Star Wars Battlefront 2
"Star Wars: Battlefront 2" versprüht pures Star Wars Feeling. | Foto: EA
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21. Dez 2017

Christopher Lymer

Games

Star Wars: Battlefront 2

Bombastische Star Wars Action mit Hang zur dunklen Seite.

Vollwertige Story-Kampagne oder umfangreiches Tutorial?

Viele Fan-Herzen schlugen höher, als für Battlefront 2 eine Story-Kampagne angekündigt wurde. Der Puls dürfte sich nun schnell wieder beruhigen: Denn obwohl die Einzelspieler-Kampagne durchaus kurzweilig ist, wirkt sie eher wie ein umfangreich inszeniertes Tutorial.

Die zwölf Missionen umfassende Kampagne setzt mit der Vernichtung des zweiten Todessterns ein und erzählt die Geschichte der neu eingeführten Protagonistin Iden Versio. Als loyale Anhängerin des Imperators und Kommandantin der Spezialeinheit "Inferno Squad" werden Iden und ihr Team zum Instrument eines finalen, grausamen Aufbäumens des untergehenden Imperiums. Und wie sollte es anders sein – im Angesicht der barbarischen Gräueltaten wird die vormalige Überzeugungstäterin schnell zur Zweiflerin. Zwar strotzt diese Geschichte nicht gerade vor Innovation, jedoch bietet sie dank interessanter Charaktere sowie familiärer und ideologischer Konflikte  durchaus erzählerisches Potenzial. Dieses wird nur leider nie genutzt!

Und das liegt hauptsächlich daran, dass sich die Kampagne spürbar bemüht, uns in die Rolle möglichst vieler ikonischer Helden wie Prinzessin Leia, Han Solo und Luke Skywalker schlüpfen zu lassen. Der ständige Perspektivwechsel erschwert allerdings nicht nur die Identifikation mit der eigentlichen Titelheldin, sondern raubt ihr darüber hinaus auch die erforderliche Zeit, um sich zu einem glaubhaften und gewichtigen Charakter entfalten zu können. Auf diese Weise reduziert sich die Story-Kampagne auf eine Abfolge von lose zusammenhängenden Missionen mit ständig wechselnder Besetzung, anstatt uns mit einer fesselnden Story emotional zu involvieren.

Grandiose Inszenierung trifft auf Soldaten mit Klasse

Was Battlefront 2 an erzählerischer Finesse fehlt, macht es mit der Kombi aus grafischer Opulenz, geschmeidigem Gameplay und purem Star Wars Bombast wieder wett – das gilt natürlich auch für den Multiplayer! Die original Soundeffekte sowie der unverwechselbare Score von John Williams tun ihr Übriges dazu, dass Star Wars Fans sich hier auf regelmäßige Gänsehautmomente einstellen dürfen. Umso erfreulicher ist es, dass Battlefront 2 seine Schlachtfelder auf alle Ären der Star Wars Saga ausweitet und uns so die gesamte Bandbreite an Kostümen, Raumschiffen und Schauplätzen beschert. Ganze 18 Planeten dürfen wir nun im Rahmen des galaktischen Konflikts besuchen – darunter die Wasserwelt Kamino mit ihrer Klon-Fabrik, der Wüstenplanet Tatooine samt Cantina in Mos Eisley sowie die Starkiller-Basis der Ersten Ordnung.

Gekämpft wird sowohl im All – dank des neuen Raumkampf-Modus "Starfighter Assault" – als auch auf der Planetenoberfläche, wo wir aktuell zwischen vier abwechslungsreiche Modi wählen dürfen. In beiden Fällen greifen wir auf neu eingeführte Kampf-Klassen zurück, welche jeweils über individuelle Vorteile sowie Fähigkeiten verfügen und im Gefecht entsprechende Rollen wie die des Angreifers, Scharfschützen oder Unterstützers übernehmen.

Die Macht ist mit den Fähigen

Während wir in rasanten Multiplayer-Matches unsere Gegner niedermachen und diverse Einsatzziele erfüllen, die vom Einnehmen wichtiger Zonen über das Sprengen feindlicher Hardware bis zur Zerstörung gigantischer Angriffsmaschinen reichen, werden uns Kampfpunkte gutgeschrieben. Dabei lautet die Maxime: Je besser wir sind, desto schneller wächst unser Konto!

Haben wir genug Punkte gesammelt, dürfen wir diese beim Wiedereinstieg investieren, um das Schlachtfeld mit einem Fahrzeug, als mächtige Spezialeinheit oder sogar als ikonischer Held zu betreten. Damit verabschiedet sich Battlefront 2 von der Mechanik des Vorgängers, Spielern über das Aufnehmen zufällig auftauchender Tokens oben genannte Sonderrollen einnehmen zu lassen. Zwar stellt die Kampfpunkte-Mechanik nun eine Kausalität zwischen Spielerleistung und Belohnung her, sorgt aber zugleich dafür, dass Spieler mit mittelmäßiger Begabung bzw. weniger Übung in der Regel das Nachsehen haben. Für sie rückt somit das Hochgefühl, einmal als lichtschwertschwingender Heros das Schlachtenglück zu wenden außer Reichweite – schade!

Viel zu grinden du noch hast!

Selbstverständlich will Battlefront 2 uns auf lange Zeit unterhalten. Entsprechend verfügt jede im Spiel wählbare Soldatenklasse, Spezialeinheit, jedes Fahr- und Flugzeug sowie jeder Held über einen aufrüstbaren Satz an Spezialfähigkeiten. Freigeschaltet werden diese durch sogenannte Starcards, welche sich wiederum in Lootcrates befinden – und die müssen wir für teure Credits erwerben! Bis wir genug Ingame-Währung durch fleißiges Spielen von Multiplayer-Matches oder Solo-Herausforderungen erwirtschaftet haben, können schon einmal ein bis zwei Stunden vergehen. Eigentlich gar nicht so schlimm, wäre der Inhalt der Lootcrates nicht vollkommen dem Zufall überlassen: Somit fällt gezieltes Leveln für favorisierte Helden, Soldatenklassen und Co. komplett flach und wird zu einer langwierigen Tortur.

Kein Wunder, dass Publisher EA und Entwickler Dice an dieser Stelle mit einem Ingame-Shop geplant hatten, der diesem überaus unbefriedigendem Fortschrittsystem gegen harte Euros etwas mehr Dynamik einverleiben und zahlende Kunden mit entsprechenden Starcards versorgen sollte. Ein Feature, welches dank lautstarker Empörung und Boykott-Aufrufen der Spieler-Community noch vor Veröffentlichung aus dem Spiel gestrichen wurde.

Eine neue Hoffnung

Von Einsicht zeugt jedoch nicht nur das Einstampfen des Shops: EA und Dice haben bereits reagiert und durch Patches erste Anpassungen vorgenommen, um den Spielfluss zu optimieren – und weitere sollen folgen. Zudem werden in Zukunft alle erscheinenden Erweiterungen komplett kostenlos bleiben. Darauf lässt sich bauen!

Fazit zu Star Wars: Battlefront 2

Star Wars: Battlefront 2 ist ein wahres Fest für die Sinne, spielt sich butterweich und versprüht pures Star Wars Feeling. Ein wahrgewordener Traum für jeden Star Wars Fan mit Shooter-Affinität – wären da nicht das unnötig mit Barrieren behaftete Fortschritts-System sowie die eher inspirationslose Story-Kampagne. Und obwohl beides nichts daran ändert, dass Battlefront 2 unterm Strich ein sehr gutes Spiel ist, meinen wir dennoch stets den kalten Griff der dunklen Seite zu spüren.


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