Watch Dogs Playstation 4
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09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Game-Test: Watch Dogs

-ARCHIV-

Zurückhaltendes Debüt einer zukünftigen Genregröße

Die totale Vernetzung

Chicago in der nahen Zukunft. Ob Telekommunikation, Elektrizität oder der Straßenverkehr: die gesamte urbane Infrastruktur wird von einem gigantischen digitalen Operation System, dem CTOS, gesteuert. Kein Wunder, dass diese schöne neue Welt professionelle Hacker auf den Plan ruft, die immer wieder versuchen, per Knopfdruck die Macht über Information, Transit und Industrie an sich zu reißen.

Dazu zählt auch Aiden Pierce, der Titelheld unserer Geschichte. Gemeinsam mit unserem Kumpan Damien finden wir uns direkt zu Beginn inmitten eines solchen Hacks wieder. Alles verläuft nach Plan, die Manipulation des Netzwerks öffnet uns alle Türen. Was wir allerdings nicht merken: Leider kommen wir mit unserem Vorhaben dem großen Coup eines kriminellen Hacker-Netzwerks in die Quere – mit fatalen Folgen.

Denn ab sofort steht Aiden auf der Abschussliste einer skrupellosen Organisation, die kurze Zeit später einen brutalen Anschlag auf Aiden verübt. Dieser kostet jedoch nicht ihm, sondern seiner 6-jährigen Nichte das Leben. Von Schuldgefühlen geplagt, gibt es für uns nur noch ein Ziel: Die Drahtzieher hinter dem feigen Hinterhalt ausfindig zu machen und die Mörder der kleinen Lena zur Strecke zu bringen.

Geheimwaffe: Smartphone

Auf der Suche nach Hinweisen, die uns zu den Strippenziehern hinter der geheimnisvollen Hacker-Organisation führen, dürfen wir uns frei durch das digitale Chicago bewegen, schlendern, Autos knacken, Motorrad fahren oder einfach mal die Hochbahn nehmen. Klingt nicht nur nach einer typischen GTA-Metropole, sondern spielt sich auch so – allerdings mit einem grundlegenden Unterschied: Beinahe jedes elektrisch betriebene Gerät lässt sich im digital vernetzten Chicago mit Hilfe unseres Smartphones manipulieren.

Ampeln umschalten, Gabelstapler hochfahren, Stromkästen zur Explosion bringen – das drahtlose Hacken macht es möglich. Diese Optionen nehmen wir natürlich meistens dann wahr, wenn wir Verfolger abhängen oder Gegner aus dem Verkehr ziehen wollen. Während nämlich die klassische Third-Person-Shooter-Mechanik das Grundgerüst für gewaltsame Konfrontationen bildet, ermöglicht uns das Hacking, strategisch vorzugehen, Gegner abzulenken, wegzulocken, indirekt auszuschalten.

Einen Überblick verschaffen wir uns ganz einfach, indem wir eine der zahlreichen Überwachungskameras hacken und somit eine neue Perspektive einnehmen. Das Hacken offenbart sich als überaus erfrischendes Gameplay-Element und verleitet uns nicht nur dazu, immer wieder Neues auszuprobieren, es führt zuweilen auch zu höchst befriedigenden Spielmomenten.

Herausragende Idee in durchschnittlicher Gesellschaft

Leider ist mit dem Hacking-Feature bereits die gesamte Innovationskraft von Watch Dogs ausgeschöpft. Alles andere haben wir schon woanders und nicht selten besser gesehen: Das sukzessive Aufdecken der Karte durch das Hacken von Funktürmen kennen wir in diversen Ausprägungen von zahlreichen Ubisoft-Titeln. Ebenso bekannt – z.B. von der Assassins Creed-Reihe – sind uns die ortsgebundenen Nebenaufträge, die starr immer nach demselben Muster ablaufen und von denen es darüber hinaus nur eine Handvoll unterschiedlicher Varianten gibt.

Auch das daran gekoppelte Fertigkeiten-System offenbart schnell, dass sich bei Watch Dogs das Prinzip der Redundanz als Leitfaden durch die Spielmechanik zieht. Absolvieren wir nämlich nur oft genug ein und denselben Nebenmissions-Typ, werden wir mit der Verbesserung spezifischer Fertigkeiten belohnt. Das ist auf die Dauer nicht nur langweilig, sondern nervtötend.

Abgesehen davon werden wir im Laufe des Spiels mit Talentpunkten belohnt, die wir in einen üppig verzweigten Skill-Tree investieren dürfen. Hier können wir schrittweise Aidens Fähigkeiten in den Bereichen Hacken, Kämpfen, Craften und Fahren ausbauen. Zum Spezialisieren eignet sich das Level-System zwar nicht, dafür bietet es einen kontinuierlichen Fortschritt, der motiviert.

Weitere unterhaltsame Features sind die Mini-Spiele, die wir in Form von Apps über Aidens Smartphone aktivieren können. Hier hält Watch Dogs eine Reihe unterschiedlicher Arcade-Games bereit, derer wir uns in-game jederzeit annehmen dürfen.

Auch die Multiplayer-Missionen, bei denen wir andere Spieler unbemerkt hacken oder beschatten müssen, uns ein Rennen mit ihnen liefern oder einfach gemeinsam auf Entdeckungstour durch Chicago gehen, bieten eine willkommene Abwechslung zur Tristesse, die sich schnell abseits der Hauptstory einstellen kann.

Fazit

Watch Dogs entpuppt sich als Startschuss eines neuen Franchise, der allerdings mit dem Schalldämpfer abgefeuert wurde. Sicherlich stellt das Hacking-Thema einen überzeugenden, unverbrauchten Ansatz dar, der neue Möglichkeiten im Spieldesign auslotet. Leider bildet diese Innovation aber das einzige identitätsstiftende Merkmal der neuen Marke "Watch Dogs".

Schlimmer noch: Es scheint mit Abstand die einzig genuine Kreativleistung der Entwickler gewesen zu sein. Ansonsten geht Watch Dogs nämlich auf Nummer Sicher und klammert sich durchgehend an etablierten Spielsystemen fest und verschenkt damit Potenzial.

Wer an GTA seine Freude hatte und mit Titeln aus dem Hause Ubisoft etwas anfangen kann, darf bei Watch Dogs mit einer befriedigenden Spielerfahrung rechnen. Spieler, die auf etwas bahnbrechend Neues hoffen, müssen sich wohl noch etwas gedulden, bis die Entwickler – beim zweiten Teil vielleicht – den Mut finden, sich von überstrapazierten Schablonen zu lösen.

Watch Dogs

Ubisoft

Erhältlich für PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One

Angespielt auf der Playstation 4

USK ab 18

www.watchdogs.ubi.com

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