Bonaparte Album
The Return of ... Bonaparte aka Tobias Jundt | Foto: Melissa Jundt
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30. Mai 2017

Wiebke Mönning

Musik

Bonaparte: The Return of Stravinsky Wellington

Neuer Sound bei Bonaparte

Mit "Too Much" hat Bonaparte sich 2008 mit einem lauten Knall in der Musikszene ausgebreitet. Seitdem stehen Tobias Jundt und seine Band für Punk mit kritischen Parolen. Auf Konzerten sind ausgelassenes Tanzen und skurrile Bühnenshows angesagt. Jetzt ist das Alias des Schweizers mit dem fünften Album "The Return of Stravinsky Wellington" zurück. Und es klingt – anders.

Drei Jahre nach dem letzten Studioalbum des Songwriters erinnert "The Return of Stravinsky Wellington" fraglos immer noch an Bonaparte, setzt sich musikalisch aber von früheren Platten ab. Viel ruhiger, viel cleaner schallen uns die Sound hier entgegen.

Statt rotzigem Punk gibt es nun swingende Beats mit Brass-Elementen. Die elektronischen Versatzstücke sind auch weniger dick aufgetragen als in der Vergangenheit. Fast ginge das Album ein bisschen zu sehr in Richtung Pop, wenn es da nicht noch die Lyrics gäbe.

Hinter leisen Tönen stehen große Worte

Mit diesem Album beweist Jundt aka Bonaparte erneut, dass er ein begnadeter Songwriter ist. Melodie und Inhalt befanden sich bei ihm schon immer in einem Zwist, doch noch nie war die Musik so trügerisch einfach, was den kritischen Aussagen eine sehr subtile Kraft verleiht.

Bestes Beispiel ist der Opener "White Noize": In dem fast schon dahinplätschendern Song versteckt sich eine überaus kritische Haltung zur heutigen Gesellschaft. Melodie und Refrain umwickeln den Hörer mit einer entspannten Leichtigkeit, aber gleichzeitig dringt eine Traurigkeit durch, die bei näherem Hinhören die Entwicklungen der Redefreiheit beklagt. "Tweet, tweet, tweet, tweet... yeah" fasst ziemlich gut zusammen, wie alle reden, aber niemand etwas zu sagen hat.

Im Wechselbad der Musik-Gefühle

Nach den unaufgeregten Gitarren-Klängen von "White Noize" beginnt "Halfway House" mit einem gefühlvollen Moll-Akkord und fordert dann mit Brass und Beat zum Tanzen auf. Der Song bleibt im Zwiespalt – munterer Refrain, ansonsten eher aufreibend – und spiegelt damit sehr gut die Liebesgeschichte in der Entzugsanstalt wider, um die es geht.

Überhaupt geht es in den meisten Liedern um die verschiedenen Formen von Liebe: In "Fuck Your Accent" besingt Bonaparte die erotische Anziehungskraft von Sprache, "Let It Ring" rechnet in poppigem Elektro-Klang mit falschen Freunden ab, "Kinfolk" ist eine Indie-Liebeserklärung an Menschen mit "Summer in the Heart". Trotzdem ist das Album auf gar keinen Fall schnulzig! Vielmehr wechseln sich ruhige und energiegeladene Songs ab.  

Und dann gibt es noch "Melody X". Ein dramatisches Intro aus Streichern, Klavier und Glockenspiel läutet das "worst-case scenario lullaby" ein. Wenn die Musik auch ziemlich eindeutig Pop ist, so ist die Botschaft umso schöner: Lass dich nicht vom Scheitern aufhalten und kämpfe weiter für die Träume. Stark!

Fazit zu "The Return of Stravinsky Wellington

Mit dem Album steht Bonaparte mehr als nur eine Fußbreite im Indie. Was die vorigen Alben für dreckige, dunkle Clubs sind, ist dieses für eine Strand- oder Gartenparty – aber eine, die wie ein lang ersehntes Wiedersehen ist. "Meine bisherigen Platten waren vor allem für die Nacht konzipiert, diese passt zu allen Situationen des Alltags", sagt Jundt über sein Werk.

Und so ist es auch: Mit seinen Songs spricht er von Politik über Versagensängste direkt aus der Seele, ohne dabei schwer für die Ohren zu sein. Die klarste Message in "The Return of Stravinsky Wellington": "Now these days I’m feeling more like being myself / And that’s a good thing maybe you should try it yourself!"

Man merkt Jundt an, dass seine Familie auch ins Tonstudio eingezogen ist: Seine Frau hat mit ihm die Lyrics zu "Fuck Your Accent" geschrieben, seine Tochter schrieb "High Five In Your Face" und singt es auch. Selbst seine zwei Katzen sind mit "Hey (Is For Horses)" vertreten. Bonaparte schraubt deutlich zurück und zeigt dafür Herz.

"The Return of Stravinsky Wellington" ist nicht mehr so plakative Kritik wie einer seiner bekanntesten Songs "Anti Anti", aber wer die Öhrchen spitzt, hört doch noch kritische Worte in den Lyrics. Wer nicht so genau hinhört, hat trotzdem Spaß an der Musik!


Bonaparte The Return of Stravinsky WellingtonUNICUM Musik-Tipp

The Return Of Stravinsky Wellington

Bonaparte

Belive Digital / Bonaparte

VÖ: 02. Juni 2017

Artikel-Bewertung:

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