E-Sports-Team
League of Legends (LoL) ist das beliebteste Game der E-Sports-Uni-Liga | Screenshot: Riot Games
Autor

17. Apr 2018

Sebastian Wolking

Netzwelt

Das nächste Level: E-Sports-Teams an Unis

Die Bielefelder E-Sportler sind ungeschlagene LoL-Meister

Im Fußball ist Bielefeld allenfalls eine Mittelmacht. In Internetforen wegen der Bielefeldverschwörung ein Running Gag. In der virtuellen Kampfarena aber ist Bielefeld ein Riese. Ende Januar gewannen die Ostwestfalen zum zweiten Mal in Folge die deutsche Uni-Meisterschaft in "League of Legends" (LoL). Die E-Sports-Gruppe ist professionell aufgestellt. Sie ist offizieller Teil des Hochschulsports, kann somit die Räumlichkeiten der Uni nutzen – keine Selbstverständlichkeit und ein großer Vorteil angesichts enger Studentenbuden. Jeden Montag und Mittwoch lädt Übungsleiter Harun Bayer zum "Strategie- und Livecoaching".

Vorbild Fußball-Bundesliga

Bielefeld als Blaupause. So sieht das auch die UEG, die University Esports Germany. Sie ist Organisator der Uni-Liga und besteht aus rund 30 Studenten, die sich ehrenamtlich engagieren. Martin Hoffmann ist einer von ihnen, dem Studententum eigentlich schon entwachsen. Der 31-jährige Jurist promoviert gerade an der Uni Mannheim.

Die UEG ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Aber auch eine Geschäftsidee. Tatsächlich boomt der elektronische Sport. 2016 betrugen die Umsätze des E-Sports-Markts weltweit schon 300 Millionen Euro – ein Plus von 27,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Unternehmensberatung PWC rechnet für die kommenden Jahre mit einem weiteren jährlichen Wachstum von durchschnittlich 21,7 Prozent. Professionelle E-Sportler können längst vom Zocken leben. Den Teams winken Einnahmen durch Sponsoring, Ausstatter-Deals, TV-Übertragungen und Werbeeinspieler auf Streamingplattformen wie Twitch. Auch die UEG ist auf der Suche nach einem geeigneten Sponsor – bislang ohne Erfolg.

"Unser Ziel ist es, einen professionellen Wettbewerb zwischen den Uni-Mannschaften auf die Beine zu stellen", sagt Hoffmann. "Im Grunde so, wie es die Fußball-Bundesliga auch macht." Schon jetzt werden die Spiele live auf Twitch gestreamt. Es gibt zwei Spielklassen, mit Auf- und Abstieg. So soll jeder die Möglichkeit haben, im Laufe seines Studentenlebens oben mitzuspielen. Viel Zeit bleibt den akademischen Videospielern nämlich nicht. Lernstress, Klausuren, Praktika, Abschluss. Die Fluktuation ist hoch. Gut organisierte E-Sport-Klubs an den Hochschulen würden helfen, die Abhängigkeit von einzelnen Akteuren zu verringern.


Die Games der UEG University Esports Germany

Martin Hoffmann

  • League of Legends
  • Overwatch
  • Counter-Strike: Go
  • Hearthstone
  • Pokémon
  • Rocket League
  • Battlerite

"Unis sollen stolz auf ihr E-Sports-Team sein"

Mittlerweile ist die Zahl der Teams auf rund 100 gestiegen, 40 Hochschulen sind schon dabei. "Jede Woche kommen ein bis zwei Anfragen", sagt Hoffmann. "Tendenz steigend." Vor allem Unis mit technischer Ausrichtung sind – Klischee hin oder her – überrepräsentiert. Das Karlsruher KIT und die Uni Bayreuth zählen zu den Vorreitern. "Wir wollen E-Sports auch an den Unis aus dem Schattendasein herausholen", so Hofmann. "Das ist manchmal gar nicht so einfach. Die Ballerspiel-Thematik ist bei vielen noch immer sehr präsent."

Dabei könnten E-Sport-Teams sogar als Werbeträger fungieren, glaubt Hoffmann. "E-Sportler sind keine schlechten Studenten. Sie brauchen Ausdauer und Disziplin, müssen Rückschläge verkraften können. Alles Eigenschaften, die sich auch Universitäten auf die Fahne schreiben sollten", meint er. "Die Unis sollen stolz auf ihr E-Sports-Team sein." Sehen wir also bald Studenten mit Fähnchen und Fanshirts auf dem Campus – ganz nach amerikanischem Vorbild? Eher nein, das kann man sich an der Uni Bielefeld beim besten Willen nicht vorstellen, sagt eine Sprecherin. Dabei könnte die Stadt ein bisschen Werbung doch ganz gut gebrauchen.

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