Und morgen Mittag bin ich tot
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09. Aug 2016

Entertainment

Neu im Kino: Und morgen Mittag bin ich tot

-ARCHIV-

Das bewegende Sterbehilfe-Drama startet am 13. Februar in den deutschen Kinos

Ein Wechselbad der Gefühle

"Langsam zu ersticken, finde ich ehrlich gesagt zum Kotzen" – Lea (Liv Lisa Fries) findet offene Worte für ihren Zustand. Seit ihrer Geburt leidet die 22-Jährige an Mukoviszidose, einer schweren Stoffwechselerkrankung, die bislang unheilbar ist. Eine eventuelle Überlebenschance bietet eine Organtransplantation, doch Leas Bruder Benji (Jonathan Berlin) ist vor Jahren bei der Lungen-Operation gestorben. Daraufhin hat sich Lea erst gar nicht auf die Organspende-Liste setzen lassen – und stattdessen einen anderen Plan gefasst: In Zürich will sie die dort erlaubte aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen. An ihrem Geburtstag.

So bittet Lea ihre Mutter Hannah (Lena Stolze) und Schwester Rita (Sophie Rogall), beide vollkommen ahnungslos, in die Schweiz zu kommen. Nur die kettenrauchende Oma Maria (Kerstin De Ahna) weiß Bescheid. Was folgt, ist ein Wechselbad der Gefühle: Unglaube, Verzweiflung, Wut, Resignation, Verständnis, Liebe. Und auch zwei Männer tauchen in den letzten Stunden in Leas Leben auf: Da ist zum einen der Chirurg Heiner (Johannes Zirner), der "den Muko entjungfert hat" (O-Ton Rita), zum anderen der psychisch kranke Moritz (Max Hegewald), dessen eigener Antrag auf Sterbehilfe abgelehnt wurde.

Tut sie's – oder nicht?

Dieses Keuchen. Es ist dieses Keuchen, dass Leas Krankheit regelrecht spürbar macht. Immer wieder hält sie an, krümmt sich, schnappt nach Luft. Treppen werden zu unüberwindbaren Hindernissen, nur in ihren Tagträumen kann Lea alltägliche Dinge unbekümmert genießen. Liv Lisa Fries spielt mit einer unglaublichen Intensität und verleiht ihrer todkranken Figur gleichzeitig eine zerbrechliche Aura sowie einen unbedingten Willen. Die Schauspielerin arbeitet alle Facetten aus: Lea ist nicht einfach nur ein hilfloses Opfer ihrer Krankheit – sie ist eine junge Frau mit Humor, Temperament, Intelligenz, Gefühl und auch mal einer großen Klappe. Vollkommen zu Recht wurde Fries für ihre Leistung in "Und morgen Mittag bin ich tot" mit dem Bayerischen Filmpreis und dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.

Mit den anderen Charakteren werden Antworten auf die vielleicht  zweitwichtigste Frage des Filmes verkörpert: Wie würde ich reagieren, wenn jemand aus meinem Freundeskreis oder der Familie eine solche Entscheidung verkündet? Während etwa die Oma ihre Enkelin unterstützt, verliert Leas Mutter immer wieder die Fassung und schwankt anfangs zwischen Ohnmacht und Wut.

Die wichtigste Frage mag dagegen sein: Wird Lea sterben oder entscheidet sie sich doch noch um? Regisseur Frederik Steiner macht es uns dabei nicht leicht. Immer wieder zeigt er harmonische, lebenswerte Momente – die aber meist direkt danach von einem erneuten Hustenanfall durchbrochen werden. "Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie" sagt Lea im ersten Drittel von "Und morgen Mittag bin ich tot". Nur zu oft wünscht man sich als Zuschauer, Lea würde sich für das Leben entscheiden, genauso oft gestattet man ihr ihren letzten Wunsch. 

"Und morgen Mittag bin ich tot" ist ein bewegendes Drama, das niemanden kalt lässt. Wahrlich keine leichte Kost, aber eine kleine Leinwandperle, die aus der deutschen Filmlandschaft hervorsticht. 

Und morgen Mittag bin ich tot

Drama, D 2014

Regie: Frederik Steiner

Darsteller u.a.: Liv Lisa Fries, Sophie Rogall, Lena Stolze, Kerstin de Ahna, Johannes Zirner, Max Hegewald

Verleih: Universum Film

Kinostart: 13. Februar 2014

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