The Last of Us
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09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Game-Test: The Last of Us

-ARCHIV-

Interaktives Roadmovie mit Gänsehautgarantie

Zombie-Apokalypse mal anders

Im Jahr 2033 steht die Zivilisation, wie wir sie kennen, am Rande ihrer Existenz. Ein Großteil der Weltbevölkerung hat sich in zombieähnliche Kreaturen verwandelt und macht Jagd auf die ehemaligen Artgenossen. Grund für die Transformation ist nicht etwa ein verstrahlter Asteroid oder ein grassierendes Virus, sondern eine aggressive Pilzart, deren Sporen sich im Organismus ihrer Wirte einnisten und diese zu mordlustigen Monstern mutieren lassen. Refugien bieten einzig vom Militär eingerichtete Quarantänezonen, in denen seit Ausbruch der Infektion im Jahr 2013 das Kriegsrecht gilt. Repression, Lebensmittelknappheit und rigorose Gewalt beherrschen hier den Alltag ebenso wie die brutalen Scharmützel gegen die Fireflies, eine Gruppe von Widerstandskämpfern.

Außerhalb dieser Enklaven ist ein Überleben kaum möglich, denn nicht nur die Infizierten streifen in den Gerippen der alten Welt umher, auch marodierende Plünderer machen auf unachtsame Reisende Jagd. In der Rolle von Joel, einem Schwarzhändler, der beim Ausbruch der Infektion seine Tochter verloren hat, machen wir uns aller Gefahren zum Trotz auf, die lebensfeindlichen Ruinen der verwaisten USA zu durchqueren. Unser Ziel: Die 14-jährige Ellie lebend zu einem Labor der Rebellen eskortieren. Denn sie könnte der Schlüssel zur Heilung sein.

On the Road: Der Weg ist das Ziel

The Last of Us erzählt die Geschichte einer abenteuerlichen Reise zweier Charaktere, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: Während Joel versucht, den Schmerz über den Verlust seiner Tochter und die Sinnlosigkeit einer Existenz in dieser neuen Welt hinter einer meterdicken Mauer aus Zynismus und Gleichgültigkeit zu verbergen, bewahrt sich Ellie, in jener Welt aufgewachsen, ihren Optimismus und sucht in den kleinen Dingen Lebensfreude. Gemeinsam ziehen sie durch eine feindselige Welt, durchstehen dabei allerlei Gefahren, lernen einander zu vertrauen und zu verstehen. Ein klassisches Roadmovie-Thema.

Ausgezeichnete Dialoge und ein extrem gutes Gespür für eine vielschichtige Figurenzeichnung lassen uns schnell eine innige Bindung zu beiden Protagonisten aufbauen. Dafür sorgen nicht zuletzt jene aufkommenden Gespräche, in denen der Mittvierziger Joel der jungen Ellie anhand von Relikten der Vergangenheit die Welt des frühen 21. Jahrhunderts, also unsere Gegenwart, erklärt. Ellie, die sich teils belustigt, teils verstört über die scheinbar vorherrschende Oberflächlichkeit und Dekadenz anno 2013 wundert, dient hierbei als fabelhafte Projektionsfläche zur Reflektion der Normen und Werte unserer Gesellschaft.

Auf ihrem Weg durchqueren die beiden schaurig schöne Kulissen einer untergegangenen Zivilisation, die eine mehr als willkommene Abwechslung zu den mittlerweile ikonischen Mad-Max-Trümmerfeldern einer postatomaren Ödnis bieten. Vielmehr hat sich in der dystopischen Zukunft von The Last of Us die Natur ihren Grund und Boden zurückerobert. Stahl und Beton weichen hier den wuchernden Pflanzen und Bäumen. Überall wächst und sprießt es, auf dass auch die letzten Zeugnisse menschlicher Kultur letztlich von einem grünen Teppich verschlungen werden. Umso imposanter wirkt diese atmosphärische Szenerie durch die immense Grafikpacht, die sich in der Remastered-Version entfalten kann.

Vollgas beim Erzählen, Handbremse beim Gameplay

So bemerkenswert die Geschichte und ihre Inszenierung daherkommen, als so konventionell erweist sich leider das Spielsystem. Mit einem knappen Waffenarsenal und noch knapperen Munitionsvorräten stellen wir uns unseren Gegnern in klassischen Third-Person-Deckungs-Shooter-Gefechten oder versuchen schleichend an ihnen vorbeizukommen. Entscheiden wir uns für letzteres, bleibt immer noch die Möglichkeit, unachtsame Feinde lautlos meuchelnd auszuschalten. Dabei kommt vor allem Joels Lausch-Fähigkeit zum Einsatz, die im sonst so realistischen Rahmen etwas unpassend wirkt: Mit ihr können wir nämlich unsere Gegner orten und somit auch durch Wände hindurch sichtbar machen.

Darüber hinaus bietet The Last of Us ein rudimentäres Crafting-System, mit dem wir unsere Waffen aufrüsten und nützliche Gegenstände wie Medipacks oder Molotov-Cocktails herstellen können. Die notwendigen Komponenten dafür finden wir in der Welt verstreut. Auch Joels Eigenschaften lassen sich mit aufgesammelten Medi-Rationen ausbauen, so dass wir beispielsweise unsere Lebensenergie oder die besagte Lausch-Fähigkeit verbessern können. Das Upgraden macht uns das Leben zwar hier und da etwas einfacher, für ein Kernfeature des Spiels erweist sich ihr Nutzen jedoch als zu belanglos. 

Fazit

The Last of Us hält definitiv eine fesselnde Spielerfahrung bereit. Eine phantastische Geschichte mit liebevoll gezeichneten Charakteren sorgt in regelmäßigen Abständen für Gänsehaut und beschäftigt auch dann noch, wenn die Konsole schon längst ausgeschaltet ist. Das Gameplay wirkt dagegen etwas beliebig, indem es jedwede Komplexität scheut und sich lediglich auf die Basics etablierter Spielmechaniken verlässt - das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau. Wer eine PlayStation 4 sein eigen nennt und noch nicht in den Genuss von The Last of Us gekommen ist, darf sofort ohne zu zögern zugreifen.

 

The Last of Us - Remastered

SCEE / Naughty Dog 

Erhältlich für Playstation 4

USK ab 18

www.thelastofus.playstation.com

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