Pool Album
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21. Jun 2016

Entertainment

Im Interview: Pool über ihr WG-Leben und die Unmöglichkeit eines Studiums

Die Indie-Pop-Band gilt als (Festival-)Geheimtipp 2015

"... nee, Nirvana nicht mehr"

UNICUM: Fans von welchen Bands könnten denn auch gut eure werden? Nils: Das ist eigentlich relativ offen, was auch daran liegt, dass wir alle drei aus unterschiedlichen Genres kommen. Du könntest Nicolas Jaar-Fan oder meinetwegen auch Roosevelt-Fan sein oder Red Hot Chili Peppers-Fan und vielleicht ab und zu auch ... nee, Nirvana nicht mehr. Wir bezeichnen unsere Musik selber als Pop. Es ist schon ein Anreiz für Leute, die kommerzielle Sachen mögen, die im Radio funktionieren.

Habt ihr ein typisches Bild vor Augen von Leuten, die euer Album hören? Daniel: Auf unserer Tour mit The 1975 hat das weibliche Publikum zwischen 15 und 25 gut auf uns reagiert. In Stereotypen gesprochen: Ein Berliner Hipster – jetzt ganz hart ausgedrückt – findet unsere Musik vielleicht ganz gut. Aber alteingesessene Musik-Nerds könnten dem Ganzen auch was abgewinnen.

Pool wie Schwimmbad, wie Zusammenschluss von etwas oder wie Billard – womit hat euer Name zu tun? Nils: Letzteres eher weniger. Daniel: Das kam uns erst nie in den Sinn. Aber unser Logo erinnert jetzt an das Dreieck für die Kugeln. Swimmingpool passt am besten. Wasser ist ein geiles Element. Es ist spritzig und ein erfrischendes, kühles Nass.

Eine WG mit Harmonie-Sucht

Ihr wohnt zusammen in einem Reihenhaus in Hamburg-Othmarschen. Ist das nicht wahnsinnig spießig? Nils: Man muss sich das vorstellen wie ein Künstler-Kollektiv, auch wenn das jetzt sehr hochgegriffen klingt. Wir wohnen noch mit unseren zwei besten Freunden zusammen und machen alle irgendwas mit Musik. Deswegen ist das gar nicht so spießig, wie man denkt. Es ist kein klassisches 90er-Neubau-Reihenhaus, sondern aus den 20er-Jahren und die Gegend ist total idyllisch und schön.

Wie kommt ihr denn mit euren Nachbarn klar?Daniel: Geile Frage! Wir hatten ganz fiese Nachbarn, die waren einfach gegen alles. Aber inzwischen fangen die an zu checken, dass da jetzt eine Band gegenüber wohnt, die halbwegs etwas auf die Reihe kriegt. Die fragen immer mal nach und grüßen ganz freundlich.

Gab es schon einen richtig heftigen Streit? Immerhin habt ihr euren Probenraum im Haus. Daniel: Ich stand schon mal vor Gericht deswegen. Die Leute sind rammdösig geworden, weil wir damals noch keine Schallisolierung hatten. Es kam dann zweimal am Tag die Polizei. In jungen Jahren war man aber auch selber noch etwas radikaler. Da hat man weniger draufgeschissen als heute in seiner Harmoniesucht.

Meint ihr, euer WG-Leben hätte Potenzial für eine Fernseh-Soap? Daniel: Komplett! Wie haben schon so oft darüber geredet, was passieren würde, wenn wir in der Küche eine Kamera installieren würden. Das wäre auf jeden Fall Material für vier oder fünf Staffeln. Nils: Auf jeden Fall müsste es ein Weihnachtsspecial geben: Da ist bei uns immer "Open House"! Wenn die Leute vom Studieren aus aller Herren Länder wieder nach Hamburg kommen, ist das Pool-House meistens die erste Anlaufstelle. Daniel: Letztes Jahr hatten wir mindestens 60 Leute da, die in einer winzigen Bude einfach hart am Saufen waren und nur noch durchdrehten. Mucke auf drei Floors, das war echt geil.

In die Uni nur zum Schlafen!

Euer Album heißt "Snacks & Supplies" – welche sind überlebenswichtig auf einem Festival? Nils: Bier! Daniel: Gut sind auch Vitaminkapseln, Studentenfutter, Sonnencreme, Sonnenbrille, Dosenravioli. Auf den Gaskocher kannst du komplett scheißen, der wird sowieso nicht benutzt. Nils: Bananen! Nimm auch niemals Scheibenkäse mit, der ist nach 24 Stunden ein Block. Und gib dir nicht die Mühe, vital und gesund zu leben, das funktioniert eh nie.

Ich hab gelesen, ihr wart mal an einer Schweizer Uni - zum Pennen... Nils: Das waren so die ersten Tour-Erfahrungen. In der Schweiz ist eben alles arschteuer, ein Hotel war im Budget nicht drin. Wir haben deshalb teils im Auto, teils im Flughafen-Arrival gepennt – unter Neonlicht. Das war so furchtbar, dass wir nach zweieinhalb Stunden richtig beschissenem Schlaf gedacht haben: Okay, wir brauchen jetzt irgendeine öffentliche Institution, wo man chillen kann, wo es warm ist. Dann war die Uni irgendwie naheliegend. Wir sind da in einen Hörsaal reingekommen wie die letzten Crack-Leichen, haben uns hingesetzt und sind einfach weggeknickt. Da war schon wieder so dreist, dass das irgendwie untergegangen ist.

Hat einer von euch schon mal über ein Studium nachgedacht? Daniel: Ich witzigerweise nie, ich bin nicht dafür geschaffen.Nils: Ich auch nicht ernsthaft. Aber David, unser dritter im Bunde, der studiert sogar. Allerdings an der Fernuni Hagen.Daniel: Der geht aber nicht in eine Institution, die sich Universität nennt, sondern holt sich irgendwas aus dem Internet und studiert dann fern.

UNICUM Musiktipp

Snacks & Supplies

Pool

Rykodisc (Warner)

Für Fans von: Sound zwischen Synthie-Pop und Gitarren-Indie

VÖ: 24. April 2015

www.poolofficial.com

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