Im UNICUM Game-Test: The Order 1886
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09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Game-Test: The Order 1886

-ARCHIV-

Steampunk-Shooter in atemberaubender Optik

Wenn die Ritter der Tafelrunde im viktorianischen London auf Werwölfe treffen...

London im Jahr 1886: Das Empire ist in Aufruhr. Nicht nur bedroht die aufkeimende Rebellion des Londoner Untergrunds das wirtschaftliche Rückgrat der Monarchie, auch die Ripper-Morde in Whitechapel halten den hiesigen Constable in Atem.

Als dann noch bei einem unterstützten Ausbruch der Insassen eines Sanatoriums Lykaner gesichtet werden, nimmt auch der namensgebende Ritterorden die Ermittlungen auf. Schließlich hat sich letzterer dem bereits mehrere Jahrhunderte andauernden Krieg gegen diese sogenannten Halbblüter verschrieben.

In der Rolle von Grayson, der als Sir Galahad ebenso wie seine Ordensbrüder den Namen eines Ritters der arturischen Tafelrunde führt, gehen wir den mysteriösen Ereignissen auf den Grund. Begleitet von unseren Kameraden Lady Igraine und Ordensanwärter Lafayette geraten wir dabei bald ins Zentrum einer weitreichenden Verschwörung, die uns alles in Frage stellen lässt.

Interaktives Blockbuster-Movie

Und so brechen wir auf in die düstere Kulisse eines alternativen Londons viktorianischer Zeit. Und bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass The Order: 1886 der cineastischen Inszenierung einen mindestens ebenso großen Stellenwert einräumt wie dem eigentlichen Gameplay – das vermittelt allein schon das Bildschirmformat, welches im kinoüblichen 21:9 auf den meisten TVs nur mit breiten, schwarzen Balken wiedergegeben wird.

Entsprechend liegt auch der narrative Fokus auf zahlreichen und z. T. ungewohnt langen Cutscenes, welche die Erzählung vorantreiben. Und selbst wenn wir dann einmal Hand anlegen dürfen, „zwingt“ uns das Spiel nicht selten die aufwändigen Kulissen in Schritttempo von A nach B zu durchwandern.

Das klingt allerdings schlimmer, als es ist. Denn The Order: 1886 ist ein wahrer Augenschmaus! Wohin wir unseren Blick auch schweifen lassen – vom Kopfsteinpflaster zu den verbeipolternden Kutschen, hinüber zu den Schaufenstern der Schneiderei, in denen die neueste Mode anno 1886 dargeboten wird, zurück zu den epochalen Fassaden, welche die Schluchten der engen Gassen gen Himmel öffnen – dieses Spiel sieht schlichtweg atemberaubend aus! Umso mehr, da sich auch die dezenten Steampunk-Elemente wie z.B. die gigantischen Luftschiffe, die erhaben über der Stadt schweben, nahtlos in das historische Bühnenbild einfügen.

Steampunk-Geballer mit wenig Raum zum Dampf ablassen

Selbstverständlich wartet The Order: 1886 über weite Strecken auch mit Action auf. Dann gilt es, unsere Gegner nach gängiger Deckungs-Shooter-Manier aufs Korn zu nehmen. Dabei bedienen wir uns sowohl an einem zeitgenössischen Waffenrepertoire als auch an zukunftsweisenden Technologien, welche der Orden von niemand Geringerem als Nicola Tesla (dem Vater des Wechselstroms) bezieht.

Aus dessen Labor im Ritter-Hauptquartier unter dem Palace of Westminster bekommen wir solch schöne Spielereien wie die Lichtbogen-Kanone oder das Thermit-Gewehr, mit dem wir ganze Gegnerhorden in Flammen aufgehen lassen. Leider stehen uns diese Gadgets aber nur für bestimmte Missionen zu Verfügung, so dass wir die meiste Zeit mit dem überschaubaren Standard-Arsenal Vorlieb nehmen müssen.

Entsprechend dürfen wir auch uns von einer kontinuierlichen Charakterentwicklung im Sinne einer stetig wachsenden Waffenauswahl oder gar einem Level-System verabschieden. Denn als Shooter erweist sich The Order: 1886 – vor allem im Vergleich zur Konkurrenz – als ziemlich rudimentär.

Das gilt ebenfalls fürs Level-Design: Während derzeit eine ganze Branche auf Open-World setzt, treibt The Order uns hauptsächlich durch schlauchartig konstruierte Karten, bei denen alternative Routen oder strategisches Vorgehen so gut wie nicht möglich sind. Einzig ein paar Stealth-Einlagen bieten hier willkommene Abwechslung, können letztlich aber ebenfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass die bildgewaltige Inszenierung der Geschichte im Vordergrund steht.

Fazit zu The Order 1886

Was die optische Präsentation angeht, können wir mit Fug und Recht behaupten, bisher nichts Besseres gesehen zu haben: Die Grafik-Performance sucht ihresgleichen und das Art-Design überzeugt auf voller Länge. Während The Order: 1886 hier neue Maßstäbe setzt, macht es hingegen beim eh schon überschaubaren Gameplay mehr als nur einen Schritt zurück.

Zwar sind die meisten Feuergefechte wirklich spektakulär, allerdings liegt das mehr an den grandiosen Szenarien, als am Spieldesign. Die kinoreif inszenierten Cutscenes mit zum Großteil unnötigen Quick-Time-Events zu bestücken, macht die Sache leider auch nicht besser. 

Dennoch: The Order: 1886 sollte man auf keinen Fall verpassen, auch wenn man nicht unbedingt den Vollpreis dafür hinblättern muss.

 

The Order: 1886

Sony Computer Entertainment

Erhältlich für Playstation 4 

Ab 18 Jahren

http://theorder1886.eu.playstation.com/de_DE/home

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2.88 von 5 Sternen bei 116 Bewertungen.