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16. Aug 2016

Musik

UNICUM trifft: MC Fitti

-ARCHIV-

Der bärtige Newcomer im Interview

"Glitzer ist in rauen Mengen ziemlich teuer. Deshalb bin ich auf Konfetti umgestiegen"

UNICUM: Wieso gibt’s keinen Wikipedia-Eintrag zur dir?Weil ich mich noch nicht dazu durchgerungen habe

Den muss man ja nicht selber schreiben. Was würde in der Einleitung stehen?Vorname MC, Nachname Fitti, geboren seitdem es Internet gibt, ist ein deutscher Musiker beim Label Sony Music.

Okay, und welche Begriffe müssten unbedingt auftauchen?Auf jeden Fall „Hoodcheck“. Das ist, wenn ich in Videos das Viertel abchecke. Und dann müssen Flamingos, Delfine, Club Mate, WhatsApp, WLAN und Konfetti drinstehen.

Wieso fällt – wo du auch bist – eigentlich Konfetti?Wir haben auf einer Party mal viel Glitzerpulver gefunden und mit vollen Händen verteilt. Am nächsten Morgen dachten dann alle: Boah, was war das eine krasse Party und haben Monate später dann noch Glitzer gefunden. Glitzer ist in rauen Mengen aber ziemlich teuer. Deswegen bin ich auf Konfetti umgestiegen.

Und was würde bei der „Diskografie“ stehen?Die „WhatsApper“ EP kommt am 7. Dezember. Das erste Album, denke ich, Ende des ersten Quartals 2013.

Aktuell läuft deine zweite Tour „Du willst sein wie Fitti“. Deine erste Tour „Besser Späti als nie“ im Sommer war nicht ganz so durchorganisiert, oder?Wir hatten einen Starttermin in Köln und einen Endtermin in Hamburg. Dazwischen haben wir auf Facebook gefragt, wohin wir kommen sollen. Da, wo am meisten Resonanz war, sind wir hingefahren und haben gespielt.

Was ist besser, spontan oder durchorganisiert?Ich fand das Spontane interessanter und cooler. Wir hatten unser mobiles Soundsystem dabei, haben einfach irgendwo die Anlage aufgebaut und gespielt. Das war schon ziemlich improvisiert. Man trifft viele Leute und lernt Spots kennen, an die man sonst niemals kommen würde. Aber es ist schon stressig, immer schauen zu müssen, wo du pennst. Wir hatten ja noch keine Kohle für Hotels und mussten bei fremden Leuten oder bei Freunden pennen. Jetzt, auf der geplanten Tour, ist es das Gute, dass alles für mich organisiert wurde und wir in Hotels schlafen.

"Jeder ist Hipster, der etwas außerhalb der Ottokatalog-Standardlinie trägt"

Du machst ja schon länger Musik. Wieso ist „30 Grad“ auf einmal so abgegangen?Das ist ja auf jeden Fall ein nettes Lied, ziemlich künstlerisch. Und auch ein bisschen der Zahn der Zeit, glaube ich. 30 Grad ist mal was Neues gewesen. Und das Video zieht natürlich.

Dir ist schon klar, dass das ein unglaublicher Ohrwurm ist?!Ja, ich hab’s selber miterlebt. Ich habe ihn selber gehabt (lacht). Aber an dem Lied kann ich mich gar nicht überhören. Irgendwer singt’s immer. Im Auto oder einfach irgendwo im Viertel. Das ist dann schon komisch.

Dich begleiten häufig Mädels in Flamingokostümen. Wie kam es dazu?Die Flamingo-Girls kenne ich schon seit Ewigkeiten, die sind auf vielen Partys unterwegs und schwirren rum. Mit denen hänge ich immer ab. Und dann habe ich gesagt: Macht eure Federn sauber und kommt mit! Du hast ja auch ‘nen Flamingo auf dem Shirt!

Natürlich nicht ganz zufällig. Aber lass uns lieber über dein Outfit reden. Gibt’s MC Fitti nur mit Bart, Cap und Sonnenbrille?Das ist angewachsen wie Sidos Maske und gehört zum Entstehungsprozess von MC Fitti. Ich habe im Winter immer Vollbart getragen – das macht man so als Tier. Also Fell tragen. Eigentlich wollte ich das erste MC Fitti-Album in einer Galerie ausstellen – als Kunstprojekt mit einer Releaseparty als Vernissage – und wollte dabei aussehen wie Kaiser Friedrich Wilhelm der I. mit Zwirbler, Pickelhaube und auf dem Pferd sitzend mit einer Katze im Arm. Das war der Ursprungsplan. Also habe ich den Schnäuzer wachsen lassen und der Vollbart ist mitgewachsen. So sind dann einige Fotos entstanden. Dann kamen die Cap und die Brille dazu und dann hat sich alles so ergeben.

Da zurzeit ja gefühlt alle Männer Bärte tragen, kannst du sicher ziemlich unerkannt durch die Gegend laufen?Ich kenne einige Leute mit Vollbart, die auch häufig angesprochen werden, ob sie MC Fitti wären. Das ist eigentlich ganz gut. Werde ich angesprochen, brauche dann immer nur sagen: nee, bin ich nicht.

Ist ja schon ein bisschen die Hipster-Schiene …Nee. Hipster wird, glaube ich, einfach nur alles genannt, was Trend ist. Jeder ist Hipster, der etwas außerhalb der Ottokatalog-Standardlinie trägt.

Machst du dir viele Gedanken um dein Erscheinungsbild?Mittlerweile schon. Weil andauernd Kameras in der Nähe sind, muss ich darauf achten. Früher war mir das alles egal.

 

MC Fittis EP "WhatsApper" ist ab dem 7. Dezember erhältlich und enthält neben verschiedenen Varianten von "Whatsapper" auch den Track "Roflcopter".

"Herzchen gehen immer"

Du nestelst die ganze Zeit an deinem Handy rum …Manche wackeln mit den Beinen und sind nervös. Da hat jeder sein Ding, das ist meins.

Das zeigt sich auch in deiner Social-Media-Aktivität! Du bist fleißig.Ich muss mich ja schon bremsen beim Posten! Ich erlebe gerade viel und habe viel zu erzählen. Das mit dem Social-Media-Kram ist irgendwie mein Hobby. Ich könnte auch Social-Media-Berater werden. Eine meiner wichtigsten Neuentdeckungen ist WhatsApp.

Wie passend, dass du das ansprichst. Zufällig heißt dein neuer Track ja „WhatsApper“– in welchem Ausmaß nutzt du WhatsApp?Ich nutze WhatsApp häufiger, als ich telefoniere.

Weil du nicht so gerne mit Menschen sprichst?Nee, das ist einfach entspannter und bei mir zuhause muss ich immer am Fenster stehen, um zu telefonieren. Das ist einfach praktisch: Nachricht, Sprachnotiz oder Foto schicken.

Kratzen dich Sachen wie der Zeitstempel nicht? Dass jeder sehen kann, wann du zuletzt online warst?Ich finde das ganz lustig und das stimmt ja auch nicht immer. Aber ich habe das auch schon gemacht – jemandem geschrieben, warum er nicht antwortet, wenn er das doch offensichtlich schon gelesen hat. Oder manchmal schreiben Leute: Wie, du warst um die Uhrzeit noch wach?

WhatsApp lebt von Emoticons. Welche sind deine liebsten?Das Schnellboot und der Delfin. Und natürlich der Zwinki-Smiley. Oder das strahlende, rosa Herz. Und das grüne. Das kann man schicken, ohne dass man gleich „ich liebe dich“ sagt.

Also verschickst du Herzen inflationär?Klar! Herzchen gehen immer. Und dann gibt’s ja noch einen der so aussieht (legt Daumen und Zeigefinger zusammen) und so einen (streckt den Zeigefinger aus). Die Kombination finde ich lustig.

"Eigentlich bräuchte ich einen Praktikanten für mein WhatsApp"

Bei WhatsApp kann man sich seine Statistikanzeigen lassen. Sag an …(Tippt) Ich habe 34 902 Nachrichten empfangen und 1 030 geschickt. Zwei Wochen habe ich das Handy jetzt in Gebrauch.

Wer bitte schickt dir so viele Nachrichten?Ich habe die Nummer mal bei Facebook gepostet, damit mir die Leute bei WhatsApp schreiben. Das Problem ist, dass mir ganz viele einzelne Leute Nachrichten schicken. Darauf kann ich einfach nicht mehr antworten. Ich schaffe das nur noch bei Gruppen ab zehn Leuten. Eigentlich bräuchte ich einen Praktikanten dafür.

Ein Praktikum sollst du auch mal gemacht haben …Ja, stimmt, bei einer Medienagentur. Deswegen bin ich vor zehn Jahren in Berlin gelandet. Ich hab mich als Cutter beworben und die waren die Einzigen, die mich genommen haben. Die Hoodcheck- Videos schneide ich heute noch selber.

Du hast aber etwas anderes gelernt, oder?Mit dem Praktikum habe ich kein Geld verdient und mein Mitbewohner hat im Kulissenbau gejobbt und sich selbstständig gemacht. Da bin ich dann eingestiegen. Ich habe dann im Kulissenbau für Fernsehserien wie „Verliebt in Berlin“ oder für Kinofilme wie „Das Leben der Anderen“ gearbeitet.

Du bist gelernter Handwerker. „Das Handwerk“ ringt um Nachwuchs. Wie attraktiv ist die Ausbildung für junge Leute?Ich habe auf dem Bau gelernt, das speziell ist für Frauen kräftetechnisch vielleicht ein bisschen hart, aber ich kann jedem nur nahelegen, eine Handwerksausbildung zu machen! Dann kann man seine Wohnung ja auch selber reparieren und gestalten. Danach kann man sich immer noch umentscheiden. Es gibt so viele junge Leute, die zwei linke Hände haben!

Also hast du dir auch den Couchtisch selber gemacht?Den Couchtisch haben Freunde von mir in Schweden gemacht. Die heißen IKEA. Ne, Regale kürzen, Boden abschleifen oder tapezieren, so was geht schon.

Hast du auch mal überlegt zu studieren?Ja, eigentlich hatte ich voll Bock auf studieren, weil das ein cooles Leben ist, oder zumindest danach aussieht. Und ich glaube, so was ist auch wichtig. Es hat aber nicht gereicht, ich habe nur einen qualifizierten Realschulabschluss. Eigentlich wollte ich aber immer eine Bewerbung machen, mit der ich, glaube ich, trotzdem an irgendeiner Kunst- oder Medienuni genommen worden wäre. „Mediale Kunst“ wär‘s dann geworden. Aber ich bin zeitlich nicht hinterhergekommen, bei all meinen Sachen: Aufkleber entwerfen, Graffittikunst, Sachen bauen und planen, einfach Blödsinnsideen haben. Und dann war Fitti schon da.

Von dir gibt es allerliebste Bilder mit den Armen voll Geschenken. Bist du ein Fan vom Weihnachtstamtam?Wenn ich an Weihnachten denke, denke ich immer, wie schön früher alles war! Ich hatte aber schon lange kein richtiges Weihnachten mehr, weil ich meist gearbeitet habe. Aber ein Weihnachten mit Geschenken, das ist schon was Feines. Wenn ihr jetzt alle mal die Single WhatsApper kauft, wäre das ein großes Weihnachtsgeschenk an mich (lacht).

MC Fitti findet ihr auch im Netz unter www.facebook.com/mcfitti

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