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09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Game-Test: Bound By Flame

-ARCHIV-

Fantasy-Abenteuer auf kleiner Flamme zubereitet

Hilfe, die Weißen Wander… ähh… Eisfürsten kommen!

Das Reich Vertiel steht vor dem Untergang: Aus dem hohen Norden rückt eine Armee von Untoten gen Süden und vernichtet alles, was sich ihr in den Weg stellt. Angeführt werden die modrigen Heerscharen von einer Gruppe mächtiger Nekromanten, den sogenannten Eisfürsten. Während das Volk Vertiels die Flucht ergreift, planen die Roten Weisen, ein alter Mystiker Orden, die Invasion mittels eines geheimen Rituals aufzuhalten. Doch die Zeit drängt, denn die wandelnden Toten haben den Ort der Zeremonie bereits erreicht.

In der Rolle des Sprengmeisters der Freien Klingen, einer berüchtigten Söldnertruppe, ist es unsere Pflicht, die Roten Weisen während der Beschwörung um jeden Preis zu schützen. Als das Ritual missglückt und ein entfesselter Dämon von unserem Körper Besitz ergreift, gewährt dieser uns zwar ein paar mächtige Feuerzauber, flüstert uns jedoch fortan ins Gewissen, um uns in Versuchung zu führen.

Heldenklasse: Alleskönner

Anders als bei gängigen Rollenspielsystemen, legen wir uns zu Beginn von Bound by Flame auf keine spezifische Charakter-Klasse fest. Zwar begegnen uns die klassischen Archetypen - Krieger, Schurke und Magier - auch hier, allerdings treten sie in Form von drei verschiedenen Kampfstilen in Erscheinung, zwischen denen wir jederzeit wechseln dürfen: Lassen wir unseren Helden mit Zweihandwaffen kämpfen, setzen wir auf Durchschlagskraft, können Angriffe parieren und feindliche Schildträger zum Taumeln bringen.

Das Führen von Doppeldolchen ermöglicht uns hingegen, an unsere Feinde heranzuschleichen, kritische Treffer zu landen sowie akrobatische Ausweichmanöver durchzuführen. Darüber hinaus können wir unsere dämonischen Kräfte in Form diverser Feuerzauber entfesseln, die unsere Waffen in Flammen hüllen oder Feuerbälle auf unsere Feinde schleudern.

Obwohl wir alle drei Kampfstile von Beginn an grundlegend beherrschen, dürfen wir uns im Verlauf des Spiels dennoch spezialisieren, indem wir beim Stufenanstieg in einen der drei entsprechenden Talentbäume investieren. Dadurch lassen sich neue Fertigkeiten freischalten oder bestehende verstärken. Das zweifellos von Kingdoms of Amalur inspirierte Klassen- bzw. Kampfstilsystem eröffnet spielerischen Freiraum und bietet zudem ein moderates Maß an strategischem Tiefgang. Denn ebenso wie sich die Kampfstile spürbar unterscheiden, setzen verschiedene Gegnertypen immer andere Vorgehensweisen voraus. Und Besonnenheit ist dringend empfohlen, denn Bound by Flames geht nicht gerad zimperlich mit uns um.

Selbst ist der Held

Deshalb sollten wir auch darauf achten, stets bestmöglich ausgerüstet zu sein. Dafür stellt uns das Fantasy-RPG ein simples aber vielseitiges Crafting-System zur Verfügung, mit dem wir allerlei Kleinkram wie Fallen, Heiltränke und Armbrustbolzen selbst herstellen sowie Waffen und Panzerungen teils mehrfach aufwerten können.

Benötigt werden dazu unterschiedliche Komponenten, die wir in den Weiten Vertiels aufstöbern, von erschlagenen Feinden erplündern oder durch Demontage von Ausrüstungsgegenständen erhalten. Sollten notwendige Komponenten einmal ausgehen, lassen sich nicht selten auch minderwertige Materialien kombinieren, um den gewünschten Werkstoff herzustellen.

Wenn auch dies nicht weiterhilft, wartet stets eine Reihe an Händlern darauf, mit uns Geschäfte zu machen. Da diese für hochwertige Materialien aber meist einen stolzen Preis aufrufen, dient die Suche nach wertvollen Komponenten als willkommene Motivation, die verschachtelten Landschaften Vertiels zu erkunden.

Gute Story schlecht erzählt

Allerdings lässt sich der Kampf gegen die Eisfürsten nicht allein mit guter Ausrüstung gewinnen. Deshalb werden uns im Laufe des Spiels eine Handvoll Gefährten zur Seite gestellt, von denen wir die meiste Zeit einen mit im Schlepptau haben. Zwar sind diese aufgrund ihrer etwas beschränkten KI häufig nur als Kanonenfutter zu gebrauchen, außerhalb der Gefechte entpuppen sie sich dafür aber als interessante Zeitgenossen.

Dies umso mehr, da beinahe jeder unserer Vertrauten einer anderen Fraktion angehört. Innerhalb der Gruppe ergeben sich so hinsichtlich Ideologie, politischer Überzeugung und Moralvorstellung immer wieder Spannungen und Konflikte, die uns nicht selten an den Motivationen unserer Kameraden zweifeln lassen. Hier spüren wir, dass der Handlung ein komplexes, konsistentes Universum zugrunde gelegt wurde. Leider versagt Bound by Flame eben dieses dramaturgisch wirksam vor uns auszubreiten.

Ein Problem, dass uns bereits bei Mars: War Logs aufgestoßen ist: "Die Dialog-Verläufe lassen sich häufig nicht nachvollziehen, ebenso wie die Schlüsse und Entscheidungen, die daraus resultieren. Nicht selten haben die agierenden Charaktere einen Wissensvorsprung, den der Spieler nur mühsam über die knappen Einträge des Kodex aufholen und erst im Nachhinein verwerten kann", schrieben wir damals und können diese Feststellungen unverändert für Bound by Flame recyceln. Immerhin ist die deutsche Vertonung erstaunlich gut geraten, sieht man einmal vom Sprecher unseres männlichen Protagonisten ab.

Fazit

Bound by Flame ist ein solides Fantasy-Rollenspiel: Die schnellen, fordernden Kämpfe machen Lust auf mehr ebenso wie das befriedigend vielseitige Crafting-System. Die optische Präsentation haut uns zwar nicht aus den Socken, kann aber im Zusammenspiel mit der gelungenen musikalischen Untermalung für eine dichte Atmosphäre sorgen. Die Geschichte über den einfachen Söldner, der aufgrund einer Besessenheit plötzlich über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, zugleich aber krampfhaft versucht, seine Menschlichkeit nicht einzubüßen, hat definitiv Potenzial, welches Bound by Flames allerdings durch gravierende narrative und dramaturgische Schwächen verschenkt. Gerade hier wird spürbar, dass sich das Mid-Budget-Rollenspiel im Schatten der Genre-Titanen wie Dragon Age oder The Witcher bewegt.

Bound By Flame

EA Games

Erhältlich für PC, PS4, PS3, Xbox 360, Xbox One

FSK ab 16

www.boundbyflame.com

Artikel-Bewertung:

3.12 von 5 Sternen bei 101 Bewertungen.