Frans Zimmer von "Alle Farben"
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21. Jun 2016

Entertainment

Im UNICUM Interview: Alle Farben

UNICUM sprach mit Frans Zimmer über sein Debütalbum

"Viele haben gesagt: Es muss ja gut werden"

UNICUM: Dein erstes eigenes Album erscheint nun. Warum jetzt ein eigenes Album nach deinen diversen erfolgreichen Podcasts und Remixes?Frans Zimmer: Der Gedanke ein eigenes Album zu produzieren besteht schon sehr lange. Aber ich war bisher der Meinung, dass ich noch nicht so weit bin. Anfang letzten Jahres habe ich dann gemerkt: Okay, jetzt bin ich soweit! Da vor allem sehr viele Augen auf mich gerichtet waren, war die Erwartungshaltung sicherlich auch größer als bei jemandem, der aus dem Nichts kommt.

Das Album trägt den sonderbaren Namen "Synesthesia". Übersetzt bedeutet das: Das Wahrnehmen von Farben und Formen. Wie sollen die Leute "Synesthesia" wahrnehmen?Der Arbeitstitel des Albums war "I think in Colours that don’t exist". Dann hab ich das mal gegoogelt und bin auf "Synesthesia" gestoßen. Und das passte wie die Faust aufs Auge. Und ich dachte mir:  Wow, das ist es. Jeder hört Musik anders und jeder nimmt Musik anders wahr.

Alle Farben ist mittlerweile fast allen jungen Leuten ein Begriff. Wie kamst du mit der Erwartungshaltung und dem Druck bei der Produktion des Albums zurecht? Viele haben gesagt: Es muss ja gut werden. Aber eigentlich wachse ich unter Druck. Für mich war es eine Herausforderung und ich war einer Aufgabe gegenübergestellt, die ich lösen wollte. Es gibt aber natürlich auch Druck, wenn du zum Beispiel deine Freizeit teilweise aufgeben musst, weil du von Stadt zu Stadt unterwegs bist.

Deine Sets von YouTube und Soundcloud laufen auf jeder WG-Party und alle tanzen. Die Musik vom neuen Album hingegen wirkt hingegen ruhiger, vielleicht sogar melancholischer und weniger tanzbar, oder siehst du das anders?Ja schon, aber ich hab viel mehr das geschaffen, was ich schaffen wollte: Eine musikalische Reise unabhängig von einzelnen Musikrichtungen. Ich wollte ein Album schaffen, was man sich anhören und sich wohlfühlen kann. Man kann sicherlich zur Hälfte der Tracks gut tanzen, aber es hat sich auch viel geändert im Vergleich zu meinen Podcasts. Ich werde trotzdem auch weiterhin diese Art der Podcasts machen. Es war für mich eher ein Herzenswunsch, was anderes zu machen und mich auszuprobieren.

Deine Tracks auf dem Album heißen "Face to Facebook" und "Metaphysik der Röhren". Wie kommst du auf die Titel und haben sie eine spezielle Bedeutung?"Face to Facebook" ist so ein bisschen gesellschaftskritisch, weil man sich halt nur noch über Facebook trifft. Ich hab den Titel eigentlich aus einer kleinen Ausstellung in Irland herausgezogen. Da waren nur Facebook-Profilbilder ausgestellt. So kam ich auf den Namen "Face to Facebook". "Metaphysik der Röhren" (ein weiterer Track, Anm. d. Red) ist eins meiner Lieblingsbücher. In dem Buch geht es um ein Neugeborenes mit Bewusstsein, das denkt, es sei eine Röhre. Ein sehr philosophisches Buch, welches du aber als Teenager schon gut verstehst und sich noch immer schön liest. 

"Das Schlimmste ist, die Zeit totzuschlagen"

Wenn du auf Tour bist, spielst du jeden Tag einen Gig in einer anderen Stadt. Wie reist du?Ich hab eine gewisse Routine beim Reisen, anders kommt man nicht damit zurecht, weil es schon sehr anstrengend ist. Das schlimmste am Reisen ist, die Zeit totzuschlagen. Ich hab schon alles Mögliche versucht. Ich habe immer DVDs dabei, schaue unterwegs Filme und lese. Einen Game Boy hab ich mir auch gekauft, aber irgendwann kannst du das alles nicht mehr hören und sehen.

Sei mal ehrlich: Weißt du immer genau, in welcher Stadt du gerade bist oder wo du morgens aufwachst?(lacht) Das schrecklichste ist, morgens im Hotel aufzuwachen und nicht zu wissen, in welcher Stadt du gerade bist. Das habe ich schon mehrmals gehabt.

Lernt man auf diese Art auch Städte kennen und kriegt etwas von diesen mit oder ist es nur ankommen, im Club auflegen und weiterfliegen?Manchmal ist es mein Wunsch, mir etwas Bestimmtes anzusehen. Zum Beispiel bin ich morgen in Augsburg und sehe mir da die Augsburger Puppenkiste an. Aber normalweise bleibt sonst wenig bis keine Zeit für solche Dinge.

Vom Künstler zum Konditor zum Musiker

Du wolltest Kunst studieren. Warum hat das nicht geklappt?Ja, ich hab mich bei Universität der Künste in Berlin vorgestellt, wurde aber nicht genommen. Dann habe ich eine Privatschule besucht und habe Grafikdesign gemacht. Das war sehr teuer, ich konnte es mir kaum leisten. Das habe ich anderthalb Jahre gemacht und schließlich gemerkt, dass das überhaut nicht meins ist. Ich wollte mit den Händen arbeiten.

Das hast du dann ja auch - als Konditor! Auch kein gewöhnlicher Job, oder?Konditor fand ich seit frühester Kindheit ungemein spannend.  Ich habe in einem Café gearbeitet und hatte dadurch sehr viele Freiheiten. Der Konditor-Job gab mir die Freiheit in den Nächten aufzulegen und das zu verfolgen, worauf ich Lust hatte. Ich hab zu den unmöglichsten Zeiten gearbeitet. Eine sehr lustige Zeit.

Aber dein Künstlername "Alle Farben" klingt dann doch wieder nach Kunst. Wie kam es zu dem Namen?Ich hieß vorher "100 Farben" und zwar inspiriert vom Künstler Hundertwasser (Friedensreich Hundertwasser; Anm. d. Red.). Da ich Kunst studieren wollte, habe ich mich viel mit Kunst auseinandergesetzt und der Name und der Künstler haben mir gefallen. Der Name hat sich zu "Alle Farben" entwickelt, weil es dann irgendwie schlüssiger war und schöner klang. Der Name hat sich mit der Musik weiterentwickelt.

Auf einmal wird dein eigener Song "She Moves" im Radio gespielt. Wie fühlt sich das an?Ich hab das so nicht erwartet. Das erste Feedback war der Wahnsinn und alle Radiosender haben auf einmal gesagt, dass sie den Track spielen werden. Ich hab’s im Radio noch gar nicht selber gehört, stelle jetzt aber zum Frühstück immer die Sender an, auf denen es laufen könnte (lacht).  Das ist schon ein neues Gefühl.

Bringt das auch Probleme mit sich? Kritisieren dich beispielsweise Freunde, weil du jetzt im  vermeintlichen Mainstream angekommen bist und deine Songs im Radio laufen?Nein. Meine Freunde wussten, dass ich für meinen Erfolg gekämpft habe. Ich bin auch niemand, der sagt "Ich mach einen Track und es wird schon laufen". Ich habe schon immer hart gearbeitet. Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig. Und das wissen auch meine Freunde und unterstützen mich.

Alle Farben legt auf. Alle tanzen. Was bedeutet das für dich, wenn die Menschen bei deinen Auftritten tanzen, abgehen und durchdrehen?Das ist natürlich total berauschend. Man spielt sein eigenes Lied und du hast die Menge, die dann dazu abgeht.  Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Der Sommer beginnt und damit auch die Festival-Saison. Freust du dich da besonders darauf und was sind deine persönlichen Festival-Highlights?Ich freue mich riesig auf die Festivals diesen Sommer, denn ich liebe Open-Airs. Besonders freu ich mich dieses Jahr wieder aufs Dockville. Das war letztes Jahr einer der besten Aufritte von mir. Ansonsten freue ich mich auf viele Festivals, auf denen ich noch nicht war. Zum Beispiel Nature One, SonneMondSterne und Melt!.

Kurz nachgefragt

  • Helene Fischer oder Florian Silbereisen(lacht) Oh Gott... Helene Fischer.
  • Aspirin oder Konterbier?(lacht)...Aspirin.

  • Selfie oder Harlem Shake?(schmunzelt) Selfie. Vielleicht ist es sogar was Persönliches. Ich hab Baauer (bekanntester Track: "Harlem Shake", Anm. d. Red.) mal kennengelernt und fand den super unsympathisch. Der hat nach mir gespielt und mega gedrängelt.
  • Kalte Pizza oder kalte Pommes?Kalte Pizza! Aber die darf ich leider nicht essen, weil ich kein Gluten vertrage. Kalte Pommes sind widerlich!  
  • Pflanzen- oder Fleischesser?Beides. Da ich mich sehr viel mit Kochen beschäftige. Ich koche oft  vegan aber auch mit Fleisch.
  • Putzen oder Putzen lassen?(lacht) Putzen lassen. Eindeutig. Ich arbeitete lieber doppelt so viel mit dem was mir Spaß macht als nur halb so viel mit dem was mir nicht so Spaß macht.

UNICUM MUSIKTIPP

Synesthesia

Alle Farben

B1 Recordings (Sony Music)

VÖ: 23.05.2014

www.alle-farben.com

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