Weekend
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21. Jun 2016

Entertainment

Im UNICUM Interview: Weekend

UNICUM sprach mit dem Musiker und Sozialarbeiter über sein Album "Am Wochenende Rapper"

"Drei Minuten Fernsehen haben das ausgelöst"

Dein Album heißt "Am Wochenende Rapper". Innerhalb der Woche bist du ja Sozialarbeiter. Was genau machst du denn als Sozialarbeiter?Ich bin derjenige, der sich Familien anschaut und prüft: funktioniert das? Geht es den Kindern gut? Oder ich muss auch mal sagen: So geht das leider nicht weiter.

Wenn du auf der Arbeit Kontakt mit Familien hast – kommt es da vor, dass die sagen: "Hey, du bist doch dieser Rapper?"Es gab drei Fernsehbeiträge über mich auf RTL, RTL 2 und im WDR, die zu Tageszeiten gezeigt wurden, an denen die Leute, mit denen ich arbeite, Fernsehen schauen können. Das ist auch passiert und einige haben mich darauf angesprochen. Ich hätte zehn Jahre weiter Musik machen können und keiner hätte es gemerkt, aber diese drei Minuten Fernsehen, die haben das ausgelöst. Das ist aber kein Problem. Ich sage dann: Ja, das bin ich, wir können uns nachher auch gerne fünf Minuten dafür nehmen und darüber sprechen, aber jetzt bereden wir das, weshalb ich hier bin. Das hat bis jetzt geklappt.

Du hast beim Rappen früher viel mehr Kraftausdrücke benutzt. Bist du deshalb milder geworden?Beim Videobattleturnier habe ich gemerkt, dass ich ohne Kraftausdrücke auskomme. Ich sage ab und zu mal "du Arsch", aber das sind Ausdrücke, die man auch humorvoll im Gespräch sagen würde. Wenn ich jetzt Arbeitskollegen ein Lied zeige, dann muss ich mich nicht schämen.

"Ich freue mich fast drauf, dass alles etwas unsicherer wird"

Kannst du dieses "Am Wochenende Rapper"-Programm auf Dauer durchziehen? Das sind ja beides Vollzeitjobs ... Anfang 2013 habe ich meinen Job auf eine halbe Stelle reduziert und wie es aussieht, höre ich jetzt erst einmal auf, um mich auf meine Karriere als Musiker zu konzentrieren. Es ist zurzeit alles zu viel, ich habe keine Ruhephasen mehr, ich merke das körperlich deutlich. Ich saß gestern noch bis abends spät für eine Veranstaltung im Büro, heute Morgen sind wir losgefahren, 500 km Autobahn, kommen erst in drei Tagen nach drei weiteren Konzerten zurück, haben dann abends aber noch einen Dreh und am Tag darauf muss ich wieder ins Büro.

Fällt es dir schwer, deinen Job an den Nagel zu hängen?Ursprünglich ja, weil meine Entscheidung nach einer Jugendträumerei und einem Fehler klingt. Aber ich freue mich fast drauf, dass alles etwas unsicherer wird. Sonst hätte ich immer das Gefühl, eine Chance zu verpassen.

Du bist ein gutes Beispiel für einen neueren Typ Rapper – Leute mit Humor und eher der zugängliche Buddy von nebenan. Was ist aus deiner Sicht gerade los im HipHop?Ich glaube, in der deutschen Rap-Geschichte gab es vier große Hypes: ganz am Anfang mit den Fantastischen Vier, später diese Hamburgschule mit Eimsbusch und Samy Deluxe, dann gab es eine Zeitlang dieses Bushido-Straßen-Ding. Das war aber nicht gesellschaftsfähig. Da hat sich eine Subkultur entwickelt, in der sich nur noch die Subkultur selbst verstanden hat. Und ich hab auch immer gedacht, dass das so ein Loch ist, aus dem der deutsche Rap nicht mehr rauskommt. Aber irgendwie hat sich das in den letzten drei Jahren extrem gewandelt. Jetzt darf auf einmal alles existieren. Es gibt noch Straßenrap, aber einen, der unpeinlich ist und der in sich funktioniert. Und dann gibt es eine breite Skala: über witzigen Rap, Conscious-Rap bis hin zu einem lieben Cro. Auch Pop-Einflüsse sind erlaubt.

"Irgendwelche glücklichen Umstände haben es mir immer wieder leicht gemacht"

Es gab vor wenigen Monaten eine lustige Geschichte im Zusammenhang mit dem Cover des HipHop-Magazins "Juice". Auf das Cover schaffen es nur die allergrößten Stars im Rap. Du hast den Song "Ich will das Juice-Cover" herausgebracht und warst kurze Zeit später auf dem Titelbild. War es immer schon deine Art, hartnäckig für etwas zu kämpfen, das du unbedingt willst?Meine Mutter hat mal gesagt, dass es eigentlich unfair ist, wie mir alles im Leben zufällt. Irgendwelche glücklichen Umstände haben es mir immer wieder leicht gemacht. Ich bin beispielsweise ein Jahr lang nicht zur Schule gegangen und habe dann die Anmeldefrist für die neue Schule verpasst. Als ich vier Monate später zu einem Berufskolleg gegangen bin, hieß es: Wir sind voll, sorry! Dann lief zufällig der Stufenleiter über den Gang, hat das mitbekommen, mich zum Gespräch in sein Zimmer geholt und mir doch noch den Platz in der Klasse gegeben. Genau so lief es auch mit all meinen Jobs. Einmal kurz fragen und schon den Job bekommen. Bei der Musik war es nicht anders. Ich würde gar nicht sagen, dass ich ein besonders guter Rapper bin. Ich habe zweimal beim Videobattleturnier mitgemacht und beide gewonnen. Danach habe ich beim größten HipHop-Festival gespielt und dann den Plattenvertrag bekommen. Danach habe ich gesagt, dass ich jetzt aber auch das Juice-Cover will, und habe es bekommen. Ich zeige ein bisschen drauf, und es kommt zu mir. Das klingt unsympathisch, aber da steckt auch sehr viel Arbeit drin. Der Höhepunkt war sicherlich die Nominierung zur EinsLive- Krone. Als die angerufen und gesagt haben, dass ich nominiert bin, war ich fassungslos.

Was ist denn die nächste Sache, auf die du mit dem Finger zeigst?Irgendwie fühlt es sich vermessen an, da jetzt noch etwas zu nennen, nach all den Wünschen, die bereits in Erfüllung gegangen sind. Aber es gäbe schon noch Künstler, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde. Oder auf dem Rock am Ring zu spielen. Da spielen jedes Jahr schließlich nur zwei Rapper.

UNICUM Musiktipp

Am Wochenende Rapper

Weekend

Chimperator

VÖ: 30.08.2013

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