelmäßig aufgezeigt, dass der Sensenmann stets nur eine Armlänge entfernt ist; zum Beispiel dann, wenn wir Lara in pechschwarze Gewässer hinabtauchen lassen, um am Ende eines immer enger werdenden Korridors die rettende Luftblase nur unter panischem Glucksen zu erreichen.

Aber auch Lara selbst ist härter geworden. Als Hardcore-Dschungel-Assassinin räumt sie ihre Feinde nun scheinbar ohne Wimpernzucken aus dem Weg: Während es früher genügte, einen Gegner unter Kraftanstrengung mit dem Bogen zu erdrosseln, rammt sie ihm heute die eiserne Spitzhacke von hinten tief ins Schlüsselbein, um die zappelnde Beute mit einem Ruck einzuholen und mit einem wuchtigen Messerstoß in die Brust zu erlegen.

Das Dilemma, dass die Identifikationsfigur einer fesselnden Abenteuergeschichte zwangsläufig zum Massenmörder gemacht wird, um dem Publikumswunsch nach Action Tribut zu zollen, ist nicht neu: auch die Kollegen Indiana Jones und Nathan Drake können ein Lied davon singen. Allerdings macht es einen Unterschied, ob hierbei der in Unterhaltungsmedien mittlerweile alltägliche Pistolenschuss oder Genickbruch zum Einsatz kommt, oder einem das Gefühl beschleicht, der Protagonist empfindet eine seltsame Befriedigung in der möglichst blutrünstigen und brutalen Ausübung des notwendigen Bluthandwerks. Vielleicht sind die Gamedesigner von Eidos Montréal mit ihrer "fertigen" Lara Croft hier ein wenig zu weit gegangen – sympathischer macht es sie jedenfalls nicht.

Fazit zu "Shadow of the Tomb Raider"

In Shadow of the Tomb Raider begleiten wir Lara Croft auf ihrem letzten Weg, endlich die sagenumwobene Grabräuberin zu werden, die alle Welt kennt und liebt. Dabei schlägt das Finale der Origin-Trilogie deutlich düstere Töne als seine Vorgänger an und überzeugt mit grafischer Opulenz und kinoreifer Inszenierung. Bahnbrechende Neuerungen – wie die angekündigten Dschungel-Stealth-Mechaniken – konnten wir bisher noch nicht in Augenschein nehmen.

Wer Shadow of the Tomb Raider also nur eine Chance geben will, wenn es echte Innovationen birgt, muss sich bei der Entscheidungsfindung wohl noch etwas gedulden. Freunde guter Action-Adventures und Fans der Vorgänger dürfen hingegen schon jetzt ohne Bedenken vorbestellen!


shadow of the tomb raider ps4UNICUM Gaming-Tipp

Shadow of the Tomb Raider

Eidos Montréal

Release: 14. September 2018

für: PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows

Mehr unter: www.tombraider.com/de

Online vorbestellen (Amazon): Shadow of the Tomb Raider

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