Emma Watson
Noah
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09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Interview: Emma Watson

-ARCHIV-

UNICUM sprach mit der Schauspielerin über ihren Film "Noah" und ihr Studium

"Mein Studium ist ein Fels der Normalität"

UNICUM: Du hast den Sprung zu großen Hollywood-Rollen geschafft. Das Bibelepos "Noah" – wo du an der Seite von Oscar-Gewinner Russell Crowe spielst – ist ein Beleg. Wie leicht war das?Emma Watson: Es war auf jeden Fall nicht selbstverständlich. Jedes Mal, wenn ich mich für eine Rolle bewerbe, weiß ich, dass ich mich neu beweisen muss. Früher hatte ich noch die Einstellung "Besetzt mich, wenn ihr Lust dazu habt", jetzt bin ich viel fokussierter und auch offensiver. Ein Regisseur wie Darren Aronofsky, der "Noah" machte, muss wissen, dass er mir so ein wichtiges Projekt anvertrauen kann.

Genießt du es, Teil der Hollywood-Szene zu sein?Ich lebe nicht in Los Angeles. Das halte ich vielleicht mal für eine Woche aus. Für mich ist das wie ein fremder Planet. Für alles musst du das Auto nehmen. Und du triffst dort kaum normale Leute, die sich für was anderes außer Filmemachen interessieren. Das ganze Geschehen in der Stadt dreht sich um Celebrities und rote Teppiche.

Letzteres sollte dir doch vertraut sein ...Eigentlich schon. Aber auf dem roten Teppich werde ich total nervös, denn da brüllen alle möglichen Leute aus Leibeskräften meinen Namen. Wenn ich eine Premiere absolviere, dann kann ich danach vor lauter Aufregung nicht schlafen. Bei solchen Auftritten rette ich mich nur, indem ich so tue, als wäre ich eine andere Person.

Was hilft dir, dich selbst wieder zu finden?Meine Eltern haben da eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Sie waren immer recht streng und achteten auf meine Disziplin. Schule und Lernen standen für sie an oberster Stelle. Ich bin auch nicht in einer Medienstadt aufgewachen, sondern im ländlichen Oxford. Mein Vater ließ meinen Bruder und mich nicht mal fernsehen. Meine Eltern wollten immer, dass ich mich auf meine Ausbildung konzentriere.

Wie war es dann, als du aus dieser behüteten Welt in den "Harry Potter"-Zirkus gekommen bist?Es gab durchaus Momente, wo ich davon überwältigt war. Jeder normale Mensch wäre das gewesen. Ich war erst zehn, als das alles anfing. Zum Glück hatte ich Leute, die mich unterstützt und aufgefangen haben, wenn es mir zu viel wurde. Aber am schwierigsten war es, zu wissen, was ich wollte, und das auch durchzusetzen. Im Showbusiness schreibt man dir gerne vor, welchen Weg du einzuschlagen hast. Und ich habe lautstark versucht, auf meiner Position zu bestehen. Was mir aber nicht immer gelungen ist, das muss ich zugeben.

Das klingt allerdings nicht gerade lustig.Aber es half mir, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. So war es für mich auch klar, dass ich auf die Universität gehen würde. Mein Literaturstudium ist ein wunderbarer Gegenpol zum Filmemachen – ein richtiger Fels der Normalität. Im Mai werde ich jetzt meinen Abschluss an der amerikanischen Brown University machen. Ich finde es total aufregend.

Was war der Titel deiner letzten Seminararbeit?Den willst du wirklich wissen? Oh mein Gott, das war vor Weihnachten. Irgendwas mit Kants Theorie der Ästhetik – in Literaturtheorie. Aber ich kann mich kaum noch erinnern.

"Mit Komik überstehe ich alle Situationen"

Hattest du keine Bedenken, dass du wegen des Studiums deine Karriere vernachlässigst?Ich habe noch den ganzen Rest meines Lebens vor mir, um zu arbeiten. Und jetzt bin ich noch in einem Stadium, wo ich total viel zu lernen habe. Ich wollte mich weiterentwickeln, ich wollte wissen, wie es ist, fern von Zuhause in einem anderen Land zu leben. Und jetzt weiß ich, dass ich auch allein, ohne Unterstützung meiner Familie, klar komme. Außerdem habe ich es sehr genossen, ein relativ normales Leben zu führen. Deshalb habe ich zwölf Monate nicht gedreht. Abgesehen davon macht Bildung dein Leben persönlich und beruflich um so vieles reicher.

Wie normal und frei ist dein Leben eigentlich? Es hängt immer davon ab, was ich mache. Wenn ich in Trendrestaurants gehen würde, dann wäre das ein Problem. Deshalb versuche ich an Orten zu verkehren, die alles andere als angesagt sind. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Und im Alltag spaziere ich ganz normal durch die Straßen. Ich muss das nur ein wenig planen. Wobei mir das nicht immer gelingt.

Was passiert dann?Es kann passieren, dass ich alleine im Central Park spazieren gehe, und auf einmal finde ich mich dann von einer Gruppe aus 50 Touristen umringt. Dann denke ich mir bloß: "Wie konntest du nur so dumm sein!"

Wie kriegst du nach so etwas wieder gute Laune?Dafür habe ich meine Tiere: wenn ich mit denen Zeit verbringe, dann fühle ich mich automatisch wohl. Sie bringen mich so sehr zum Lachen. Ich habe zwei Katzen, die sind einfach köstlich mit ihren ganzen Manierismen und Eigenschaften. Eine hält sich definitiv für ein menschliches Wesen und benimmt sich auch dementsprechend. Aber ich bin auch sonst jemand, der die komischen Seiten der Dinge sieht und kann über mich selbst lachen – sogar darüber, wie kaputt und erschöpft ich bin. Mit Komik überstehe ich auch Situationen wie die im Central Park.

UNICUM Kinotipp

In ihrem neusten Kinofilm spielt Emma Watson Ila, die Freundin von Ham (Logan Lerman) und Shem (Douglas Booth). Deren Vater Noah (Russell Crowe) hat von Gott persönlich den Auftrag bekommen, eine Arche zu bauen, um so das irdische Leben vor der bevorstehenden Apokalypse durch eine gigantische Sintflut zu retten.

Regisseur Darren Aronofsky ("The Wrestler", "Black Swan") bringt die bekannte biblische Geschichte als bildgewaltiges Film-Epos auf die große Leinwand.

"Noah", ab dem 3. April 2014 in den deutschen Kinos

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