Facebook Fake News
Good News statt Fake News: Das wär's doch mal! | Foto: Stocksnap/Jon Tyson

Netzwelt

17.02.2017

Fake News erkennen

Fake News: So erkennst du falsche Nachrichten im Internet!

Fake News – oder alternative Fakten – sind momentan in aller Munde. Und natürlich denken wir alle, wir seien smart genug, "echte" Nachrichten von Falschmeldungen zu unter ... mehr »

Autorenbild

09. Mär 2017

Nina Weidlich

Netzwelt

Facebook bekämpft Fake News: Wird dein Newsfeed jetzt great again?

Facebook markiert Falschmeldungen

"Durch Fake News wird es schwierig, Nachrichten zu vertrauen", sagen 85 Prozent der etwa 1.000 Personen, die Statista und YouGov zur Wirkung von Falschmeldungen befragt haben. 87 Prozent glauben außerdem, dass Fake News in den sozialen Netzwerken gezielt verbreitet werden.

Einer anderen Studie aus den USA zufolge sehen 42 Prozent die Verantwortung zur Bekämpfung von Falschmeldungen vor allem bei den sozialen Netzwerken. Darauf hat Facebook jetzt reagiert – mit eher mäßigem Erfolg.

Erster Fake-News-Flop in den USA

In Amerika steuert Facebook der Fake News-Welle jetzt erstmals  entgegen, indem unabhängige Prüfer potentielle Falschmeldungen als "disputed", also umstritten, kennzeichnen und mit einem kleinen, roten Warndreieck versehen. In einem der ersten Posts, der den US-Fakten-Checkern zum Opfer gefallen geht es um Trumps Smartphone: Laut einem Artikel der "Seattle Tribune" soll das ungeschützte Android-Gerät des Präsidenten Schuld an mehreren Leaks aus dem Weißen Haus gewesen sein.

Stimmt nicht, sagten die amerikanischen Faktenprüfer Snopes.com und PolitiFact und markierten den Post entsprechend. So weit, so richtig. Wie sich allerdings herausstellte, handelt es sich beim Urheber der Nachricht um eine Satireseite. Auf der Homepage des vermeintlichen Nachrichtendienstes heißt es: "The Seattle Tribune is a news and entertainment satire web publication." Dieses kleine Detail haben die Faktenprüfer wohl übersehen – Ups.

Infografik: Die Wirkung von Fake News | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Im Interview: Fake News-Experte Andre Wolf

Ist es wirklich bereits so weit, dass wir selbst vor satirischen Beiträgen wie Postillon-Artikeln gewarnt werden müssen? Wir haben mit jemandem gesprochen, der es wissen muss: Andre Wolf arbeitet für den Verein Mimikama. Gemeinsam mit einem Team von 21 ehrenamtlichen Personen setzt er sich bereits seit 2011 dafür ein, Falschmeldungen im Netz aufzuklären.

UNICUM: Wieso ist der Hype um Fake News momentan so groß?
Andre Wolf: Falschmeldungen, Fakes, Hoaxes, Enten und was nicht alles, die gab es eigentlich schon immer irgendwo – und auf einmal kam Trump. Seit November 2016 sprechen alle von Fake News und haben auf einmal gemerkt: Hey, es könnte ja sein, dass Falschmeldungen uns alle manipulieren. Ja, das ist so.

Wir beobachten schon seit Jahren, dass Menschen wegen diverser Sachen in Panik geraten. Auf einmal sind Falschmeldungen jetzt politisch geworden und werden als Fake News bezeichnet – was in den meisten Fällen sowieso ein falsch angewandter Begriff ist.

Wie sollte man den Begriff denn benutzen?
Fake News an sich sind nichts anderes als pseudoredaktionell erstellte Inhalte, die anhand von Schlagworten ausgerichtet sind. Dem Autor geht es nicht darum, irgendwelche politischen Meinungen zu erzeugen, sondern letztendlich seine Werbung zu schalten. Das ist der Klassiker: Du gehst auf eine Seite, die wie ein News-Portal aussieht. Das heißt dann auch wie eine Zeitung, z.B. "New York Evening News" oder sonst irgendwas. Dort hast du dann ein Bild, das wie ein Pressebild aussieht, du hast einen längeren Artikel, der Bullshit ist, in dem nicht ein Wort Wahres steht – und überall wird Werbung eingeblendet. Das sind Fake News.

In Deutschland haben wir aber noch sehr viele andere Inhalte: Wir haben alternative Blogs und Netzwerke, die eine starke Redaktionslinie vertreten, bzw. manipulativ arbeiten. Das sind keine Fake News, weil die nicht im Sinne einer Zeitung erscheinen.

Außerdem gibt es viele Hybrid Fakes, also Inhalte, die einen wahren Kern haben und nur aufgebauscht sind. Zusätzlich bekommen Hybrid Fakes häufig ein falsches Bild oder ein falsches Video. Das sind aber auch keine Fake News im ursprünglichen Sinne, denn sie sind ja nicht komplett Fake. Es ist wichtig, dass wir da unterscheiden und sowohl in der Politik als auch in den Medien wieder eine Vielzahl an Begriffen benutzt, anstatt alles pauschal als Fake News abzustempeln.

Wie schätzen Sie die neue Facebook-Funktion zur Markierung von Fake News ein? Werden Social Media dadurch sicherer?
Es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings halten wir das labeln, also das Markieren von Falschmeldungen, lediglich für eine Übergangslösung. Wir dürfen uns nicht vorkauen lassen, was richtig, falsch, oder Fake sein könnte – da liegt eine große Gefahr drin: Wenn ich anfange, mich darauf zu verlassen und an irgendeiner Stelle eine Markierung übersehe, könnte ich automatisch interpretieren, dass ein Artikel wahr ist.

Fake – oder doch nur Satire?

Wie können wir zwischen Satire und Fake News unterscheiden?
Der Unterschied zwischen Satire, also etwa einem Postillon-Artikel, und der Fake News ist: Der Postillon sagt, dass er Satire betreibt. Er überspitzt es, er macht eine satirische Geschichte daraus. Die Fake News versuchen so echt wie möglich rüberzukommen, damit man sie durchliest, von mir aus auch empört ist, damit sie greifen, damit die Leute wirklich den Inhalt wahrnehmen. Und darüber wird dann halt Werbung eingeschleust. Ich stufe Seiten wie den Postillon als Unterhaltung ein und sehe ihn nicht als Gefahr – im Gegenteil: Es ist immer wieder lustig, wenn höhere Stellen, z.B. Politiker, darauf reinfallen.

Sind junge Menschen allgemein anfälliger für Falschmeldungen?
Ich möchte ungern in Menschen kategorisieren, sondern vielmehr in Ängste: Eine Falschmeldung funktioniert generell immer da, wo Menschen Angst haben, da kommt es nicht auf das Alter an. Der Klassiker waren die Horror-Clowns im letzten Herbst. Das war im Grunde nichts anderes als ein medialer Falschmeldungs-Hype. Es gab natürlich einige reale Vorfälle rund um Clowns, jedoch ein hohes Vielfaches an Falschmeldungen. In dem Sinne gab es keine Horror-Clown-Welle. Trotzdem haben Schulen davor gewarnt, sich als Clown zu verkleiden, Medien haben darüber berichtet, Kinder hatten Angst. Da waren wirklich durch die Bank alle betroffen.

"WhatsApp ist viel gefährlicher als soziale Netzwerke"

Zum Thema Fake News haben wir immer Facebook und Twitter auf dem Schirm. Sind wir auch in sozialen Messengern wie WhatsApp gefährdet?
Ganz klar: ja. Das Potential für Falschmeldungen in Messengern ist sogar noch höher, weil die Beziehungsebene zwischen Sender und Empfänger wesentlich intensiver ist. Auf Facebook kann ich von irgendjemandem etwas lesen, den ich nicht kenne. Dann nehme ich das vielleicht nicht so wahr und scrolle schnell mal weg. Im Messenger bekomme ich eine Falschmeldung dann gerne mal durch einen Freund weitergeleitet, einer Person, die ich kenne, weil ich mit ihr verbunden bin. Dadurch gewinnt diese Meldung an Intensität – es gibt zum Beispiel ganz viele Kettenbriefe, die gehen extrem viral, wenn es dann immer wieder heißt: "WhatsApp wird kostenpflichtig" oder irgend so ein Quatsch.

Zeit für einen kleinen Ausblick: Wo wird es in Zukunft mit den Fake News hingehen – auch im Hinblick auf die Bundestagswahl?
Wir sind gerade in einer kleinen Ruhephase: Viele Leute scheinen gesättigt und auch ein bisschen angewidert zu sein von dem ganzen Hin und Her in den sozialen Netzwerken – Falschmeldungen, Richtigmeldungen, die Vermischung von Meldungen und so weiter.

Ich glaube auch nicht, dass wir zur Bundestagswahl eine extreme Falschmeldungswelle kriegen –gerade, weil wir damit rechnen, dass etwas kommt. Das Bewusstsein ist geweckt worden und viele Menschen legen Wert darauf, dass sie gar nicht erst auf Falschmeldungen reinfallen.


InfoKleine Fake News-Kunde

Fake News:

Fake News sind pseudoredaktionell erstellte Inhalte, die eine klassische Nachrichtenseite imitieren. Die Artikel sind frei erfunden – Ziel der Betreiber ist einzig und allein, Leser mit meist emotional aufgeladenen Artikeln auf ihre Seite zu locken, auf der sie zahlreiche Werbeanzeigen schalten. Der Begriff Hoax News kann synonym verwendet werden.

Hybrid Fakes:

Hybrid Fakes haben einen wahren Kern, der überdramatisisert dargestellt wird. Der Klassiker sind Fotos oder Videos, die gar nicht zum Artikel passen. Häufig werden Hybrid News von Clickbait Webseiten verwendet, um Nutzer auf ihre Seite zu locken. Die Artikel sind also nicht grundlegend falsch, sollten aber mit Vorsicht behandelt und nicht als Argumentationsgrundlage genutzt werden.

Satire:

Satirewebseiten sehen zwar auch aus wie ein klassisches News-Portal und verbreiten falsche Meldungen, haben mit Fake News aber trotzdem nichts zu tun. Die Inhalte sind in der Regel so überspitzt dargestellt, dass sie deutlich als Scherz zu erkennen sind und nur der Unterhaltung dienen. Bekannte Beispiele sind der Postillon oder die ZDF Satiresendung heute-show.

Blogs / Foren:

Wenn hier etwas vermeintlich "Falsches" steht, sind das nicht automatisch Fake News! Da es in Blogs und Foren meist um die Darstellung der eigenen Meinung geht, haben sie aber totzdem ein großes Potential zur Manipulation. Die darin enthaltenen Infos sollten also in jedem Fall noch einmal gegengecheckt werden.

Handwerkliche Fehler:

Fehler passieren jedem – auch großen und renommierten Medienhäusern. Wenn also in einem Zeitungsartikel mal ein Komma falsch gesetzt wurde und dadurch eine Statistik nicht stimmt, ein falscher Ort angegeben wird oder Ähnliches, solltest du nicht direkt "Fake News" und "Lügenpresse" schreien. 

Artikel-Bewertung:

3.52 von 5 Sternen bei 89 Bewertungen.

Deine Meinung: