Carly Rae Jepsen Interview
Carly Rae Jepsen macht nicht nur Musik, sondern engagiert sich auch gegen Homophobie. | Foto: Universal Music
Autor

17. Mai 2019

Sherin El Safty

Promis & Interviews

Carly Rae Jepsen im Interview

"Homophobie macht mich unglaublich wütend."

"Hauptsache meine Fans und ich lieben meine Musik!"

UNICUM: Sieben Jahre ist dein Durchbruch mit dem Hit "Call me maybe" jetzt her. Was waren seitdem die größten Wendepunkte in deiner Karriere?
Carly Rae Jepsen: Gott, es ist verrückt zu hören, dass bereits sieben Jahre vergangen sind. Die Produktion meines letzten Albums "Emotion" war auf jeden Fall eine große Veränderung für mich. Das Album war gleichzeitig Fluch und Segen. Auf der einen Seite konnte ich musikalisch herumexperimentieren, mit vielen verschiedenen Künstlern zusammenarbeiten und so meine Musik neu ausrichten. Auf der anderen Seite standen sowohl mein Produzent als auch ich unter dem Druck, an den Erfolg von "Call me maybe" anzuknüpfen.

Wie bist du mit dem Druck umgegangen?
Mein Erfolg 2012 ist das Unglaublichste und Größte, was mir in meinem Leben passiert ist. Ich habe nicht damit gerechnet, dass "Call me maybe" so viral gehen wird. Wenn du dich selbst unter Druck setzt, blockierst du dich jedoch immer selbst. Deswegen habe ich meinen Stress abgeschüttelt und musikalisch ganz, ganz viel ausprobiert, bis ich ein Album hatte, mit dem ich voll und ganz zufrieden war. Ich bin dann an den Punkt gekommen, dass ich realisiert habe, dass ich gar nicht für immer eine berühmte Künstlerin sein muss. Hauptsache meine Fans und ich lieben meine Musik.

Gibt es auch Dinge, die vor deinem Durchbruch einfacher waren?
Am schwersten fällt es mir, so weit weg von meiner Familie in Kanada zu sein. Wir haben einen sehr engen Familienzusammenhalt und verbringen normalerweise viel Zeit miteinander. Ich vermisse es, bei Problemen einfach zu meiner Mutter oder meiner Schwester zu gehen. Deswegen telefonieren wir auch so oft es geht. Die Entstehung eines neuen Albums ist ein offener Prozess.


Hier kannst du in Carly Rae Jepsens Album "Dedicated" reinhören:


Carly Rae Jepsens Songs sind ihre Babys

Dein neues Album trägt den Namen "Dedicated", was "gewidmet" bedeutet. Was ist der Grund, dass du dein Album so genannt hast?
"Dedicated" war ursprünglich der Titel eines Songs, den ich für meinen Freund geschrieben habe. Der Song ist zwar letztendlich nicht auf dem Album, dennoch passt der Name perfekt dafür. In all diese Songs habe ich mein Herzblut gesteckt. In all diesen Songs lässt sich ein Teil von mir selbst wiederfinden. Das Album ist also mir selbst, meinen Fans und der Musik selbst gewidmet.

In einem anderen Interview hast du erzählt, dass du für dein letztes Album "Emotion" über 200 Songs produziert hast, aus denen du für das endgültige Album auswählen musstest. Ist das diesmal wieder der Fall? Nach welchen Kriterien suchst du die Songs dann aus?
Die Entstehung eines Albums hört nicht einfach nach der Aufnahme des zwölften Tracks auf. Es ist vielmehr ein Prozess, den ich erst beende, wenn ich das Gefühl habe, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Ich liebe es nun mal, Musik zu machen. Alle meine Songs sind meine Babys. Deswegen fällt es mir sehr schwer, manche für das Album auszusortieren. Doch auch hier ist es ein Prozess. Ich mache eine Liste, überlege, werfe alles nochmal um und erstelle eine neue Liste, bis ich das Gefühl habe: So ist es gut.

Für deine Musik nimmst du dir die Popmusik der 80er Jahre zum Vorbild. Was gefällt dir an dieser Ära der Popmusik?
Die Musik dieser Zeit ist von Herzen und so verdammt emotional. Obwohl die 80er Jahre schon lange her sind, ist ihre Musik zeitlos und bewegt die Emotionen ihrer Zuhörer auch heute noch. Auch ich möchte zeitlose Musik schaffen. Für mich ist es außerdem eine großartige Möglichkeit, meine eigenen Gefühle zu verarbeiten. Cindy Lauper ist hier mein ganz großes Idol. Auf meinem neuen Album lassen sich aber auch Einflüsse der Discomusik der 90er wiederfinden.

"Ich weiß, dass die Liebe am Ende immer siegen wird."

Neben deiner Leidenschaft für die Musik engagierst du dich auch sehr für die LGBTQ-Community in den USA und Kanada. Was ist der Grund, dass du dich gerade für diese Minderheit engagierst?
Es ist einfach ein gutes Gefühl, helfen zu können. Von dieser Thematik bin ich regelmäßig selbst betroffen, wenn ich höre, was für schlimme Erfahrungen von Diskriminierung meine Freunde oder Verwandten aus Kanada und den USA erleben müssen. Homophobie macht mich unglaublich wütend. So wütend, dass ich gar nicht anders kann, als immer, wenn es mir möglich, mich dagegen einzusetzen.

Wie sieht dein Engagement genau aus?
Immer, wenn ich kann, trete ich bei Festivals oder Paraden der LGBTQ-Community auf. Das ist für mich dann oberste Priorität. Natürlich war ich auch bei der "Freedom-to-Marry-Party" in New York, als 2015 dort die Ehe für alle beschlossen wurde. Auch wenn mich Leute davor warnen, dass bei solchen Veranstaltungen die Gefahr von Bomben oder Ähnlichem besteht, gehe ich dorthin. Ich weiß, dass die Liebe am Ende immer siegen wird. Damit das auch jeder versteht, beziehe ich ganz klar Position. Bei meiner diesjährigen US-Tour geht außerdem ein Dollar von jedem verkauften Ticket an "The Trevor Project". Das ist eine Organisation, die LGBTQ-Jugendliche unterstützt.

Wie schätzt du die Situation der LGBTQ-Community in den USA ein?
Da ich nicht direkt von Diskriminierungen betroffen bin, kann ich auch nur vage Vermutungen anstellen. Es ist in jedem Fall gut, dass die Thematik in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen hat und sich bei vielen Menschen ein größeres Bewusstsein dahingehend entwickelt hat. Es wird immer mehr zu einer globalen Herausforderung, was der Bewegung mehr Kraft verleiht. Deswegen glaube ich, dass wir in Zukunft noch mehr Fortschritte weltweit machen werden.

Ende Mai beginnt deine US-Tour. Hast du schon Pläne für die Zeit danach?
Musik machen natürlich (lacht). Konkretere Pläne gibt es noch keine. Ich freue mich aber auch darauf, offenzubleiben und zu schauen, was passiert. Musik von mir wird es auf jeden Fall noch eine Zeit lang geben.


UNICUM Musik-Tipp

Carly Rae Jepsen

"Dedicated"

Universal Music

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Mehr Infos findest du auf der Website von Carly Rae Jepsen

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