Jan Delay
Foto:

21. Jun 2016

Entertainment

Im UNICUM Interview: Jan Delay

UNICUM sprach mit dem Musiker über sein neues Album "Hammer und Michel"

"Da ist Peter Fox! Ach ne, das ist der andere"

UNICUM: Das Video zum Song "Wacken" hast du letztes Jahr undercover auf dem Metal-Festival gedreht. Würdest du die Eier haben, beim Wacken Open Air aufzutreten?Jan Delay: Ja klar. Natürlich wäre ich aufgeregt. Aber ich bin ja überzeugt von dem, was wir machen! Mit unserer alten "Wir Kinder vom Bahnhof Soul"-Show würde ich da nicht auftreten, aberwir haben mit "Hammer und Michel" durchaus richtige Bretter mit geilen Riffs am Start. Und ich habe eine geile Band mit starken Songs. Ich würde das gerne machen.

Mal anders herum: Meinst du, dass Hip-Hopper positiv darauf reagieren würden, wenn eine Rockband zum Splash kommen würde, um da ein Video zu machen?Voll. Als mein Video zu "Wacken" herauskam, haben sich ein paar Metal-Puristen bei mir beschwert. Ich habe ihnen geantwortet und gesagt, dass sie sich entspannen sollen, weil ich mich nicht in ihr Ding und ihre Musik einzecken will, sondern einfach nur einen starken Song gemacht hab und ein Video dazu gedreht habe. Wenn andersherum irgendwelche Black-Metal-Typen auf das Splash kommen würden, um ein Video zu drehen, wäre ich der Erste, der das feiert. Und die anderen 20.000 Leute auch, da lege ich meine Hand für ins Feuer. Weil dort eine so hohe Toleranz herrscht, die würden alles feiern. Es sei denn, es handelt sich um Freiwild.

Wie haben die Leute dich denn angenommen, als du auf dem Wacken gedreht hast?Ich war gar nicht auf die Leute um mich herum konzentriert, sondern bin die ganze Zeit dort herumgelaufen und habe darau fgeachtet, wo die Kameras sind. Das war ja ein Undercover-Dreh. Aber ein paar Leute haben mich schon erkannt, manchmal wurde mir auch so etwas hinterher geschrien wie: "Hey Mc Fitti!" Aber mein Favorit an dem Tag war eigentlich: "Da ist Peter Fox! Ach ne, das ist der andere."

Was hätte dein 18-jähriges Ich gesagt, wenn man ihm deine neue Platte vorgelegt und gesagt hätte: Das ist die Musik, die du mal in 20 Jahren machen wirst?Ich hätte wohl gesagt: derbe Mukke! Wahrscheinlich hätte ich es krass gefunden, dass es kein Hip Hop ist – aber die Musik an sich trotzdem gefeiert. Ich habe ja schon immer alles Mögliche aus ganz verschiedenen Bereichen gehört. Das, was ich jetzt mache, ist zwar Rock mit zwei lauten Gitarren, aber in der Musik stecken auch noch viele andere musikalische Einflüsse. Das Album ist trotzdem zum Tanzen und es ist funky.

Was hat Jan Delay gegen dicke Kinder?

Es herrscht oft viel Intoleranz zwischen den Szenen. Gerade wenn man mit einer Musikrichtung wie Hip-Hop aufgewachsen ist, war es früher uncool, noch andere Sachen zu hören.Die Zeit ist vorbei. Durch das Internet verbreitet sich so viel Musik, es ist wie ein Paradies. Alle können alles hören. Es gibt diese Barrieren und Genres nicht mehr.

Du hast in den letzten Jahren mit vielen Genres experimentiert und dich viel getraut. Hast du trotzdem manchmal Angst davor,dass du mit einer neuen Platte floppen könntest?Natürlich mache ich mir Gedanken darüber – aber nicht im Hinblick auf Verkaufszahlen, sondern weil ich Angst habe, meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Oder mir zu viel vorgenommen zu haben .Aber ich habe letztendlich so viele Erfolge gefeiert, dass ich denke: Wenn ich am Ende komplett zufrieden mit den Sachen bin, wird es auch ein paar Leute da draußen geben, die es mögen und meinen Geschmack teilen. Das hat die Zeit einfach gezeigt. Deshalb weiß ich, dass es kein Totalflop wird. Und selbst wenn die Leute die Platte nicht kaufen, kommen sie noch zu meinen Konzerten, weil wir eine geile Show haben.

Was hast du eigentlich gegen dicke Kinder? Über die hast du einen ganzen Song geschrieben.Überhaupt nichts. Ich habe was gegen die Eltern. Wenn das in dem Song nicht rüberkommt, dann tut es mir leid. Es gibt meiner Meinung nach zu viele dicke Kinder, das ist gefährlich. Die Leute sollten ihre Kinder nicht nur Mist essen lassen – sondern sie vernünftig ernähren. Es ist eine Lüge, dass das mehr Geld kostet, es kostet höchstens zu viel Zeit. Solche Themen spreche ich aber übrigens nur in meinen Songs an, wenn ich eine gute Story dazu habe. Bei "Dicke Kinder" war das der Fall.

Kurz nachgefragt

  • Auf was gibst du auf keinen Fall einen Fick?Auf Ernährung und dumme Eltern. Und Offenheit, Kreativität und Intelligenz.
  • Luftgitarre oder Luftschlagzeug?Beides. Und Bass auch noch. Ich bin eine Luftband.
  • Snooze-Funktion oder sofort aufstehen?Snooze.#
  • Wovon bekommst du sofort gute Laune?Vom Song "Burning down the House" von Talking Heads in der Live-Version auf dem Album "Stop Making Sense".

UNICUM Musiktipp

Hammer und Michel

Jan Delay

Universal Music

VÖ: 11.04.2014

www.jan-delay.de

Artikel-Bewertung:

3.05 von 5 Sternen bei 146 Bewertungen.