Fallout 4
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09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Game-Test: Fallout 4

-ARCHIV-

Sagt eurem Sozialleben "Lebewohl"!

Öde neue Welt

2077 verwandelt ein globaler Atomkrieg die USA in eine postnukleare Wüste. Während einige in sogenannten Vaults, massiven Luftschutzbunkern tief unter der Erde, Zuflucht finden, setzen der Bombenregen sowie die folgende Strahlung dem Großteil allen übrigen Lebens auf der Oberfläche ein Ende.

Gut 200 Jahre nach dem apokalyptischen Ereignis, erwachen wir in Vault 111 unsanft aus unserem Kälteschlaf. Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass uns niemand mit einer heißen Tasse Kaffee und ein paar warmen Worten in der Welt der Überlebenden begrüßt, müssen wir – noch eingesperrt in unserer Kältekammer – hilflos mitansehen, wie unser Sohn gekidnappt wird. Kein Wunder also, dass uns nicht viel in Vault 111 hält. Daher kehren wir dem Bunker ohne langes Zögern den Rücken zu und ziehen hinaus in die Ödnis Neuenglands, um den kleinen Shaun zu retten.

 

Willkommen zuhause!

Obwohl das postatomare Commonwealth für unseren aus der Vorkriegszeit stammenden Protagonisten ein gewöhnungsbedürftiger Anblick ist, werden sich alle Fallout-Veteranen sofort heimisch fühlen. Verbrannte Erde so weit das Auge reicht, eingestürzte Highways, Ruinen und radioaktive Krater sowie marodierende Raider-Banden, Supermutanten, Ghule und andere Ödlandbewohner, denen die jahrhundertelange Strahlung irrwitzige Mutationen beschert hat, formen eine atmosphärische Kulisse für unser postapokalyptisches Abenteuer. 

Zwar lieferte Fallout 3 mit Washington DC (zumindest für Durchschnittseuropäer) einen Schauplatz mit deutlich höherem Wiedererkennungswert, dafür kann das postapokalyptische Boston durch abwechslungsreichere Landstriche, stimmungsvolle Licht- und dynamische Wettereffekte sowie eindrucksvoll inszeniertem Tag-Nacht-Wechsel punkten. 

Was die grafische Präsentation angeht, bleibt Fallout 4 jedoch deutlich hinter aktuellen Genre-Konkurrenten wie The Witcher 3 zurück. Hinsichtlich der schier unerschöpflichen Masse an Spielinhalten, lässt sich die etwas angestaubte Optik allerdings verschmerzen. Denn haben wir Vault 111 einmal verlassen, sind uns keinerlei Grenzen gesetzt: Ob wir der Hauptstory folgen, uns in den Dienst diverser Fraktionen stellen, das stetig wachsende Quest-Log abarbeiten oder uns einfach nur auf Entdeckungstour in die gigantischen Weiten des Wastelands begeben – die nächsten 200 Spielstunden sind definitiv gesichert!

 

Sammeln, sammeln, Häusle bauen

Eine der größten Neuerungen stellt das extrem umfangreiche Crafting-System dar. Nicht nur können wir jede Waffe und jedes Rüstungsteil in vielfältiger Weise modifizieren, unsere eigenen Drogen-Cocktails mixen und kulinarische Ödlandleckereien zubereiten – Fallout 4 lässt uns gleich ganze Siedlungen hochziehen!

Über einen brandneuen (und etwas genrefremden) Bau-Editor dürfen wir aus einer reichhaltigen Auswahl an Gebäudeteilen, Möbeln und Deko-Elementen unsere ureigene Wohnstatt errichten. Ein ausreichender Vorrat an Frischwasser, Verteidigungsanlagen sowie der Anbau von Nahrungsmitteln sorgen schließlich dafür, dass umherziehende Ödlandbewohner sich bei uns niederlassen und uns fortan unterstützen. 

So fesselnd und genial das Basteln der eigenen vier Wände sein kann, so nervig ist allerdings auch die Handhabung des Editors, der ohne jedwede Erklärung daherkommt und schon die grundlegendsten Konstruktionen in eine höllische Frickelei ausarten lässt. Abgesehen davon muss man dieses Feature einfach lieben!

Rohstoffe für unsere Bauvorhaben erhalten wir übrigens durch das Zerlegen von allerlei Krempel, den wir auf unseren Reisen aufsammeln. Entsprechend bekommt jeder noch so kleine Gegenstand einen Wert und sorgt unweigerlich dafür, dass wir schon nach kurzen Ausflügen unter der mitgeführten Schrottlast zusammenbrechen.

Fazit zu Fallout 4

Fallout 4 wird wohl oder übel dafür sorgen, dass eure Freunde, Partner und Familie in den kommenden Wochen mit deutlich weniger Quality-Time auskommen müssen. Schließlich breitet Bethesda erneut eine einzigartige, gigantische Open-World vor uns aus, in der es sich zu verlieren lohnt. Wie schon beim Vorgänger gelingt es aber auch Fallout 4 leider nicht, eine fesselnde und spannende Story mit erzählerischem Sog zu entwickeln. Dafür ist seine Welt einfach zu groß und seine Schauplätze zu vielzählig – eine Schwäche, die zugleich auch eine Stärke ist. 

Wir können den Trip ins Ödland jedenfalls ohne Zweifel empfehlen.

Fallout 4

Bethesda

Erhältlich für PC, Playstation 4 und Xbox One

Ab 18 Jahren

fallout4.com

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