Nomfusi Goytana auf der Bühne
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21. Jun 2016

Entertainment

Im UNICUM Interview: Nomfusi Gotyana

Die 27-Jährige bringt Soulpower aus Südafrika nach Deutschland

"MUSIK IST DIE SPRACHE DES HERZENS"

Glücklich, sehr natürlich und hochaufmerksam. So nehme ich Nomfusi Gotyana in ihrer Garderobe in dem Münsteraner Hot Jazz Club war. Die südafrikanische Musikerin ist schon durch so viele Schwierigkeiten gegangen, dass eine schlichte Grippe sie nicht aus der Balance haut. Sie weiß meine Idee, ihr eine Hühnersuppe zu kochen, zu schätzen und fängt dann an, meine Fragen zu beantworten.

UNICUM: Zwei Wochen lang bist du durch Deutschland und vier weitere europäische Länder getourt. Worauf blickst du jetzt zurück?Nomfusi Gotyana: Es war wirklich schön. Ich hatte mich ja entschlossen, viel von meinen neuen Sachen zu präsentieren. Und die Menschen haben über meine Erwartungen hinaus positiv reagiert. Wenn du nach Europa kommst, dann erwarten viele Leute, dass du traditionelle afrikanische Musik spielst. Und obwohl ich auch in meiner Muttersprache Xhosa gesungen habe, waren doch viele andere Stücke dabei. Und mir wurde wieder einmal klar, dass Musik doch die Sprache des Herzens ist.

Frage einen Deutschen nach Südafrika und er erzählt von wahnsinnig schönen Landschaften, den "Big Five"-Safaris und dem Rotwein aus dem Supermarkt. Was inspiriert dich, wenn du an Südafrika und seine Menschen denkst?Was mich am meisten inspiriert ist zu sehen, wie stark Südafrikaner sind in ihrem Willen zu überleben und das Leben zu gestalten. Das ist wirklich überwältigend.

Deine Musik hat ihre Wurzeln in Motown, was für Soul, Funk und R&B steht. Und sie hat sie in Sophiatown. Dieser legendäre Stadtteil von Johannesburg ist bekannt dafür, ein Schmelztiegel zu sein für musikalische Ideen und Aufbrüche. Welchen Einfluss hat all das auf deine Musik?Die Geschichte und der Einfluss aus Motown oder Detroit auf die Musikgeschichte ist ja bekannt. Mit Sophoiatown sieht das vielleicht anders aus. Das war ein Ort, an dem wir Südafrikaner die Möglichkeit hatten, der Unterdrückung zu entfliehen und unter uns zu diskutieren, was der nächste Schritt sein könnte. Die Leute trafen sich da in den Shebeens, den Untergrundbars. Das schaffte einen Rahmen für soviel großartige Musik von dort. Auch als dann Miriam Makeba im Exil lebte, wurde durch diese Treffen doch viele Menschen mental gestärkt.

Von der Wirtschafts-Studentin zur Musikerin

Du bezeichnest dich als geborene Musikerin. Im Unterschied zu vielen anderen bist du wirklich eine professionelle Musikerin geworden. Gibt es in deinem Leben Schlüsselmomente für diesen Weg?Einer dieser Momente war 2008. Ich studierte da Rechnungswesen und konnte mir das Studium nicht leisten. So musste ich einen Job finden. Und das war für mich ein Wunder. Sie suchten eine Bedienung, die auch als Entertainer gut war. Zu diesem Zeitpunkt war mein Englisch nicht so gut und gekellnert hatte ich noch nie. So sang ich ein Lied von Whitney Houston vor. Es heißt: "I will always love you". Und die haben mich sofort genommen. Das war so ein Highlight, was viel für mich verändert hat. In dem Zusammenhang lernte ich auch meinen Manager kennen.

Du bist romantische 27 Jahre alt.  Aber du findest Liebe zu dir selber wertvoller.So ist es! Ich glaube nicht, dass du jemanden wirklich lieben kannst, wenn du dich selbst nicht lieben kannst und auch nicht weißt, wie du geliebt werden möchtest.

"Ich werde nie aufhören in die Höhe zu steigen" ist über dich im Musikmagazin "Rolling Stone" zu lesen. Das ist leicht zu verstehen. Doch dann ist da etwas zu lesen, was gleichzeitig irritierend, widersprüchlich und hochsympathisch klingt. Du sagst: "Ich will nie an die Spitze kommen."Na ja, das habe ich wohl so gesagt. Ich meine damit natürlich nicht, dass es nicht zählt, ob du im Leben etwas erreichst oder nicht. Natürlich wünsche ich mir auch ein gutes Leben. Aber ich möchte nicht diese Mentalität haben, die sich über andere stellt. Ich möchte immer dazu in der Lage sein, zu den Allerärmsten zu gehen und nahbar zu bleiben. Wenn Menschen berühmt sind und sich wichtig finden, wenn Menschen sich vor ihnen verbeugen, dann vergessen sie oft, woher sie eigentlich gekommen sind. Nein, das will ich nicht. Ich will nahbar bleiben.

Nomfusi Gotyana: Kurz & knapp

  • Die südafrikanische Botschaft bezeichnet Nomfusi Gotyana als "Neue Stimme aus Südafrika".
  • Die 27-Jährige musste viele Schicksalsschläge hinnehmen, bevor ihr Manager Phillip de Vielliers völlig unerwartet auf sie aufmerksam wurde.
  • Ihr erstes Album mit ausschließlich selbstkomponierten Songs erschien 2009 und ist nach ihrer Mutter "Kwazibani" benannt.
UNICUM Musiktipp

Take Me Home

Nomfusi Gotyana

Universal Music

VÖ: 2012

www.nomfusi.com

Das dritte Album wird im Frühjahr 2015 erwartet.

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