Dark Souls 2
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09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Game-Test: Dark Souls 2

-ARCHIV-

Wenn Leiden zur Passion wird

Willkommen in der Welt von Dark Souls!

Die Welt, in die Dark Souls 2 uns entführt, ist düster, die Aussichten schlecht: Auf der Menschheit lastet ein Fluch – der allmähliche Verlust des Lebens. Seine Opfer werden zu Untoten, die niemals sterben, sondern nach und nach ihre Menschlichkeit einbüßen, bis sie am Ende nur noch seelenlose Hüllen sind. Eine Heilung gibt es nicht, lediglich der Verfall von Körper und Geist kann verlangsamt werden. Aber der Preis dafür ist hoch, denn nur das Einverleiben von Seelen anderer Geschöpfe kann den Prozess aufhalten.

Genau das ist auch unser Schicksal. Getrieben von einer kryptischen Prophezeiung, die uns von drei alten Weibern – die ihre Verwandtschaft zu den Macbeth'schen Hexen nicht leugnen können – aufgetischt wird, brechen wir zum alten Königreich Drangleic auf, in der Hoffnung, jener Auserwählte zu sein, der den Fluch zu brechen vermag. Wie genau das gehen soll und was wir dafür tun müssen? Keine Ahnung!

Alles geht, nichts muss!

Bevor wir uns aber auf den beschwerlichen Weg machen, dürfen wir aus einer der acht vorgegebenen Charakterklassen wählen, die sich in den grundlegenden Eigenschaften und der Ausrüstung unterscheiden. Die gewählte Klasse legt dabei nur die Startwerte unseres Helden fest. Im Laufe des Spiels können wir ihn je nachdem, in welche Werte wir beim Stufenanstieg investieren, nach Belieben formen. Der anfängliche Zauberer kann sich also noch zum schwertschwingenden Ritter mausern und der wendige Jäger zum Wunder beschwörenden Kleriker.

Um in der Stufe aufzusteigen, investieren wir Seelen, die wir von erlegten Gegnern erhalten. Gleichzeitig stellen sie auch die Währung in der Welt von Dark Souls dar, mit der wir bei Händlern Waren bezahlen und bei Schmieden Waffen und Panzerungen verbessern lassen können.

Hinter der Nebelwand lauert das Grauen

Und gute Ausrüstung ist wichtig, schließlich bewegen wir uns hauptsächlich kämpfend durch die Weiten Drangleics – und das ist auch gut so. Denn wie schon seine Vorgänger brilliert auch Dark Souls 2 mit einem genial unkomplizierten Kampfsystem: angreifen, blocken, ausweichen – das sind unsere Optionen; und jede kostet uns wertvolle Ausdauer. Ist diese einmal aufgebraucht, rettet uns nichts mehr vor den Hieben unserer Feinde, und von denen stecken wir – gerade zu Beginn – nur sehr wenige weg.

Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Ausstattung an unsere Charakterwerte und Spielweise anpassen, denn sowohl das Gewicht der Rüstung, als auch die Handlichkeit unserer Waffen spielen beim Ausdauer-Management eine wichtige Rolle. Doch egal wie wir uns hier entscheiden, eine Regel ändert sich nie: Wer nicht stets vorsichtig und geduldig vorgeht, das Verhalten jedes noch so unimposanten Kontrahenten studiert und den richtigen Moment abwarten kann, der ist verloren!

Dies gilt insbesondere für die Boss-Gegner, mit denen Dark Souls 2 nicht geizt. Wer beim Erkunden von Drangleic plötzlich vor einer grau-wabernden Nebelwand steht, sollte wissen, dass sich dahinter zu 90 Prozent ein ebensolcher befindet. In den meisten Fällen beginnt an dieser Stelle ein Leidensweg, der stahlharte Nerven fordert – ruhig bleiben, nichts überstürzen und Fassung bewahren sind dann der Schlüssel zum Triumph.

Gemeinsam einsam…

Sollte es an vorher genannten Tugenden mangeln, gibt es noch die Möglichkeit, sich von anderen Spielern helfen zu lassen. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass wir ein seltenes Item namens "Menschenbild" konsumieren und auf diese Weise menschliche Form annehmen – den Rest der Zeit laufen wir übrigens als vergammelter Zombie durch die Gegend.

Die Menschenform sorgt nicht nur für einen frischen Teint, sondern eröffnet uns diverse Multiplayer-Optionen, über die wir andere Spieler kurzzeitig zu Hilfe rufen oder uns selbst als Waffenbruder anbieten können. Natürlich bieten sich auch diverse Gelegenheiten, gegen andere Spieler im Zweikampf anzutreten.

Generell sind Multiplayer-Funktionen in kaum einem anderen Spiel derart nahtlos und bereichernd in eine Single-Player-Erfahrung eingeflochten wie in Dark Souls 2. Und das bezieht sich nicht bloß auf die Koop-Funktion: Während wir die geheimnisvollen und bedrohlichen Kulissen Drangleics erkunden, stoßen wir immer wieder auf Spuren anderer Spieler, die vor uns an diesem Ort waren. Seien es Blutlachen, die uns bei Berührung schemenhaft zeigen, wie unser Vorgänger sein Leben ausgehaucht hat oder leuchtende Schriftzüge am Boden, auf denen Spieler Hinweise oder Warnungen für uns hinterlassen haben – an jeder Ecke spüren wir die Präsenz der anderen, jedoch immer nur mittelbar, anonym und zeitlich begrenzt; und genau deshalb fühlen wir uns umso einsamer in dieser fantastisch feindseligen Welt. Ein grandioses Erlebnis!

Fazit

In einer Zeit, in der wir Gamer gewohnt sind, dass uns die Entwickler ans Händchen nehmen und jede noch so kleine Spielfunktion oder Plot-Entwicklung unmissverständlich vor uns ausbreiten, öffnet uns Dark Souls 2 die Pforte zu einer mystischen, symbolträchtigen Welt voller Geheimnisse und verschließt sie hinter uns. Ab jetzt müssen wir uns das Spiel aneignen, uns voll darauf einlassen: entdecken, erproben, scheitern, von vorn beginnen – das ist der Weg, den es zu beschreiten gilt.

Hört sich sperrig an? Ist es auch! Aber gerade darin liegt der Reiz dieses atmosphärisch dichten Meisterwerks. Kaum ein anderes Spiel schafft es, den Spieler in derartig tiefe Verzweiflung zu stürzen und kurz darauf – nach einem hart erkämpften Sieg – in ausufernder Freude den Triumph feiern zu lassen. Bei dieser emotionalen Achterbahnfahrt stört es auch nicht, dass wir grafisch wenig geboten bekommen. Dark Souls 2 ist, wie auch seine Vorgänger, eine Ausnahmeerscheinung und verdient es, dass aufgeschlossene Spieler sich seiner annehmen – nur Mut!

 

Dark Souls 2

Bandai Namco

Erhältlich für PC, xBox 360 & PS3

USK ab 16

www.darksoulsii.com

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