Junge Frau mit Laptop in Cafe
Freies W-LAN? Prinzipiell super – aber pass auf deine Daten auf! Foto: Unsplash/Bonnie Kittle

Netzwelt

16.11.2015

eigenverantwortung beim datenschutz im internet

Datenschutz: Es liegt in deiner Hand!

Was du von dir preisgibst,...

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12. Jun 2018

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Mehr Awareness für Digital Natives

So fällst du im Web nicht auf die Nase

Social Media Fettnäpfchen

Das Risiko im Internet fängt bei einer deiner liebsten Freizeitbeschäftigungen an: den sozialen Netzwerken. Du weißt sicherlich, dass es dort nicht nur eitel Sonnenschein gibt. Aber zugegeben, so richtig skeptisch hat dich das bisher noch nicht gemacht, oder?

Soziale Netzwerke vergessen nicht

Facebook verlangt, dass man mindestens 13 Jahre alt sein muss, um sich anzumelden. Gehen wir mal davon aus, dass du eine ehrliche Haut bist und damals nicht gemogelt hast. Dann kannst du jetzt auf eine rund sechsjährige Facebook-Vergangenheit zurückblicken – du bekommst ja auch oft genug die Erinnerungs-Nachrichten „das hast du vor XY Jahren gepostet“. 

Erst vergangenes Jahr hat Marc Zuckerbergs Kreation seine ohnehin schon gigantischen Serverfarmen einem gewaltigen Upgrade unterzogen. Daher kannst du dir sicher sein, dass alles, was du jemals dort getan hast, eine ganze Weile dort gespeichert bleiben wird. Jedes Like, jeder Kommentar, Chat-Nachrichten im Messenger – alles. Facebooks Algorithmen können anhand deiner Interessen und deines Klick-Verhaltens ein unglaublich genaues Profil von dir erstellen. Eigentlich nur um Werbung zu machen - aber: der Fall Cambridge Analytica zeigt, dass deine Daten auch an ganz anderen Orten landen können. Willst du wirklich, dass ein ziemlich intransparentes Privatunternehmen Dinge über dich weiß, die du höchstens deinem besten Freund anvertrauen würdest? Für eine unbestimmbare Zeit? Und das gilt nicht nur für Facebook, sondern auch für die meisten anderen sozialen Netzwerke.

Rechtliche Schwebezustände

Sicher hast du von dem Gesetz gehört, das sich hinter dem Buchstaben-Monster namens "Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ verbirgt. Offiziell ein Mittel gegen Hass im Netz, ist das Ding tatsächlich eine Krake. Lies dir mal den Wortlaut einzelner Passagen durch: 

  • "Dieses Gesetz gilt für Telemediendiensteanbieter, die mit Gewinnerzielungsabsicht Plattformen im Internet betreiben, die dazu bestimmt sind, dass Nutzer beliebige Inhalte mit anderen Nutzern teilen oder der Öffentlichkeit zugänglich machen (soziale Netzwerke)“
  • "Das Verfahren muss gewährleisten, dass der Anbieter […] einen offensichtlich rechtswidrigen Inhalt innerhalb von 24 Stunden nach Eingang der Beschwerde entfernt oder den Zugang zu ihm sperrt […] jeden rechtswidrigen Inhalt unverzüglich, in der Regel innerhalb von sieben Tagen nach Eingang der Beschwerde entfernt oder den Zugang zu ihm sperrt“

Klingt nach einem probaten Mittel gegen Hetzer, oder? Schon, aber – und das kritisieren viele – das Gesetz lagert unter Bußgeldandrohung die Definition dessen, was "offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ sind, auf Privatunternehmen aus. Das hebelt zu mTeil den Fakt aus, dass in einem Rechtstaat ein Richter sorgsam darüber entscheidet, was rechtswidrig ist. Darin sind sich die meisten Kritiker einig. So etwa Tobias Gostomzyk, Professor für Medienrecht an der TU Dortmund, der meint, dass das Gesetz die Redefreiheit im Netz unterlaufe. Allerdings denkt die neue Große Koalition jetzt schon über eine Kehrtwende nach – wenn das Gesetz nicht sowieso vor dem Bundesverfassungsgericht landet. 

Die Sache mit dem Teilen

Du lädst Fotos hoch, teilst die von Freunden, von anderen Facebook-Seiten und wahrscheinlich auch vieles, das du an anderer Stelle im Netz aufgeschnappt hast – was wäre eine ordentliche Timeline ohne lustige Tierbilder und Memes? Damit stehst du – theoretisch – schon mit einem Bein vor dem Richter. Denn tatsächlich ist besonders Facebooks Rechtslage beim Thema Teilen fremder Inhalte eine große Grauzone, bei der du auf unzählige Unterpunkte achten musst. Aber auch bei anderen Plattformen solltest du vorsichtig sein.  

Grundsätzlich ist beispielsweise erst mal jegliches Teilen von Inhalten, auf die andere das Copyright haben, verboten – auch wenn es dir die Seite noch so einfach macht. Du darfst zwar verlinken aber, und da wird es reichlich unübersichtlich, schon wenn durch den Link ein fremdes Vorschaubild (automatisch) eingebunden wird, kannst du unter Umständen als Urheberrechtsverletzer belangt werden. Bedenke das also bitte jedes Mal, auch wenn es noch so unspaßig ist - denn Bildrechte sind auch 2018 noch ein Ding.

Jeder Vorgesetzte recherchiert online

Nach dem Studium willst du sicher mal deinen Traumjob haben. Dein Social-Feed kann dem aber einen dicken Riegel vorschieben. Viele Chefs und Personaler durchsuchen erstmal die sozialen Netzwerke nach ihren Bewerbern und je nachdem wie öffentlich deine Beiträge sind, kann das Foto eines Freundes, auf dem du verlinkt bist und zum Beispiel im Vollrausch auf der Straße liegst, ganz schnell ein falsches Licht auf dich werfen.

Das Fiese daran ist, dass nicht nur Eskapaden verdächtig machen, sondern auch das Gegenteil. Wer dank seiner Profile allzu brav wirkt, der hat, so mutmaßen manche, vielleicht anderweitig Dreck am Stecken. 

Leider gibt es nur eine Gegenmaßnahme: Sorg dafür, dass deine Profile nur von befreundeten Kontakten eingesehen werden können, egal, wie viel Herumgeklicke das bedeutet. Wer sich hier bedeckt hält, gibt Chefs gar keine Hinweise, weder positive noch negative.

Auch in sozialen Netzwerken - du bist nur Kunde

Dieser Punkt ist einer, über den nicht nur Digital Natives stolpern. Denn so toll das Netz auch sein mag, die wenigsten verstehen, dass es darin zu einem großen Teil nur ums Geldverdienen geht. Denn wirklich kostenlos gibt es im Internet nur selten und in der Regel bezahlst du mit einer anderen Währung: deinen Daten.

Los geht es bei allem, was auf den ersten Blick kostenlos wirkt. Das können soziale Netzwerke sein, aber auch Videoplattformen, Blogs und, und, und. Einige Beispiele gefällig?

  • Social-Media-Plattformen nutzen die Reaktionen ihrer Nutzer dafür, perfekt personalisierte Werbung zu präsentieren
  • YouTube verdient Geld, indem es personalisierte Werbung schaltet 
  • Bewertungs- und Shoppingportale machen Umsatz über Klick-Provisionen oder Werbung

Spotify testet derzeit sogenannte „Sponsored Songs“. Diese tauchen in deiner Playlist auf, obwohl du sie nicht hineingesteckt hast (zumindest wenn du Sportify kostenlos nutzt). Dafür zahlen die Musiklabels. Geh also einfach immer davon aus, dass im Netz nichts wirklich kostenlos ist, sondern du als User mit Daten und Informationen deines Verhaltens im Internet bezahlst. 

Bewegungsprofile, Tracking und Co.

Es war der Lach-Kracher Anfang 2018: Die Fitness-App Strava, die Bewegungsprofile aufzeichnet, um Laufdistanzen und andere Informationen anzuzeigen, hatte dafür gesorgt, dass geheime Militärbasen sichtbar wurden – weil trainierende Soldaten die App verwendeten.

Klingt komisch, doch gerade, weil diese Soldatinnen und Soldaten in deiner Altersgruppe liegen, zeigt es auch, wie fahrlässig viele junge Menschen mit Apps umgehen. Denn was bei Militärbasen funktioniert, klappt natürlich auch bei anderen Strecken – und nicht nur bei Sport-Apps, sondern allen, die auf die Standortbestimmungsfunktion zugreifen möchten. Und wenn jemand zum Beispiel mal über deine Runtastic-Daten herausfindet, wann du deine regelmäßigen Jogging-Touren machst, weiß derjenige logischerweise auch ziemlich genau wann und wie lange du gerade nicht zuhause bist. 

Im Netz gibt’s keine Liebe - oder?

Alle paar Monate gibt es Meldungen, dass (wieder) ein Dating-Portal aufflog, das seine User mit Bots oder bezahlten "Partnern“ abzockte. Klar ist das ganze Netz eine Partnerbörse. Aber sobald du für irgendwelche Funktionen (und sei es nur, um PNs zu beantworten) zahlen musst, sollten bei dir alle Alarmglocken schrillen. Du willst daten? Nutze entweder Social Media, die gute, alte analoge Methode des direkten Ansprechens oder verlässliche Portale - wie z.B. UNIKuscheln.

Augen auf bei Online-Zahlungsdiensten

Bezahlen ist  durch die Digitalisierung unglaublich einfach geworden. Doch was dir beim Einkaufen im Internet hilft, kann auch deine hartverdiente Kohle deinem Zugriff entziehen. Denn hinter vielen Bezahlsysteme, darunter auch Paypal, stecken ausländische Firmen. Sie unterliegen nicht dem deutschen (Banken-)Recht und können so im Zweifelsfall deinen Zugang komplett lahmlegen. Bedenke das vor allem, wenn du zu denjenigen gehörst, die Paypal z.B. als Girokonto-Ersatz nutzen. 

Ständiges Tracking durch "always online"

1998 kam ein Film heraus, der aus heutiger Sicht visionär erscheint. „Der Staatsfeind Nr. 1“ mit Will Smith. Er zeigt, wie ein unbescholtener Bürger durch die Digitalisierung unfreiwillig kriminalisiert werden kann. Erinnere dich mal an die NSA-Affäre. Da wurden nicht nur die Daten irgendwelcher Terroristen aufgezeichnet, sondern die aller Internetnutzer - und dank xkeyscore hatten die Geheimdienste darauf auch regelmäßig Zugriff. Und dein Smartphone ist mit aktivierten Berechtigungen für Apps eine riesige, unkontrollierbare Datenschleuder

Nun leben wir zwar in einem Rechtstaat, aber du musst zumindest damit rechnen, dass irgendwer, irgendwo mitbekommt, wonach du suchst, mit wem du chattest – schon, weil eben vieles ausländischem Recht unterliegt. Das hat nichts mit Paranoia zu tun, sondern ist leider eine Tatsache. Dass bei dir zuhause möglicherweise Alexas, Siris oder der Google Assistant jederzeit mithören, macht das ganze nicht besser.

Junge Frau mit Smartphone

Digital gekauft, physisch nicht vorhanden

Unser letzter Punkt hat zwar nichts mit Kriminalität zu tun, kann dich aber trotzdem bares Geld kosten. Vielleicht nutzt du hin und wieder e-Books, sei es für die Uni oder privat. Vielleicht nutzt du dafür auch ein Kindle. Wusstest du, dass Amazon solche (von dir bezahlten) Bücher löschen kann? Kein Scherz, vor zehn Jahren ist das schon passiert. 

Ähnlich verhält es sich mit Filmen, die du digital gekauft hast. Was passiert mit denen, wenn der Verkäufer pleite geht oder du deinen Account löschst? Sie sind weg, denn digital bedeutet, dass das jeweilige Medium physisch bei dir nicht vorhanden ist. Genauso verhält es damit, dass Bücher und Filme verboten werden können. Was man physisch notfalls unter den Bodenbrettern verstecken kann, ist ungleich schwerer zu löschen –  oder zu konservieren –   als etwas auf einer Festplatte. 

Mehr Diebe und Trickser als in der Innenstadt

Die bisherigen Punkte waren eher noch staats- und konsumkritischer Natur, jetzt geht es tatsächlich um kriminelle Handlungen. Je offener du für die komfortablen Segnungen des Digitalen bist, desto höher ist das Risiko, dass du betroffen sein könntest.

Komfortable Risiken 

Viele Banken glauben offenbar, dass das Einstecken einer Karte, das Eintippen des PINs oder das Unterschreiben des Kassenbons unheimlich umständlich sind, denn sie setzen inzwischen verstärkt auf kontaktlose Zahlmethoden. Doch um was handelt es sich denn dabei? Um nichts anderes als die drahtlose Übertragung von Daten – bei Käufen unter 25 Euro sogar ohne PIN-Eingabe. Vielleicht meldet sich an diesem Punkt der Stoff aus dem Physikunterricht: Was drahtlos übertragen wird, kann unerkannt aufgefangen werden. Dieses Beispiel soll dir vor allem eines vermitteln: die ganzen komfortablen Dinge, auch im Internet-of-Things (IoT), sind nur deshalb so anwenderfreundlich, weil dabei Sicherheitsrisiken eingegangen werden

Möchten Sie dieses Passwort speichern? Bloß nicht!

Eines dieser Risiken ist die Option vieler Anwendungen, automatisch das Kennwort zu speichern. Klar, damit man sich beim nächsten Mal nicht mehr einloggen muss. Aber ist das wirklich so umständlich? Überleg mal: Via WLAN oder Handynetz kann jemand in deine Daten einbrechen – wo du immer noch schön komfortabel eingeloggt bist. Er muss also nur noch eine Kontonummer abgreifen und kann dich arm machen. 

Daher eine Bitte: Überall, wo es um deine Kontodaten geht, solltest du dir immer die Mühe machen, deine Login-Daten händisch einzutippen und dich nach der Transaktion wieder auszuloggen. Wenn wir einmal dabei sind, bitte verwende sichere Passwörter.

Aus der Cloud in alle Welt 

Nicht wenige Betriebssysteme kommen heute mit automatisiertem Cloud-Upload oder Synchronisierungsfunktionen. Super-komfortabel. Aber was hast du im vorletzten Punkt gelernt? Komfortabel bedeutet oft auch unsicher. Denn was passiert mit deinen Daten in dieser ominösen Cloud? Sie werden einfach auf irgendwelchen Servern statt auf deinem Gerät gespeichert. Zwischen deinem Handy und diesen Servern gibt es so viele potenzielle Sicherheitslücken, dass es eigentlich kein Wunder ist, dass so viele Stars vor einigen Jahren ihre intimsten Fotos im Netz veröffentlicht sahen.

Sensibilisiere dich bitte dafür, welche deiner Apps welche Daten wo speichern. Die meisten müssen Cloud-Dienste händisch abgewürgt bekommen, Android-Handys zum Beispiel möchten gerne alles in Google Drive speichern. Nutze diesen Speicher nur für Dinge, bei denen es im Zweifelsfall egal ist, wenn sie gehackt werden – aber bitte nicht deine Bachelor-Thesis, Kontoauszüge oder intime Fotos

Wir setzen doch nur Cookies, um „dein Erlebnis zu verbessern“

Jede Internetseite, die du besuchst, wird dich seit einigen Jahren auffordern, zu bestätigen, dass Cookies gesetzt werden. Hintergrund ist unter anderem der, dass die allermeisten Seiten bei einer Suchanfrage auf Google erscheinen möchten. Dazu brauchen sie diese Cookies. Die haben vielfältige Aufgaben, etwa das Speichern von Sprach- und Login-Daten. Aber sie machen dich als User auch transparent und nachverfolgbar. Vordergründig ist das natürlich einmal mehr ein Komfort-Ding. Hintergründig sagt es einer Seite jedoch direkt:

  • Wer du bist
  • Welchen Browser du benutzt
  • Auf welche Dinge du in der Vergangenheit geklickt hast
  • Welche Seiten-Präferenzen du eingestellt hast

Und das ist nur ein Bruchteil. Obwohl eigentlich die Cookie-Domain-Regel verhindern soll, dass Webseiten Zugriff auf die Cookies anderer Seiten haben, kann das Prinzip durch Werbebanner ausgehebelt werden. Beispiel: Reddit.com kann eigentlich nicht sehen, dass dein Browser Cookies von Youtube.com enthält. Sind auf beiden Seiten jedoch die gleichen Werbebanner geschaltet, kann das Prinzip umgangen werden. 

Wie kannst du Abhilfe schaffen? Stelle deine Browser so ein, dass sie automatisch Cookies löschen, sobald sie geschlossen werden. 

Kontrollorgane? Fehlanzeige!

Natürlich versuchen sowohl die Bundesrepublik als auch die EU, die Digitalisierung datenschutzmäßig sicherer für dich zu machen - ein Schritt dahin war zum Beispiel die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Aber hey: Das sind die gleichen Politiker, wegen denen es heute den #Neuland-Hashtag samt Memes gibt. Erwarte also bitte nicht, dass unflexible, staatliche Kontrollorgane etwas so hochflexibles wie das Netz plötzlich sicher machen können. Das kannst wirklich nur du selbst – indem du nicht alles mitmachst, deine Handlungen überdenkst und vor allem immer im Hinterkopf speicherst, welche persönlichen Nachteile dir dadurch erwachsen können, dass das Netz nie vergisst. 

Nein, wir sagen dir jetzt nicht "geh offline, wirf dein Handy in den See“, das hier ist kein Spionagethriller, sondern die Realität. Du musst jetzt auch nicht unbedingt Digital-Detox betreiben. Aber etwas Awareness zu zeigen ist allerdings durchaus angebracht. Deshalb sagen wir dir: "Hey, bleib in Zukunft, bevor du auf „gelesen und verstanden“ klickst, öfter mal stehen und lies dir die Details auch durch“. Gerade weil das Web nie vergisst, kann dich eine heute unbedachte und/oder völlig legitim erscheinende Handlung in der Zukunft wieder einholen und für Probleme sorgen. Und das ist umso leichter, je normaler für einen das Netz ist.

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