Miss Platnum im Interview zu ihrerm neuen Album "Glück und Benzin"
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21. Jun 2016

Entertainment

Im UNICUM Interview: Miss Platnum

Erste Platte auf Deutsch: Interview zum neuen Album "Glück und Benzin"

"Ich habe diese Herausforderung gesucht"

UNICUM: Was machst du an dem Tag, an dem dein Album auf den Markt kommt?Miss Platnum: An dem Tag bin ich auf Tour. Ich habe schon mit den Leuten von meinem Label besprochen, dass die dann dahinkommen und wir Champagner trinken. Vielleicht schon zum Frühstück. ’ne Idee wäre auch, tagsüber mal schnell zu Media Markt zu gehen und zu schauen, wie das Album dort steht.

"Glück und Benzin" ist dein viertes Album, aber dein erstes auf Deutsch. Warum jetzt auf Deutsch?Vor allem, weil ich diese Herausforderung gesucht habe. Ich habe früher gesagt: Ich werde niemals eine Platte auf Deutsch machen! Aber man darf eben niemals nie sagen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich mit der Miss Platnum, wie sie vorher war, also mit dem ganzen Balkan-R’n’B und auch mit der Kunstfigur, an Grenzen gestoßen bin. Ich wollte etwas Neues machen. Auf Deutsch zu singen bedeutet auch, viel nackter dazustehen. Dazu war ich jetzt bereit.

Inwieweit arbeitet es sich denn anders mit der deutschen Sprache?Es ist auf jeden Fall nicht einfacher. Im Deutschen hat man viel mehr Möglichkeiten, Sachen auszudrücken. Ich musste mich viel länger mit dem Text beschäftigen. Dadurch werden die Texte aber auch viel persönlicher und emotionaler, weil man die Texte viel mehr auf den Punkt bringen kann. Das war ein Prozess, bei dem ich eine neue Sprache für Miss Platnum entwickeln musste, und ich kann dabei nicht jedes Wort in den Mund nehmen und es hört sich geil an. Manche deutschen Wörter klingen einfach nur beschissen.

"Die Lehrer fanden mich toll, die Schüler scheiße"

Du kommst ursprünglich aus Rumänien. Den Draht zu dem Land scheinst du ja trotzdem nicht verloren zu haben – ihr habt das Video zu "99 Probleme" in Bukarest gedreht. Entspricht das Bild, das die Medien hier von Rumänien vermitteln, eigentlich der Realität?Nein, das entspricht dem, glaube ich, überhaupt nicht. Bukarest ist vielleicht ein bisschen wie Berlin. Das ist eine europäische Großstadt. Natürlich gibt es diesen rumänischen Einfluss und du spürst die Mentalität. Die jungen Leute sind hungrig nach Reisen und danach, die Stadt mit zu gestalten. Und nach Kultur. Hier werden gerne Dörfer aus der letzten Ecke porträtiert, wo man immer noch draculamäßig Leichen einen Dolch ins Herz rammen muss, sie dann verbrennt und die Asche trinkt. So was könnte man hier in Deutschland, wahrscheinlich irgendwo in Bayern, auch finden.

Als du mit acht Jahren nach Deutschland gekommen bist, wie wurdest du da von deinen Mitschülern aufgenommen?Das war schwierig. Ich hatte eine ganz krasse Hornbrille mit ganz dicken Gläsern, die mit einem Klebeband geklebt war, und hatte von allem immer nur die Aldi-Version. Wir haben ganz zu Anfang in einer Einzimmerwohnung in einem Seniorenheim gewohnt und ich habe mich nie getraut, Freunde mitzunehmen, weil mir das peinlich war. Ich war sehr gut in der Schule und weit voraus, was Schulbildung anging. In Rumänien waren wir schon einen Schritt weiter. Außerdem war ich sehr brav und gehorsam, weil die Erziehung in der Schule viel strenger war. Schon dadurch bin ich zur Zielscheibe geworden. Die Lehrer fanden mich alle toll, die anderen Schüler dann eben scheiße und haben mich im klassischen Sinne gemobbt. Ich habe dann relativ schnell gelernt, wie ich mich wehre. Nicht mit Aggressivität, sondern nicht zu reagieren.

Was für ein Abi hast du gemacht und hast du danach direkt deine Gesangskarriere gestartet?Ich habe mein Abi mit 2,5 gemacht – mit den Leistungskursen Englisch und Musik. Danach habe ich mich erst einmal für ein Romanistik-Studium eingetragen, bin da aber nur wenige Male hingegangen und habe dann geschmissen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits Gesangsunterricht. Da stand für mich schon fest, dass ich singen will. Meine Eltern haben mich allerdings nicht sonderlich ermutigt und wollten, dass ich erst einmal etwas Ordentliches lerne. Auf einmal hat das Universum mich dann mit einigen Jobs beschenkt und dann fing ich ziemlich bald an, als Background-Sängerin und im Studio Geld zu verdienen. Ich bin damals mit Vanessa Mason auf Tour gegangen und so kam dann eins zum andern. Dann habe ich meinen Eltern irgendwann verkündet: Ich bin jetzt Sängerin und ich ziehe jetzt aus! Und ich will auch kein Geld von euch haben. Sicherlich hätte ich mit ’nem Musikstudium auch vieles erreichen können, aber für mich war es der richtige Weg, auf der Straße und in der Praxis den Beruf zu lernen.

"Man braucht Leute, die einen unterstützen"

Du singst in deinem Song "99 Probleme": "Ich mache keine Musik für kleine Jungs und Mädchen." Machst du etwa Musik ü18?Nein, überhaupt nicht! Was mich stört, ist die Art, wie viele junge Leute Musik heute konsumieren. Dreißig Sekunden reinhören und sofort sagen: mag ich nicht, find ich scheiße und am besten auch noch einen vernichtenden Kommentar darunterschreiben. Darauf zielt das hin. Dass ich gerne Musik mache für Menschen, die sich damit auseinandersetzen, sich die ganze Platte anhören und sich die Geschichte dahinter angucken. Da gibt es bestimmt auch Mädchen und Jungs, die das machen (lacht).

Ihr seid ja quasi so was wie ein Clan: du, Marteria, Yasha, eure Produzenten. Man findet euch immer wieder gegenseitig auf den Platten oder bei Auftritten wieder. Wie wichtig ist so ein Familiending?Es ist schön zu sehen, was für eine Kraft in unserer Zusammenarbeit steckt und was für ’ne Energie wir freisetzen können. Weil wir dieselbe Sprache sprechen und einen ähnlichen Geschmack haben, was Musik angeht. Allein schafft man das nicht, man braucht Leute, die einen unterstützen und den Rücken freihalten.

Du scheinst auch privat eng mit Marteria und Yasha befreundet zu sein. Bist du dann auch der Typ, der generell gut mit Kerlen kann und weniger die Mädelsabende zelebriert?Ja, auf jeden Fall. Ich habe natürlich auch Freundinnen, aber ich glaube, so einen typischen Mädelsabend habe ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gemacht. Am Anfang dachte ich auch: Stimmt irgendwas nicht mitmir? Aber das ist einfach so. Ich habe überhaupt gar nichts gegen Frauen, ich feature Frauen ja auch stark in meiner Musik und in den Videos. Aber in meinem privaten und beruflichen Leben sind halt viele Typen und ich komme einfach gut mit Typen klar.

Es gibt ja immer wieder Leute, die sagen: Freundschaften zwischen Männern und Frauen können nicht funktionieren. Gibt es zu Beginn bei dir auch immer Stress, bis geklärt ist, dass man befreundet ist?Ja, aber ich finde, man kann mit ’nem guten Freund ja auch mal flirten. Flirten gehört für mich zum guten gesellschaftlichen Ton dazu. Es macht einfach Spaß und ist was ganz Natürliches.

Kurzfragen

  • Bei der Person habe ich die größte Angst, wenn sie meine Platte zum ersten Mal hört:Annette Humpe
  • Das trage ich am Mittag nach ’nem Partyabend:Meinen Morgenmantel
  • Kopfhörer: in ears, over ears, on ears?Im Studio natürlich over ears, auf der Straße in ears
  • Echtfell oder Kunstfell?Kunstfell!
  • Ein Jahr ohne Sex oder ein Jahr ohne geiles Essen?Harte Frage!! (denkt lange nach) Ohne geiles Essen!

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