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16. Aug 2016

Musik

UNICUM trifft: Wankelmut

-ARCHIV-

Der DJ, Produzent und Philosophie-Student im Interview

"Wie soll ich eine Hausarbeit schaffen, wenn ich in der Weltgeschichte unterwegs bin?"

UNICUM: Jacob, warum nennst du dich eigentlich "Wankelmut"?Wankelmut: Früher einmal war das mein Lieblingswort der deutschen Sprache –keine Ahnung warum. Mittlerweile ist es neben einem Künstlernamen aber auch als Beschreibung zu gebrauchen. Wankelmütige Musik, abwechslungs- und facettenreich.

Bei einer USA-Reise hast du den "Reckoning Song" von Asaf Avidan & the Mojos für dich entdeckt. Passiert dir das oft, dass dich fremde Stücke inspirieren?Inspiration kann man meines Erachtens selten an einzelnen Stücken Musik festmachen. Es sind eher Stimmungen, gesammelte Eindrücke, Gedanken und Ideen, die in eine oder mehrere Eigenkreationen eingehen. Dabei lasse ich mich natürlich auch von anderer Musik inspirieren, aber eher passiv.Was hat dich an dem Song fasziniert? Ist dir als Philosophiestudent eine tiefere Bedeutung in Liedern wichtig?Der "Reckoning Song" hat mich – neben seinem unglaublichen Ohrwurmcharakter – auch dadurch fasziniert, dass er im Grunde mit einer vergehenden Liebe abrechnet, aber gleichzeitig sehr positiv verstanden werden kann. Solch eine Vielschichtigkeit kann einem Song das ganze Besondere geben, ansonsten aber kann ein Track auch gerne komplett ohne Text oder tieferen Sinn auskommen, insbesondere in der elektronischen Tanzmusik.

Studierst du trotz deines Erfolgs noch weiter? Momentan ist erst einmal ein Urlaubssemester angesagt und danach vielleicht noch eins (lacht) … Ich würde schon gerne noch meinen Bachelor machen, muss aber sagen, dass Philosophie für mich ein Interessenstudium ist.  Eine Karriere in der Philosophie war für mich nie ein Thema.

Hattest du denn nie konkrete Berufsziele?Ich bin eher ein Mensch, der in den Tag oder die Woche hineinlebt. Ich hatte keine wirkliche Zukunftsvision, weder als Philosoph noch als DJ, ich habe einfach immer gemacht, was mir gefallen hat.Wie bist du zum DJing gekommen?Angefangen hat es schon mit dem Playlist-Zusammenstellen für Hauspartys von Freunden, das ist jetzt sicherlich sechs Jahre her. Irgendwann vor drei Jahren habe ich mir ein Traktor-System gekauft und angefangen, House und Techno aufzulegen. Auch wenn es als Beispiel ausgelutscht ist, aber auch mich hat der Film "Berlin Calling" inklusive Kalkbrenners Soundtrack damals ziemlich gefangen genommen.Eigentlich passt die Kombi Studenten/DJ doch ganz gut zusammen. Welche Schwierigkeiten hast du, beides unter einen Hut zu bekommen?Rein zeitlich passt es einfach nicht. Wie sollte ich eine Hausarbeit schaffen, wenn ich drei bis vier Tage die Woche in der Weltgeschichte unterwegs bin?

Wankelmuts erste Mix-Compilation "Wankelmoods Vol. 1" ist seit dem 02. November auf CD und in digitaler Form erhältlich (Get Physical/Poesie Musik). Neben "One Day/Reckoning Song" finden sich darauf noch 18 weitere Tracks im Wankelmut-Remix.

"Eine unglaubliche und wahrscheinlich einmalige Geschichte"

In deinem Fall ist man dazu geneigt, von einem "Berliner Großstadtmärchen" zu sprechen. Junger Student hört einen Track, macht einen Remix davon und aus dem Nichts und ohne Label schießt der Song an die Spitze der Charts. Wie fühlt sich der derzeitige Erfolg für dich an? Es ist auf jeden Fall eine unglaubliche und wahrscheinlich vorerst einmalige Geschichte. Der Staub hat sich für mich schon ein wenig gelegt, aber immer noch bin ich sehr geflashed von dem gesamten Erfolg.Spürst du den Erfolgsdruck – gerade auch in Anbetracht des Release deiner ersten Mix-CD "Wankelmoods Vol.1" Anfang November?Klar gibt es einen Druck, aber weniger in Hinsicht auf Erfolg als auf Qualität. Ich mache aber weiterhin einfach das, was ich liebe und hoffe, dass weiterhin Menschen daran Gefallen finden – irgendeinem ominösen Erfolgsziel hinterherrennen macht für mich wenig Sinn.Welche aktuellen Tracks bringen dich denn in einen "Wankelmood"?Der Âme Remix von Bowling, das neue Album von Kyson und immer und überall Massive Attack.Du bist mit Rockmusik a lá Die Ärzte und Rage against the Machine aufgewachsen. Hörst du so etwas heute auch noch?Ja, sehr oft sogar! Ich habe meinen iPod absichtlich fast nur mit Gitarrenmusik vollgestopft und wenn ich unterwegs bin, höre ich auch nur solche Musik. Als Ausgleich zum Technorummel ist mir das wichtig.Was wäre, wenn die Ärzte nach einem Wankelmut-Remix fragen würden? Bei welchem anderen Künstler/DJ/Band würdest du gerne einmal an den Tracks herumbasteln?Aus der Rock-Ecke würde mich ein Remix für John Frusciante schon sehr reizen. Bei Die Ärzte, aber auch bei vielen anderen Künstlern würde ich mich sehr geehrt fühlen, wenn da mal eine Remix-Anfrage reinkommt. Ob das dann passt ist eine andere Frage.

Die letzte Frage (die du wahrscheinlich schon sehr oft gelesen hast): Hattest du nun Kontakt mit Asaf Avidan, und wenn ja: Was hat er zu deinem Track gesagt? Wenn nein: Was sollte er über deinen Track sagen?Ich hatte noch keinen direkten Kontakt zu ihm gehabt, aber vielleicht ergibt sich das in der Zukunft einmal. Er sollte wenn schon dann seine ehrliche Meinung sagen - wenn ich Honig ums Maul haben will, kaufe ich mir welchen im Supermarkt! (lacht)

Wankelmut findet ihr auch im Netz unter www.wankelmut.com und www.facebook.com/wankelmut.berlin

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