Szene aus "A Long Way Down"
Foto:

09. Aug 2016

Entertainment

Neu im Kino: A Long Way Down

-ARCHIV-

Am 3. April startet die britische Komödie im Kino

Eine tragikomische Geschichte des Scheiterns

In der Silvesternacht lernen sich vier Selbstmörder auf dem Dach eines Londoner Hochhauses kennen, sie schmieden einen Pakt und versuchen infolgedessen sechs Wochen am Leben zu bleiben. Bis zum Valentinstag. Die Story ist so abstrus und unwirklich, dass sie schon wieder wahr sein könnte. Doch erdacht hat sie der britische Meister des trockenen, schwarzen Humors, Nick Hornby. In direkter Linie zu "About A Boy" und "High Fidelity" ist die neueste Verfilmung des Romans "A Long Way Down" eine Kaskade an grotesken Momenten des Scheiterns. Nicht nur, dass vier Menschen, die am Leben gescheitert sind, auch an ihren Selbstmordabsichten scheitern, sondern auch dass vier Menschen mit dieser Geschichte an die Medien herantreten, das Rampenlicht suchen und daran scheitern. Der fluchtartige Urlaub auf Teneriffa endet ebenfalls in einem Debakel. Doch das Scheitern eint die vier Haltsuchenden und lässt sie Freunde werden. Der Regisseur Pascal Chaumeil versteht es, die amüsante Seite des ganzen Scheiterns herauszustellen. Da wird selbst das Stehen auf einem Rollband zu einer urkomischen Angelegenheit.

Beeindruckend charakterstark

Martin (Pierce Brosnan), JJ (Aaron Paul), Maureen (Toni Collette) und Jess (Imogen Poots) sind allesamt Charaktere, die sympathisch, eigenartig und kompliziert sind, eben typische Charaktere von Nick Hornby. Das Tagebuchformat des Romans wird im Film aufgebrochen und in vier Kapitel, benannt nach den Figuren, aufgeteilt. Im Laufe des Films lernen wir ihre Suizid-Motive kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Ex-Fernsehmoderator Martin ist gebrandmarkt. Die alleinerziehende Mutter Maureen ist einsam. Die Politiker-Tochter Jess ist wütend. Der Pizzabote JJ ist verzweifelt. Doch da es sich um eine Komödie handelt, darf man keine allzu tiefgründige Auseinandersetzung erwarten. Ist der Roman deswegen bei seinem Erscheinen 2005 nicht durchweg gut bei den Kritikern angekommen, so hat der Film das Potenzial zu glänzen und das Publikum zu begeistern. Gerade die Besetzung von Jess mit der großartigen Imogen Poots verleiht der Geschichte die richtige Würze, sodass der Film nie in sentimentale Sinnkrisen abdriftet. Das Thema Selbstmord wird aber auch nicht verharmlost. Jess ist der Quergeist, der allem und jedem aufmüpfig und resolut mit einer Spur Irrsinn entgegentritt. Wunderbar erfrischend.

Mit Spannung kann der Zuschauer den Aufstieg von Martin, Maureen, Jess und JJ verfolgen. Ganz unten angekommen sind sie schon, jetzt kann es nur für sie aufwärts gehen. Natürlich mit zahlreichen Windungen und Kurven. "A Long Way Down" ist eine britische Komödie voller Schmunzel-Momente und berührender Abgründe. Lasst euch nach dem Schauen von dem wohligen Gedanken tragen: Deshalb ist es so schön, am Leben zu sein!

A Long Way Down

Drama, Komödie, Großbritannien 2014

Darsteller: Pierce Brosnan, Toni Collette, Aaron Paul, Imogen Poots

Verleih: DCM Filmverleih

Kinostart: 03. April 2014

www.facebook.com/ALWDfilm

Artikel-Bewertung:

2.8 von 5 Sternen bei 109 Bewertungen.