Künstliche Intelligenz
Der Mensch schafft die Maschine nach seinem Ebenbild | Foto: Thinkstock/sarah5
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06. Okt 2017

Gastbeitrag

Netzwelt

Künstliche Intelligenz: Die Herrschaft der Maschine

Ein Gastbeitrag von Aktivist, Autor und Hacker Stephan Urbach

Sollten wir etwa auf die Zukunftspessimisten hören?

Wenn es um die Errungenschaften der IT geht, ist die Diskussion voller Buzz-Words. Vor allem Algorithmen, künstliche Intelligenz und Big Data sind die Aufreger der Feuilletons und das schon so lange, dass der mittlerweile verstorbene Frank Schirrmacher ein Buch voller falscher Annahmen und Warnungen geschrieben hat. Auch Jahre danach bleibt die Stimmung der Debatte bestenfalls alarmistisch und eine Entwarnung scheint nicht in Sicht.

Die Debatte dreht sich um die Regulierung von Algorithmen und Datenschutz. Manche Artikel lesen sich, als seien Alexa, Siri und Cortana bereits die direkten Vorfahren Skynets (Künstliche Intelligenz, die im Film "Terminator", den Krieg gegen die Menschen erklärt. Anmerk. der Red.) und die Auslöschung der Menschheit durch die Maschinen stehe kurz bevor. Skynet lacht leise in der Zukunft und lädt schon einmal durch. Die Angst geht weiter um, und die Katastrophisierung – zu der wir nun einmal neigen – führt schlussendlich genau zu dem Punkt in der Zeit, an dem die Maschinen die Macht übernehmen werden. 10 Jahre später ist der Mensch ausgelöscht, die Erde unbewohnbar geworden und das nachhallende Echo des Alarmismus grummelt leise "Ich wusste es!"

Hätten wir nur auf all die Zukunftspessimisten gehört, auf die Warner und einsamen Rufer in der Wüste. Die Gesichtserkennung am Berliner Südkreuz, die elektronischen Assistenten und Facebook werden es gewesen sein, die uns ausgelöscht haben.

Oder auch nicht: Derzeit weigert sich Siri einfach, jemanden für uns umzubringen. Cortana und Alexa reagieren genauso und geben eine Liste mit psychischen Hilfsangeboten heraus.

Nicht die Maschinen werden uns versklaven

Solche Reaktionen haben wir dem 1992 verstorbenen Isaac Asimov zu verdanken, der über die Jahre seines Schaffens Gesetze für Roboter entwickelte. In der Tat werden uns nicht Google oder Facebook versklaven. Wir selbst werden es sein. Denn wir sind es, die Roboter entwickeln, die sich nicht an die Asimov’schen Gesetze halten. Wir bauen Roboter zur Kriegsführung, die dafür bestimmt sind, zu töten. Neuronale Netze sind der aktuelle heiße Scheiß der KI-Forschung und die ersten Paper kursieren, wie sie genutzt werden können, um eine Feinderkennung besser zu automatisieren, damit der Mensch weniger Entscheidungen treffen muss und der Tod stattdessen einem Algorithmus angelastet werden kann.

Spätestens jetzt sollte klar sein: Die Gewalt geht von den Menschen aus, die Maschinen programmieren und/oder betreiben. Die Idee, Menschen einzuschüchtern, zu versklaven oder zu ermorden, gibt sich die Maschine nicht selbst. Menschen entwickeln, planen und bauen Maschinen, die für genau diese Aufgaben hergestellt werden.

Künstliche Intelligenz: Die Maschine ist das, was der Mensch macht

Den Akt des Tötens über eine Maschine zu begehen, ändert aber nichts an dem Ergebnis: Ein Mensch stirbt. Diejenigen, die den Einsatzbefehl gegeben haben, werden die Verantwortung auf den diffusen Algorithmus schieben. Doch der Mensch bringt den Menschen um. Die Maschine führt nur aus, was wir ihr erlauben auszuführen.

Die Maschine ist das, was der Mensch macht. Und so lange mir Amazon nach dem Kauf eines Fernsehers vorschlägt, einen anderen Fernseher zu kaufen, traue ich Alexa nicht zu, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Kriegstreibern und Despoten hingegen traue ich das sehr wohl zu. Ob nun mit Hilfe von Robotern oder ohne, ist im Ergebnis dann leider auch egal.


Stephan Urbach

Über Stephan Urbach

Stephan Urbach (über 30), lebt und arbeitet in Berlin als Aktivist, Autor und Hacker. Er wartet darauf, dass die Verschmelzung von Mensch und Maschine weiter voran schreitet, hat aber gleichzeitig Angst, dass es dann nur Toaster sind.

Wenn er nicht gerade seinen Hund krault, tut er so, als sei er Geschäftsführer eines Technologie-Unternehmens.


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Das Erwachen von Andreas BrandhorstZum Inhalt von "Das Erwachen": Der ehemalige Hacker Axel setzt versehentlich ein Computervirus frei, das unzählige der leistungsfähigsten Rechner auf der ganzen Welt vernetzt. Als sich daraufhin auf allen Kontinenten Störfälle häufen und die Infrastruktur zum Erliegen kommt, die Regierungen sich gegenseitig die Schuld geben und die geopolitische Lage immer gefährlicher wird, stößt Axel gemeinsam mit der undurchsichtigen Giselle auf ein Geheimnis, das unsere Welt für immer verändern wird: In den Computernetzen ist etwas erwacht, und es scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein.

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