LaBrassBanda Interview
LaBrassBanda sind fünf Wochen lang um die Welt gereist | Foto: © Stefan Bausewein/Sony Music

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04. Apr 2017

Wiebke Mönning

Musik

LaBrassBanda im Interview: Vom Kuhstall hinaus in die weite Welt

"Vor der eigenen Haustür haben wir am meisten mit Klischees zu kämpfen"

UNICUM: Euer Album "Kiah Royal" hattet ihr damals 2014 im Kuhstall aufgenommen. Wie fanden die Kühe das?
Stefan Dettl: Die haben das lustig gefunden. Wir haben vorher a bissl Angst gehabt, ob das zu laut oder zu schrill ist. Deswegen haben wir die Lautstärke runtergesetzt, also war meine Stimme das lauteste Instrument. Die Kühe haben das honoriert und uns die Waden abgeschleckt. Es hat Reggae-Kühe und Techno-Kühe gegeben, Party-Kühe und Chill-Kühe. Das war ganz entspannt. Das Muhen war nicht das Problem, sondern das Kettenrascheln. Und wenn die gepisst und gekackt haben, das soll man sehr laut gehört haben.

Das ist mir nicht aufgefallen. Es scheint sich gut in eure Musik zu integrieren.
(alle lachen)

Ihr versucht, ein bayrisches, aber gleichzeitig hippes Image in die Welt rauszutragen. Auf wie viel Klischee trefft ihr bei euren Fans?
Manuel Winbeck: Wir kommen gerade von einer Welttour wieder und haben mit unseren eigenen Klischees kämpfen müssen. Ob Japan oder Brasilien, man hat immer eine Vorstellung. Die Fans, die uns kennen, die haben überhaupt keine Klischees von uns, weil die wissen, dass wir ziemlich normal ticken.
Stefan: Oder nicht!
Manuel Winbeck: Oder auch nicht, zumindest wissen‘s Bescheid, was sie erwartet. Ich glaube, am härtesten ist es tatsächlich, wenn wir in Bayern oder Österreich mit unseren Lederhosen auf der Bühne stehen und das Publikum einen noch nicht kennt. In Norddeutschland ist’s nie ein Problem, im Ausland ist’s nie ein Problem mit die Hosen.

Zu jedem Konzert gehört für euch ortsansässiges Bier?
Stefan: Gestern war ein Paradebeispiel. Wir haben schon viele belgische Biere getrunken, aber dann bist du in Belgien und hast eine ganz andere Bierkultur. Wir sind gestern mit Starkbieren in Kontakt gekommen. Das kommt im Schwenker, dann trinkst du so zwei, drei. Das ist eine andere Art von Rausch: Gemütlicher als das, was wir so in uns reinschütten.
Manuel Da Coll: Es entschlüsselt viel. Bevor man die Leute nach dem Konzert kennenlernt, hat man ja vielleicht schon das örtliche Bier getrunken und man weiß dann schon fast Bescheid, was auf einen zukommt. Mal bitter, mal süß.

Wer tanzt am besten? Die Japaner!

Wie ist das auf Tour: Singen die internationalen Fans auch mit?
Manuel Winbeck: Die haben schon mitgesungen, ja. Die singen dann aber nicht die Texte mit, sondern Refrains, für die sie keine Texte brauchen. International fast noch mehr als in Deutschland.

Kommt davon auch wieder was bei euch an? Oder ist das mehr wie beim Songverhörer-Klassiker "Anneliese Braun"?
Stefan: (singt mit) Selbst Anneliese Braun ist ja cool, wenn derjenige Spaß hat. Wenn du merkst, dass jemand singt und dass mit der Musik irgendwas passiert. Es gibt einen Song, der heißt "Bauer Bauer". Da singen alle "Power Power".

Welche Nation tanzt denn am besten?
Stefan: Ich glaube, die Japaner – wenn sie mal richtig loslassen! Dann haben die am meisten Spaß. Vietnam war auch cool. Ich glaube, überhaupt Länder, wo es einfach auch nicht so um Eitelkeiten geht.

Haben die Deutschen Probleme damit?
Stefan Dettl: Absolut. Die Bayern brauchen immer Alkohol, um frei zu werden. Also in Thüringen und Sachsen haben wir immer total schöne Konzerte gehabt, da ist das Tanzen ganz natürlich. Aber überhaupt haben wir in Deutschland noch ein bisschen was vor uns, dass wir a bissl entspannter werden, uns mehr auf die Musik einlassen und unsere Körper auch mal frei bewegen.

LaBrassBanda und der Super Bowl

Die Locations eurer Welttour habt ihr danach ausgesucht, wo ihr eh schon immer mal hinwolltet. Wo würdet ihr niemals ein Konzert spielen wollen?
Manuel Winbeck: München erstmal nimmer, oder? (alle lachen) Selbst wenn man von der politischen Situation ausgeht, würde man immer sagen, es lohnt sich da hinzufahren, weil es auch die Leute gibt, die da ein normales Leben führen. Denen kann man einfach eine schöne Zeit machen, wenn man da spielt. Da könnten wir eigentlich nichts wegstreichen.

Ihr wolltet beim Super Bowl spielen. Was habt ihr wirklich gemacht?
(alle kichern) Manuel Winbeck: Also einige Sachen würden dich beunruhigen! Über manche Sachen dürfen wir wirklich nicht reden, weil wir sonst nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Teile unserer Reisegruppe waren im Stadion, aber wie es dazu gekommen ist…

Das heißt, der Fragebogen im Flugzeug wird das nächste Mal ein bisschen mit Schamesröte betrachtet?
Manuel Da Coll: (kreuzt unsichtbaren Fragebogen an) Nein, nein, nein, nein, nein, JA, nein, nein, nein, nein.

LaBrassBanda Tournee

Von Quallen und Nachtschnecken: Die Bandmitglieder sind hart im nehmen

Was ist euch am Reisen auf die Nerven gegangen?
Stefan: Das Umsteigen oder so lange Aufenthalte am Flughafen. Wir hatten keine Probleme mit Übergepäck und Tuba, auf der ganzen Welt hat alles funktioniert. Da waren wir sehr glücklich.

Habt ihr irgendwas auf der Tour gegessen, was ihr am liebsten direkt ausgespuckt hättet?
Manuel Da Coll: Wir haben Hühner-Eierstöcke gegessen. Das war quasi der Eierstock mit mehr oder minder entwickelten Eidottern dran, ohne weiß drum und ohne Schale drum. Das schmeckt dann wirklich wie ein normales Eidotter. Es sind oft so Sachen dabei, wie Qualle in China, was echt nicht so verkehrt schmeckt, was einfach nur von der Konsistenz ungewohnt war.

Ihr tretet barfuß auf und geht schon mal von der Bühne runter. Was ist das ekligste, in das ihr jemals getreten seid?
Stefan: Du (zu Manuel Da Coll) bist doch mal in ein Maisfeld reingesprungen und hast dir die Fersen aufgeschnitten und dann ist Blut über die ganze Bühne runtergelaufen. Das war für mich sehr eklig.
Manuel Winbeck: Ja mei, das hat ja jeder schon, so Nacktschnecken oder so, wenn’s so zwischen den Zehen durch und dann "Pfft" macht. Hundescheiße noch nie, zum Glück!

"Im Studium hast du sehr viele Freiräume"

Einige von euch haben klassische Musik studiert. Ist das Kapitel Klassik abgeschlossen?
Stefan: Naa, ich würde sogar sagen, dass in unserer Musik und wie wir miteinander Musik spielen, ganz viel Klassik ist. Wir legen sehr viel Wert auf den Bläserklang. Wir schauen, dass die Rhythmik immer neu interpretiert wird. Wir schauen auch, dass wir uns mit klassischen Stücken fit halten oder dass wir unsere Stücke, die es jetzt schon zehn Jahre gibt, immer neu instrumentieren und weiterleben lassen.

Was gehört unbedingt zum Studium?
Stefan: Das lockere Herangehen an die ganzen Ideen und an das Leben, das ist natürlich im Studium gerade spannend. Da war einfach alles möglich. Und Campus-Radiosender! Wir finden da die Radiosendungen sehr cool, weil Musik in der Zeit sauwichtig war. Studenten brauchen einen gescheiten Radiosender, der für sie wichtige Themen aufgreift und wunderschöne Musik spielt. Das ist uns wichtig!


LaBrassBanda Around the WorldUNICUM Musik-Tipp

Tokio, Sydney, Honolulu, Marrakesch – das sind nur einige der Stationen an denen LaBrassBanda bei ihrer Welttournee Halt gemacht haben. Das Ergebnis der Reise durch fast alle Kontinente ist seit Anfang März erhältlich: Mit dem Album "Around the World" feiern die sieben Musiker zugleich ihr 10-jähriges Bandjubiläum.

Ab April 2017 sind LaBrassBanda dann auf großer Bierzelt-Tour in Deutschland und Österreich.

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